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Airline-Konzern IAG will es ohne Milliarden-Staatshilfe durch die Krise schaffen

Der Mutterkonzern von British Airways will die Coronakrise ohne Rettungspaket durchstehen. Den Neustart des Flugprogramms plant IAG für Juli.

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Wenn die weltweit verhängten Reisebeschränkungen gelockert werden sollten, plant IAG den Neustart des Flugprogramms für Juli. Quelle: Reuters

Anders als die Rivalen Lufthansa oder Air France will der britisch-spanische Luftfahrtkonzern IAG ohne milliardenschwere Hilfen der Steuerzahler die Coronakrise durchstehen. „Eine Rettungsaktion ist finanzielle Hilfe für ein gescheitertes Unternehmen, wir sind kein gescheitertes Unternehmen, also halten wir nicht Ausschau nach einer Rettungsaktion“, sagte IAG-Chef Willie Walsh am Donnerstag.

Gleichwohl will der Mutterkonzern von British Airways und Iberia in Großbritannien 300 Millionen Pfund Kredit aus einem staatlichen Darlehenstopf aufnehmen, obwohl er mit zehn Milliarden Euro Liquidität Ende April das dickste Finanzpolster der europäischen Airlines hatte. Aber das wären schließlich generell zugängliche Krisenhilfen.

Die Lufthansa verhandelt noch über bis zu zehn Milliarden Euro Finanzhilfe von den Regierungen in Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien. Frankreich und die Niederlande pumpen bis zu elf Milliarden Euro in Air France und KLM. Die schon lange siechende Alitalia bleibt verstaatlicht und soll mindestens weitere drei Milliarden Euro vom Staat erhalten, wie Industrieminister Stefano Patuanelli in Rom sagte.

IAG-Chef Walsh hatte seine für März geplante Pensionierung verschoben. Er bleibe jetzt bis September, um den Airline-Konzern durch die Krise zu führen, erklärte IAG. Am 24. September soll er das Steuer an Iberia-Chef Luis Gallego weitergeben. Wenn die weltweit verhängten Reisebeschränkungen gelockert werden sollten, plant IAG den Neustart des Flugprogramms für Juli.

Die Gesellschaft geht davon aus, dann die Hälfte der Passagiere im Vergleich zum Vorjahr an Bord begrüßen zu können. Das Vorkrisenniveau könne bis 2023 wieder erreicht werden. Bis dahin erwartet auch die Lufthansa eine Normalisierung der Lage nach dem fast völligen Erlahmen des Passagierluftverkehrs weltweit. Doch geht Lufthansa-Chef Carsten Spohr von einem dauerhaft kleineren Markt und damit einer geschrumpften Airline aus.

Personalabbau in allen Airlines

Walsh sagte, angesichts der nur langsamen Erholung müsse es in der gesamten Gruppe zu einer Restrukturierung kommen. Für British Airways ist bereits ein Abbau von 12.000 Stellen – oder mehr als einem Viertel – angekündigt. Auch die anderen Fluglinien der IAG Iberia, Aer Lingus oder Vueling müssen schrumpfen.

Alle Fluggesellschaften weltweit brauchen wegen der schwersten Krise der Branche weniger Personal, vor allem in Cockpit und Kabine. Bei der Lufthansa stehen 10.000 Jobs zur Disposition. Europas größter Billigflieger Ryanair will sich von bis zu 3000 Beschäftigten trennen.

Jetzt kündigte auch der Chef des französisch-niederländischen Konzerns Air France KLM Personalabbau bei der französischen Airline an. Für Juni sei ein Treffen mit den französischen Gewerkschaften dazu geplant, sagte Ben Smith der Nachrichtenagentur Reuters.

Wie viele der rund 45.000 Beschäftigten von Air France ihren Job verlieren, wollte er mit Verweis auf die noch bevorstehenden Verhandlungen nicht sagen. „Es gibt viele Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen, also haben wir diesen Vorteil.“ Viele könnten daher freiwillig ausscheiden. In der Vergangenheit gab es bei Air France heftige Auseinandersetzungen zwischen Management und Gewerkschaften um Stellenabbau bei der renditeschwachen Airline.

Schon im ersten Quartal, gegen dessen Ende die Reisebeschränkungen und Shutdowns im Kampf gegen das Virus in Europa erst begannen, hat sich der operative Verlust von Air France KLM auf 815 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Nettoverlust schnellte auf 1,8 Milliarden Euro - mehr als fünf Mal so viel wie im Vorjahresquartal. Der Umsatz der französisch-niederländischen Gruppe sank um 15 Prozent auf fünf Milliarden Euro.

Im zweiten Quartal wird der Fehlbetrag noch viel höher ausfallen, da mittlerweile 95 Prozent der Flugzeuge auf dem Boden bleiben. Die Nachfrage könne noch jahrelang unter dem Vorkrisenniveau liegen, erwartet das Unternehmen. Die Gruppe will deshalb ihre Flottenkapazität im kommenden Jahr um 20 Prozent gegenüber 2019 verringern.

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