Abholstationen Macht Amazon bald der Post Konkurrenz?

Onlinehändler Amazon baut ein Netz aus Abholstationen auf - noch zu Testzwecken. Beobachter sehen darin einen ersten Schritt zum eigenen Zustellservice.

Amazon-Paket Quelle: REUTERS

Die Ähnlichkeit mit den Packstationen der Deutschen Post ist frappierend: gelbe Farbe, zahlreiche Fächer, Touchscreen-Monitor. Mit dem „Amazon Locker“ baut der Internethändler aus den USA derzeit eigene Abholstationen auf und optimiert so den Versand der bestellten Waren. Noch testet der Konzern die Abholstationen in San Francisco, Seattle, New York und Washington DC. Hinzu kommt als einzige europäische Stadt London.

Der Probelauf von Amazon dürfte von Logistikkonzernen weltweit argwöhnisch beäugt werden. Bislang versendet der Onlinehändler Waren über herkömmliche Zustelldienste wie UPS, Fedex, Deutsche Post und Hermes. Auch die „Amazon Locker“ in den USA werden noch von UPS und Fedex gefüttert. Doch das könnte Amazon theoretisch auch selbst irgendwann übernehmen. In Seattle testet der Konzern seit 2007 die Auslieferung von Lebensmitteln – mit eigener Wagenflotte.

Das Imperium von Amazon
Viel Geld in der KasseIn den ersten sechs Monaten 2013 setzte Amazon 31 Milliarden US-Dollar um - gut fünf Milliarden mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon blieben 75 Millionen Dollar Gewinn hängen (2012: 137 Millionen). 2012 setzte Amazon gut 61 Milliarden US-Dollar um (Vorjahr: 48 Milliarden), machte aber einen Nettoverlust von rund 30 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 631 Millionen Gewinn). Ein Überblick über Teile des Amazon-Imperiums... Quelle: dpa
Investitionen ins eigene UnternehmenMal als Nebengeschäft begonnen, ist der Buchhändler mittlerweile auch ein Riese im Cloud-Computing. Dabei vermietet Amazon Speicherkapazitäten seiner Großrechenanlagen, etwa eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr bringt das nach einer Berechnung der Schweizer Investmentbank UBS. Und das Geschäft wächst rasant: Bis 2014 sollen sich die Einnahmen verfünffachen. Auch der hauseigene E-Reader Kindle liegt dem Unternehmen am Herzen. Mittlerweile wurden hier die Preise drastisch reduziert. Im Spätsommer 2011 begann Amazon mit der neuesten Version seines E-Readers einen Angriff auf den Branchenprimus Apple und präsentierte mit seinem Kindle Fire einen würdigen iPad-Herausforderer. Aber auch größere und kleinere Onlinehandelsplattformen verleibt sich Amazon gerne ein, so gerade aktuell den Filmaboservice Lovefilm… Quelle: AP
LovefilmDVDs kommen per Post ins Haus, mit dem „Lovefilm“-Player kann der Nutzer aber die aktuellen Hollywood-Streifen auch direkt auf seinem Rechner anschauen. Amazon hält schon länger eine Minderheitsbeteiligung an dem Unternehmen und wickelt seinen eigenen Film-Abo-Service direkt über Lovefilm ab. Simon Calver, Chief Executive von LOVEFiLM International, lobt die Übernahmepläne bei der Bekanntgabe am 20. Januar 2011. "Mit Amazons voller Unterstützung können wir entscheidende Verbesserungen für unsere Mitglieder in Europa umsetzen", hofft er. Fremd ist Amazon das Geschäft mit Filmen nicht… Quelle: Screenshot
IMDb… Amazon hatte 2008 sein Filmverleihgeschäft in Deutschland und Großbritannien mit Lovefilm zusammengelegt und war mit 42 Prozent größter Einzelaktionär geworden. Bereits 1998 verleibte sich Amazon die "Internet Movie Database" (IMDb) ein, die selbst zu diesem Zeitpunkt in ihren Ursprüngen bereits acht Jahre alt war, für das Internet also so etwas wie die Rolle des Urgroßvaters vom Web 2.0 spielt. IMB ist eine der größten Datenbanken über Filme, Fernsehserien, Videoproduktionen und Videospiele sowie über Personen, die daran mitgewirkt haben. Gerade im Kalenderjahr 2010 investierte Amazon wieder kräftig in Webunternehmen… Quelle: Screenshot
WootEinen gewissen Verkaufsdruck erzeugen will die E-Commerce-Plattform Woot. Nutzer bekommen nicht angezeigt, wie viele Bestände des nur einen Tag gültigen Angebots vorhanden sind. Der Preis ist niedrig, die Produkte stehen im Wettbewerb zu den Angeboten von Amazon.Woot verkauft auf dem amerikanischen Markt – und Mitte 2010 langte Amazon für einen unbekannten Preis zu. Quelle: Screenshot
BuyVIPNur ein paar Monate später, im Oktober 2010, griff sich Amazon ein weiteres Webunternehmen. BuyVIP ist eine geschlossene Shopping-Community. Die Mitglieder haben die Möglichkeit, auf persönliche Einladung an limitierten Verkaufskampagnen teilzunehmen. In diesen Kampagnen werden ausgewählte Produkte beliebter und bekannter Marken aus dem Lifestyle- und Fashion-Bereich angeboten. Entsprechend leer kommt die Startseite daher; ein bisschen Animation von neuer Mode und ein Anmeldeformular. 70 Millionen Euro blätterte Amazon dafür auf den Tisch – nachdem der Marktführer Vente-Privée mehrfach abgewunken hatte. Quelle: Screenshot
Diapers und SoapAmazon ist ein riesiger Onlinehändler, doch in bestimmten Nischen hat die Konkurrenz die Nase vorn. So wurde Diapers zum größten Versandhändler von Babywindeln. Ein lukratives Geschäft - Amzon blätterte im November 2010 mehr als eine halbe Milliarde Dollar auf den Tisch um Quidsi zu übernehmen. Das amerikanische Unternehmen Quidsi betreibt diapers.com, sowie den Drogeriespezialisten soap.com. 545 Millionen Dollar sind zwar nicht von Pappe, aber einmal bezahlte Amazon sogar noch deutlich mehr für eine Onlinehandelsplattform… Quelle: Screenshot

Amazon könnte Zustellung eventuell günstiger organisieren

Amazon ist derzeit wohl zunächst daran interessiert, die Abholqualität für Großstädter zu optimieren. Für die Käufer, die sich ihre Waren an eine der zahlreichen „Amazon Locker“ liefern lassen, liegen die Pakete drei Tage lang in der Station und können rund um die Uhr abgeholt werden. Amazon informiert seine Nutzer per E-Mail und schickt einen mehrstelligen „Pick-up Code“, mit dem der Käufer seine Ware nach Eingabe in den Touchscreen abholen kann.

Doch Beobachter mutmaßen, dass Amazon mittelfristig auch Interesse an der eigenen Zustellung haben könnte. Das Sendungsvolumen dürfte für ein ausgewähltes Zustellnetz ausreichen. Wer schon mal beobachtet hat, wie etwa ein Zusteller der Deutschen Post eine Packstation auffüllt, stellt fest, dass das Amazon-Logo auf fast jedem vierten Paket und Päckchen prangt. Auffällig ist sonst nur der Online-Schuhhändler Zalando. Die Frage ist also, ob Amazon unterm Strich Kosten sparen würde, wenn die Ausgaben für externe Zustelldienstleister teilweise wegfallen, stattdessen aber eigene Personal- und Transportkosten hinzu kommen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%