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Abwicklung Kunden werden Praktiker nicht vermissen

Die Baumarktkette Praktiker erleidet das Schlecker-Schicksal und wird abgewickelt. So schmerzhaft der Schritt für die Beschäftigten auch ist, die meisten Kunden werden Praktiker nicht vermissen.

Die Baumarktkette Praktiker hat sich ins wirtschaftliche Jenseits rabattiert. Quelle: dpa

Was Experten schon vor Jahren prophezeit hatten, wird nun zur Gewissheit: Die Baumarktkette Praktiker hat sich ins wirtschaftliche Jenseits rabattiert. Den vom vorläufigen Insolvenzverwalter Christopher Seagon beauftragten Investmentbankern ist es nicht gelungen, Investoren zu finden, die das Unternehmen als Ganzes fortführen wollen. Jetzt folgt der finale Abverkauf  und di e Zerschlagung, die Hoffnungen ruhen nun auf einem Verkauf der Schwestermarke Max Bahr.

Die größten Baumärkte in Deutschland
Platz 10: EMV-ProfiEMV-Profi ist ein Einkaufs- und Marketingverbund. Die unter dem Dach der Marke laufenden Baumärkte sind selbstständig; 2007 waren es 274. Gegründet wurde der Verband im Jahr 1997. Die Gesamtverkaufsfläche beträgt 540.000 Quadratmeter. Umsatz 2011 in Deutschland: 0,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hat EMV-Profi um 5,3 Prozent zugelegt (Umsatz 2010:0,76 Milliarden Euro). Quelle: Presse
Platz 9: EurobaustoffUmsatz 2011: 0,92 Milliarden Euro Die Kette erwirtschaftet ihren gesamten Umsatz in Deutschland. Gegenüber 2010 ist Eurobaustoff kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 13,6 Prozent gegenüber Vorjahr (2010: 0,81 Milliarden Euro) Quelle: Presse
Platz 8: Hellweg/Baywa*Umsatz 2011: 0,93 Milliarden Eruo - ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2010. *Proforma-Zahlen (Hellweg hat 2012 einen Teil des Baywa-Geschäftes übernommen) Quelle: dpa/dpaweb
Platz 7: Globus Holding Umsatz 2011: 1,38 Milliarden Euro Globus erwirtschaftet fast seinen gesamten Umsatz in Deutschland und konnte gegenüber Vorjahr leicht wachsen (2010: 1,36 Milliarden Euro) Quelle: Screenshot
Platz 6: ToomUmsatz 2011: 2,41 Milliarden Euro Toom gehört zum Rewe-Konzern. Die Kette konnte ihren Umsatz in den vergangenen beiden Jahren solide steigern (2010: + 3,9 Prozent; 2011: +2,1 Prozent) Filialen im In- und Ausland: 370 Mitarbeiterzahl: 14.500 Werbeslogan: "Der Baumarkt" Quelle: Presse
Platz 5: ZeusUmsatz 2011: 2,63 Milliarden Euro - ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2010: 2,36 Milliarden Euro) Quelle: Presse
Platz 4: HornbachUmsatz 2011: 3,50 Milliarden Euro Zwei Drittel des Umsatzes macht Hornbach in Deutschland (2,05 Milliarden), im Vergleich zum Vorjahr ist Hornbach um 5,4 Prozent gewachsen (Umsatz 2010: 3,2 Milliarden) Eigentümer: Kingfisher, Familie Hornbach, Streubesitz Werbeslogans: "Es gibt immer was zu tun" - "Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht" - "Wie viel Wahnsinn steckt in Dir?" Quelle: dpa

Wird jemand Praktiker vermissen?

Sicher, die Mitarbeiter. Sie trifft die Pleite - wie so oft - am stärksten.  Zwar dürften zahlreiche Praktiker-Standorte am Ende von Wettbewerbern übernommen werden, so dass etliche Filialbeschäftigte auf einen Folge-Job hoffen können. Doch für einen Großteil der 5.300 Beschäftigten sieht es finster aus - insbesondere für die Praktiker-Mitarbeiter in den Zentralen in Kirkel und Hamburg. Sie können nur darauf setzen, dass der Verkauf von Max Bahr gelingt und ein Investor zum Zuge kommt, der Interesse daran hat, zumindest einen Zentralstandort weiterzuführen.

Doch auf Kundenseite hält sich das Bedauern in Grenzen. Die finalen Rabatte, mit denen die Regale in den Praktiker-Filialen jetzt  geleert werden sollen, dürften in den nächsten Tagen für einen letzten Ansturm von Schnäppchenjägern sorgen  und damit nochmals auf das Grunddilemma des Unternehmens verweisen: Die Marke Praktiker war allein auf den Preis fokussiert. Andere Gründe die Läden zu betreten fielen für Kunden über Jahre kaum ins Gewicht. Bei fast allen Befragungen rangierte die Marke Praktiker bei Themen wie Service und Beratungskompetenz denn auch abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze.

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Für Einzelhändler taugt das Scheitern von Praktiker - wie zuvor schon das von Schlecker - derweil als doppelte Mahnung: Finger weg von waghalsigen Expansionsprogrammen, die über teure Langzeitmietverträgen zu einer Dauerbelastungen werden. Finger weg aber vor allem von einer Überbetonung von Rabatten und Preisvorteilen. Klar, der Preis bleibt das entscheidende Einkaufskriterium - aber nicht das einzige.

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