Ahold und Delhaize Milliarden-Fusion im Einzelhandel ist perfekt

Der niederländische Einzelhändler Ahold, der auch in NRW eine Handvoll Albert Heijn-Filialen unterhält, schließt sich mit seinem belgischen Rivalen Delhaize zusammen. Mit der Fusion entsteht ein Riesen-Konzern.

Ahold und Delhaize fusionieren Quelle: REUTERS

Die Preisschlacht mit Discountern treibt den niederländischen Einzelhändler Ahold in eine Fusion mit dem belgischen Rivalen Delhaize. Wie beide Unternehmen am Mittwoch mitteilten, entsteht damit ein Konzern mit 6500 Filialen und 375.000 Mitarbeitern. Die Ahold-Offerte bewertet Delhaize mit rund 9,3 Milliarden Euro. Mit einem Umsatz von rund 54 Milliarden Euro gehört das neue Unternehmen zu den weltweit 20 größten Einzelhändlern - in den USA rückt es auf Platz sechs vor und in den Benelux-Ländern ist es Branchenführer. Auf dem deutschen Markt ist Ahold lediglich mit einer Handvoll Filialen der Kleinmarktkette Albert Heijn to go in Nordrhein-Westfalen vertreten.

An der fusionierten Firma wird Ahold 61 Prozent halten. Mit den Albert-Heijn-Märkten ist die Supermarktkette daheim bereits Branchenprimus. In den USA betreiben die Niederländer die Geschäfte Stop&Shop sowie Giant. Zu Delhaize gehören die US-Ketten Food Lion und Hannaford.

Die größten Discounter der Welt 2014

An der Börse büßten Delhaize-Papiere am Mittwoch mehr als vier Prozent ein. Einige Analysten sagten, die Belgier bekämen weniger Geld als gedacht. Mit einem Wert von 17,3 Milliarden Euro sind die Niederländer am Kapitalmarkt rund doppelt so groß. Seit Bekanntwerden der Fusionsgespräche Mitte Mai sind Ahold-Aktien mehr als zehn Prozent gestiegen, Delhaize-Papiere legten 20 Prozent zu.

Der deutsche Handelsriese Metro muss vor allem in den Benelux-Staaten mit einem verschärften Wettbewerb rechnen. Der Düsseldorfer Konzern ist in den Niederlanden und Belgien mit insgesamt 22 Großmärkten vertreten. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 107.

Hauptziel: Die Kosten müssen sinken

Ahold und Delhaize Unternehmen gelten seit langem als Fusionskandidaten und haben bereits einen Anlauf für einen Zusammenschluss hinter sich. Angesichts der wachsenden Konkurrenz durch Discounter und niedriger Gewinnmargen in der Branche ist der Druck groß, Kosten zu senken, um gegen die Verhandlungsmacht der Marktführer Wal-Mart und Carrefour anzukommen. Ahold und Delhaize erwarten durch den Zusammenschluss Einsparungen von 500 Millionen Euro, vor allem in den USA.

Die Ahold-Offerte heizte an der Börse weitere Fusionsfantasien im Lebensmittel-Einzelhandel an: Aktien von Metro, Carrefour, Tesco, Sainsbury und Morrisons legten zwischen 0,4 und 2,9 Prozent zu.

Die Transaktion soll Mitte nächsten Jahres über die Bühne sein. Ahold-Chef Dick Boer wird auch den neuen Konzern anführen. Delhaize-Chef Frans Muller, ein ehemaliger Metro-Vorstand, zieht ebenfalls in die Führungsriege des fusionierten Konzerns ein. Boer rechnet nicht mit Schwierigkeiten durch die Wettbewerbshüter. "Wir sind in den meisten unserer Märkte wirklich komplementär aufgestellt, das ist die Besonderheit dieses Zusammenschlusses." In Deutschland war zuletzt die Fusion von Edeka und Tengelmann am Veto des Bundeskartellamts gescheitert.

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