About-You-Chef Tarek Müller „Die Kooperationen mit Influencern werden wir auf jeden Fall weiterführen“

Tarek Müller, Unternehmer, gestikuliert während eines Gesprächs auf einer Bühne. Quelle: dpa

Der Online-Modehändler About You gehörte zu den wichtigsten Geschäftspartnern des in die Kritik geratenen Influencers Fynn Kliemann. Es ist nicht die einzige Baustelle für About-You-Chef Tarek Müller.

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Trotz Negativ-Schlagzeilen um die Maskengeschäfte des Influencers und Sängers Fynn Kliemann setzt der Online-Modehändler About You weiter auf die Zusammenarbeit mit Influencern und Prominenten. „Die Kooperationen mit Influencern werden wir auf jeden Fall weiterführen, das ist für uns ein großer Wachstumshebel“, sagte About-You-Mitgründer und Co-Chef Tarek Müller der WirtschaftsWoche. Dabei gehe es ihm vor allem um Exklusivität. Die sei „ein zentraler Treiber für unser Geschäft, um neue Kunden zu überzeugen“, so Müller. Bei About You gebe es Kollektionen, die kein anderer Anbieter hat. „Das ist so ähnlich wie bei Netflix, die es mit ihren exklusiven Inhalten geschafft haben, die Kunden auf ihre Plattform zu ziehen.“  

Vor wenigen Wochen hatten Recherchen von Jan Böhmermanns „ZDF Magazin Royale“ zu Kliemanns Maskengeschäften für Aufsehen gesorgt. In dem Fall geht es um die Frage, ob der tatsächliche Produktionsort von Schutzmasken – Asien statt Europa – im Jahre 2020 bewusst verschleiert wurde.

About You war einer der wichtigsten Vertriebspartner Kliemanns. Der Musiker, der in Beziehung zum Textilhersteller Global Tactics steht, hatte zunächst mitgeteilt, dass About You Bescheid gewusst habe, dass die Lieferungen aus verschiedenen Ländern, auch außerhalb Europas stammten. About-You-Co-Chef Müller schrieb darauf auf Twitter: „Das stimmt nicht.“ Er führte weiter aus: „Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt und wir haben den Fall unverzüglich intern geprüft, um uns ein genaues Bild zu machen.“ 

„Wir haben bislang immer geliefert“

Der Fall Kliemann ist indes nicht die einzige Baustelle für About-You-Chef Müller. Investoren sorgen sich um das Wachstum des Modehändlers. Die Aktien von About You fielen am Dienstag zeitweise um fast 14 Prozent, so stark wie noch nie seit dem Börsengang vor etwa einem Jahr. Damals war das Unternehmen zum Ausgabepreis von 23 Euro pro Aktie gestartet, mittlerweile hat sich der Wert fast gedrittelt. Der Kurs lag am Dienstagnachmittag bei rund 8,20 Euro.

„Der Aktienkurs wird stark von externen Faktoren bestimmt“, sagte Müller dazu. „Wir haben bislang immer geliefert und unsere Prognosen teilweise sogar übererfüllt, trotzdem ist der Kurs gefallen.“ Im Vergleich zu den direkten Wettbewerbern habe sich die About-You-Aktie aber ohnehin „ganz ordentlich geschlagen.“

Hintergrund der jüngsten Abwärtsbewegung ist der Ausblick des Unternehmens für das Geschäftsjahr 2022/2023. Das angepeilte Umsatzwachstum bleibe mit 25 bis 35 Prozent hinter den Markterwartungen zurück, moniert Analyst Volker Bosse von der Baader Helvea Bank. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte About You dagegen ein Umsatzplus von 48,5 Prozent erzielt.

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„Im Vergleich zum Gesamtmarkt sind wir weiter stürmisch unterwegs“, sagte Müller. Tatsächlich wirken die Ziele angesichts des konjunkturellen Gegenwinds durchaus ambitioniert. „Die Welt sorgt dafür, dass uns nicht langweilig wird“, so Müller. „Der Ukrainekrieg strahlt auch auf den Konsum in den Nachbarländern aus, die für About You wichtig sind.“ Zudem spüre das Unternehmen vor allem bei Produkten aus dem Schuh- und Sportbereich Lieferkettenprobleme und steigende Kosten durch die Inflation. „Trotz dieses Umfelds werden wir unsere Ziele erreichen“, verspricht Müller. „2023/24 peilen wir auf Konzernebene den Break-Even an und zwei Geschäftsjahre später wird der Konzernumsatz bei fünf Milliarden Euro liegen.“

Der Start in das neue Jahr sei solide verlaufen, und About You sei zuversichtlich, auch seine Profitabilität zu verbessern, hieß es. Dazu dürfte auch die Entspannung der Corona-Lage beitragen. Denn die Pandemie war zwar generell ein Treiber für den E-Commerce und habe die Bereitschaft erhöht, online zu shoppen, so Müller. Aber: „In unserer Zielgruppe war diese Bereitschaft aber ohnehin längst vorhanden.“

Insofern wirkten sich die Corona-Einschränkungen eher negativ auf das Geschäft des Online-Players: „Viele Events wie Festivals, Partys und Hochzeiten sind ausgefallen – und damit auch Anlässe, bei uns einzukaufen“, sagt Müller. „Jetzt geht es wieder los, das sehen wir auch an den Warenkörben im Shop.“

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