WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Air India Staatlicher Irrflug in die Pleite

Indiens Fluggesellschaften sind tief verschuldet. Es gibt kaum Hoffnung auf ausländische Investoren. Grund für die Misere: Subventionen für Air India haben zu einem ruinösen Preiskampf unter den Airlines geführt.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Indische Medien vermuten, dass Banken bei dem hochverschuldeten Unternehmen Kingfisher Airlines die Reißleine ziehen wollen. Quelle: Reuters

Mumbai Die Kingfisher-Villa im Ferienort Candolim in Goa zieht sich von der Hauptstraße mehrere Hundert Meter bis zum Strand hin. Hinter dem massiven schmiedeeisernen Tor haben schon Bollywood-Größen wie Shah Rukh Khan und Amithabh Bachchan gefeiert.

Doch das Prunkstück ist zum kleinen Posten im großen Schuldenstreit geworden. So wie das Kingfisher-Haus in Mumbai gehört das Gebäude zu den Sicherheiten, die der schillernde indische Industrielle Vijay Mallya den Banken für die Kreditlinien seiner Fluggesellschaft Kingfisher Airlines angeboten hat.

Vor zwei Wochen geisterte das Gerücht durch die indischen Medien, dass die Banken bei dem hochverschuldeten Unternehmen die Reißleine ziehen und die Sicherheiten einfordern könnten. Ohne eine größere Tilgungssumme könnte die Villa bald den Besitzer wechseln. Die Schulden der vielfach ausgezeichneten und einstmals zweitgrößten Airline Indiens betrugen zuletzt gut 1,4 Milliarden Dollar. Von der ehedem 64 Maschinen starken Flotte sind aktuell noch 16 Flugzeuge im Einsatz.

Kingfisher ist mit den Löhnen mehrere Monate im Rückstand und häuft weiter täglich Verluste an. Insgesamt betragen die Schulden aller indischen Fluggesellschaften 20 Milliarden Dollar, die jährlichen Verluste zwei Milliarden. Als einzige der sechs großen Fluggesellschaften Indiens hat Indigo im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn ausgewiesen, alle Konkurrenten schreiben rote Zahlen - und das trotz eines Marktes, in dem die Nachfrage in den vergangenen zwei Jahren um jeweils 20 Prozent gewachsen ist, und für den die Fluglinien erst im vergangenen Jahr mehr als 130 neue Maschinen geordert haben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Grund für die Misere der indischen Luftfahrt hat einen Namen: Air India. Die staatliche Fluggesellschaft vereinigt alleine die Hälfte aller Schulden der Branche auf sich. In den vergangenen zwei Monaten hat sie durch einen Streik eine geschätzte weitere Milliarde Dollar Schulden angehäuft - zusätzlich zu den ohnehin schon seit Jahren negativen Ergebnissen. Eigentlich müsste der Koloss mit seinen mehr als 36.000 Angestellten längst bankrott sein. Doch der Staat ist nicht willens, die Prestige-Airline fallenzulassen.


    Protektionisten verhindern Einstieg von Investoren

    Allein seit November 2011 hat er mehr als acht Milliarden Dollar in Form von Subventionen oder Umschuldungen in das Unternehmen gesteckt. Doch anstatt das Unternehmen damit nachhaltig zu retten, bringt der Staat seine Luftfahrt in Gefahr. Auch mit Hilfe der staatlichen Unterstützung hat Air India lange Zeit Kampfpreise angeboten, um alte Marktanteile zu verteidigen oder wiederzuerlangen - und so die Konkurrenz in einen teils ruinösen Wettbewerb getrieben.

    „Jeder Versuch, innerhalb der aktuellen Strukturen eine Lösung für das Air-India-Problem zu finden, wird scheitern“, schrieb kürzlich Rajiv Kumar, Präsident der Federation of Indian Chambers of Commerce and Industry (FICCI), in einem Gastbeitrag für das Magazin India Today. „Zur Privatisierung von Air India gibt es keine Alternative.“ Selbst der Minister für Zivile Luftfahrt, Ajit Singh, sagte noch im Mai, dass die „Tage der nationalen Fluggesellschaften gezählt“ seien.

    Allerdings zog Singh nur wenige Tage später seine Aussagen zurück - und schwenkte damit auf die Linie der Protektionisten ein. Diese hatten erst vor wenigen Monaten verhindert, dass ein Regierungsbeschluss Realität wurde, der ausländische Investitionen in die angeschlagenen Fluggesellschaften des Landes erlaubt hätte.

    Doch selbst wenn ausländische Investitionen in die Fluggesellschaften ermöglicht würden, könnte es zumindest für die angeschlagenen Airlines Kingfisher und Air India zu spät sein. Schon im Januar, als das Gesetz erstmals vor der Verabschiedung stand, meldete Parameswara Krishnan, Fondsmanager von DNB Asset Management, im Gespräch mit dem Handelsblatt Zweifel an: „Ausländische Investoren interessieren sich eher für die finanziell gesunden Airlines als für die angeschlagenen, die eine solche Finanzierung eher nötig hätten.“

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%