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Adidas und der FC Bayern Dumm gelaufen

Ausgerechnet nach Pokal-Aus und Rutsch-Partie beim Elfmeterschießen wird der neue Millionen-Vertrag zwischen Bayern München und Adidas bekannt.

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Philipp Lahm sitzt beim DFB-Pokal - Halbfinale auf dem Boden Quelle: dpa

Das hatten sich beide Seiten dann sicher ein wenig anders vorgestellt: Am Tag nach dem erhofften Sieg über Borussia Dortmund im Halbfinale des DFB-Pokals sollte die Nachricht den Ruhm des erfolgsverwöhnten FC Bayern wohl noch zusätzlich mehren – und der Konkurrenz klarmachen, dass das Konto des Rekordmeisters auch in den kommenden Jahren weiter prall gefüllt bleibt.

Dafür sorgen soll der neue Vertrag mit dem Traditionspartner (und Anteilseigner) Adidas, der die Münchner seit einer gefühlten Ewigkeit ausstattet und mit dem der alte und neue Deutsche Meister nun die Zusammenarbeit vorzeitig bis 2030 verlängert hat. Die Unterschrift unter den neuen Ausrüstervertrag – der derzeit gültige läuft eigentlich noch bis 2020 – bringt den Bayern laut Sport-Bild angeblich bis zu 900 Millionen Euro ein.

Der Adidas-Konzern in Zahlen 2014

Doch dann das: Im Elfmeterschießen scheitern die Münchner an sich selbst – und offenbar auch an der Wahl der falschen Stollen. Philipp Lahm und Xabi Alonso glitschten am Punkt aus und droschen die Kugel ungelenk gen Autobahn A9. Hersteller der Unglücks-Treter: in beiden Fällen ausgerechnet Adidas. Zwar scheiterte danach auch Mario Götze, und der trägt bekanntlich sündteure Nike-Stiefel. Doch auch Manuel Neuer, seines Zeichens Adidas-Athlet, hatte sein Schuhzeug offenbar nicht völlig im Griff: Der Nationaltorwart in Diensten der Münchner traf zur Freude der schadenfrohen Anti-Bayern-Gemeinde nur die Latte. Die Bayern sind also raus – und ob nun die Story vom Geldsegen aus Herzogenaurach an der Isar den Schmerz über das unglückliche Pokal-Aus lindert, ist mehr als zweifelhaft.

Zweifelhaft ist allerdings auch, ob die kolportierte Summe überhaupt stimmt. Zwar bestätigte ein Adidas-Sprecher die vorzeitige Verlängerung des Vertrags - und sagte erwartungsgemäß nichts zur Höhe der Dotierung. Laut Sport-Bild soll der Betrag von derzeit 25 Millionen Euro auf 60 Millionen Euro pro Spielzeit anschwellen. An der Darstellung gibt es allerdings unter Experten durchaus Zweifel. Um die wirkliche finanzielle Dimension abschätzen zu können, müssten die Details des Deals bekannt sein: Was steht alles im Vertrag, gehören schlichte Fanshirts ohne Hersteller-Logo auch dazu, stellt Adidas künftig weitere Lizenzprodukte mit Bayern-Logo her, haben sie künftig noch mehr Zugriff auf Bayern-Spieler, um diese etwa in ihre Werbekampagnen einzubauen?

Abschied von langjährigen Adidas-Partnern

Gleiches gilt für den Monster-Vertrag, der seit einiger Zeit über der Fußball-Landschaft schwebt: Von der kommenden Spielzeit an wird Adidas auch Manchester United ausstatten, den vielfachen englischen Meister, der bis dato mehr als zehn Jahre lang in Nike-Leibchen auflief. Auch da kennen nur Eingeweihte die Details, auch da ist klar, dass die kolportierte Summe nur dann erreicht wird, wenn der Verein alle definierten Ziele wie Meisterschaften oder Champions League-Teilnahmen erreicht – verfehlt er sie, fließt weniger Geld.

Sind sie erfolgreich, überweist Adidas ManU angeblich mehr als 900 Millionen Euro über eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren. Logisch, dass die Branche angesichts solcher Summen in Aufruhr ist. Was, wenn ausgerechnet der vom FCB-Anteilseigner gemästete Konkurrent den Münchnern den einen oder anderen interessanten Spieler vor der Nase weg kauft? Nicht nur deshalb hat der ManU-Kontrakt auch in München den Hausfrieden einigermaßen durchgerüttelt und auch bei anderen von Adidas ausgestatteten Vereinen für Ärger gesorgt – warum bekommen die so viel und wir so wenig? Der neue Bayern-Vertrag dokumentiert nun, dass auch die anderen Groß-Clubs einen ordentlichen Nachschlag bekommen.

Die umsatzstärksten Fußballclubs

Sparen werden die Herzogenauracher dafür an anderer Stelle: Vor wenigen Tagen erst verkündete der 1. FC Nürnberg treuherzig, in der kommenden Saison rüste Adidas den Club noch aus. Doch danach, da sei man dann offen für neue Partner. Adidas konzentriere sich gemäß der neuen Strategie „noch stärker auf Partnerschaften mit ausgewählten Top-Vereinen und -Verbänden im internationalen Fußball sowie mit jungen, aufstrebenden Spielern“.

Handel



Spannend wird, von wem sich die Franken noch alles trennen werden, Gerüchte bringen schon den FC Schalke ins Gespräch. Nicht minder interessant dürfte auch das anschwellende Gefeilsche um die deutsche Nationalmannschaft werden, ebenfalls ein langjähriger Adidas-Partner, um den allerdings auch schon seit Jahren der US-Konzern Nike herumschleicht.

Zumindest für die Adidas-Chefs barg der Pokal-Krimi von gestern Abend dann doch noch einen schwachen Trost: Genau wie die Pechvögel Lahm und Alonso trugen auch Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl, die für Dortmund im Elfmeterschießen trafen, Fußballschuhe mit den drei Streifen. Und ausgerechnet Gündogan präsentierten die Franken vor gerade mal vier Wochen als eines ihrer neuen Werbe-Gesichter. Weggerutscht ist zumindest der gestern nicht.

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