Adidas-Chef Herbert Hainer "Finale im Zeichen der drei Streifen"

Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer über das WM-Finale, den ersten Ball der Welt mit einem eigenen Twitter-Account und Manchester United.

Adidas-Chef Herbert Hainer Quelle: dpa

WirtschaftsWoche Online: Herr Hainer, zum ersten Mal seit fast einem Vierteljahrhundert steht Adidas mit zwei Teams im WM-Finale – werden Sie jetzt Ihre Umsatzerwartungen für das Fußballsegment nach oben korrigieren? Verkaufen Sie jetzt mehr als zwei Millionen Deutschland-Trikots?

Herbert Hainer: Das Finale wird auf jeden Fall im Zeichen der drei Streifen stehen: Adidas ist der Partner beider Mannschaften, stellt den offiziellen Spielball und stattet mit Abstand die meisten Spieler mit Schuhen aus. Für uns ist diese WM deshalb schon jetzt ein voller Erfolg. Dies alles wird dazu führen, dass wir in diesem Jahr einen Rekord-Fußballumsatz von 2 Milliarden Euro erzielen werden. Den Großteil der Trikots haben wir bereits in den vergangenen Wochen und Monaten verkauft. Natürlich wird der WM-Titel noch mal für einen Extra-Schub sorgen. Von dem werden wir profitieren, ganz egal ob Deutschland oder Argentinien gewinnt.

Größte Sportartikelhersteller der Welt

Droht im kommenden Jahr wegen des direkten Vergleichs nun ein Umsatzrückgang in der Kategorie Fußball?

Die letzten Wochen haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, welche Popularität die Sportart weltweit genießt. Und Fußball wird auch nach der WM weitergespielt, zum Beispiel in den nationalen Ligen, der UEFA Champions League oder der Qualifikation zur EURO 2016. Mit Juventus Turin haben wir zudem ab dem kommenden Sommer einen neuen Top-Verein unter Vertrag, auch das wird zu unserem Umsatzwachstum beitragen. Ich gehe davon aus, dass unsere Fußball-Umsätze auch zukünftig weiter zulegen werden. 

Haben andere Sport-Kategorien wie Running oder Fitness auch vom Hype um den Fußball und die Präsenz der Marke bei der WM profitieren können?

Während der WM war adidas die mit Abstand sichtbarste Marke. Diese Visibilität wirkt sich positiv auf unsere gesamte Marke aus und führt mittel- und langfristig zu positiven Effekten für die anderen Kategorien.

Diese Unternehmen profitieren von der Fußball-WM
AB InBevWer in einem brasilianischen WM-Stadion ein Bier zischen will, muss zu Budweiser aus dem Konzern AB InBev greifen. Für den weltgrößten Bierhersteller und WM-Sponsor hat die Fifa extra das Ausschankverbot in Stadien aufgehoben. Auch zwei Kilometer um die Stadien herum darf nur Budweiser getrunken werden. Außerhalb dieser Bannmeilen ist es ebenso schwer, um AB-InBev-Produkte herum zu kommen. Ob Brahma, Skol oder Antarctica – fast alle gängigen Biermarken in Brasilien gehören längst zu AB InBev. Quelle: dapd
AdidasDer fränkische Sportartikelhersteller Adidas stellt mit dem "Brazuca" den offiziellen WM-Ball her. Das 129,95 Euro teure Stück wird reichlich Abnehmer finden: Sein Vorgänger, der "Jabulani" zur WM in Südafrika, verkaufte sich immerhin über 15 Millionen Mal. Quelle: dpa
Hyundai und KiaBrasilien ist mit 1,6 Millionen Neuzulassungen von Januar bis April 2014 dem Verband der Autoindustrie (VDA) zufolge der fünftgrößte Automobilmarkt der Welt. Daraus erhofft sich vor allem die koreanische Hyundai Kia Automotive Group einiges rauszuholen. Als Fifa-Sponsor stellt der Konzern mit 1.021 Fahrzeugen die offizielle WM-Flotte während des Großereignisses. Quelle: dapd
ContinentalWährend in den WM-Stadien der Ball rollt, sollen in den Straßen Brasiliens die Reifen von Continental rollen. Schon jetzt hat der Reifenhersteller aus Hannover einen Marktanteil in Brasilien von zehn Prozent. Als Sponsor der WM soll dieser Anteil steigen - nicht nur in Brasilien, sondern weltweit. Quelle: dpa
Deutsche ArchitektenbürosZahlreiche WM-Spiele werden in deutschen Designobjekten stattfinden. Die Planungsentwürfe der Stadien Manaus (Foto), Belo Horizonte und Brasilia stammen aus dem Hamburger Architektenbüro "gmp" und die neue Arena in Salvador stammt von "Schulitz + Partner" aus Braunschweig. Quelle: dpa
Coca-ColaCoca Cola darf sich rund um die WM über einen hohen Absatz freuen - vor allem im heißen Brasilien. Laut dem Marktforschungsinstitut YouGov gibt jeder vierte Brasilianer Coca Cola als seine beliebteste Getränkemarke an. In Deutschland ist es jeder Neunte. Um außer die Fans in den WM-Stadien auch die Zuschauer rund um den Globus zu erreichen, will das Unternehmen dieses Jahr seine größte WM-Kampagne aller Zeiten aufstellen: Dazu gehören YouTube-Videos, TV-Spots, die Original-WM-Trophäe, die in einer PR-Aktion für Coca Cola um die Welt reiste und der neue "Coke-Song" von Sänger David Correy für die WM. Quelle: dpa
SonyViele Fans kaufen zur WM gerne neue Fernseher, um das Fußballspektakel in Top-Qualität zu erleben. An diesem Geschäft will WM-Sponsor Sony mit verdienen und hat mit dem 55 Zoll großen Sony 4K (Foto) den „offiziellen WM-Fernseher“ herausgebracht. Quelle: dpa

Adidas hat statt in TV-Werbung massiv in Marketing in sozialen Netzwerken investiert – was hat das gebracht?

Stimmt – unser Ziel war es, in den sozialen Medien mehr Beachtung als alle anderen Marken zu erzielen, das haben wir eindrucksvoll erreicht. In Rio haben wir Mitarbeiter aus der ganzen Welt zusammengetrommelt, die von dort aus unsere sozialen Kanäle mit Inhalt versorgt und während besonderer WM-Momente Aufmerksamkeit erregt haben.

Die Ergebnisse sprechen für sich: unsere Marke hat in den sozialen Kanälen für den meisten Gesprächsstoff gesorgt. Allein unser Hashtag #allin ist auf Twitter knapp 700.000 mal genutzt worden. Brazuca, der erste Ball mit einem Twitter-Account, hat inzwischen mehr als 3 Millionen Anhänger.

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