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Airline Lufthansa-Großaktionär Thiele fordert „tragfähiges Sanierungskonzept“

Heinz Hermann Thiele fordert dringende Maßnahmen, um eine Insolvenz der Lufthansa zu verhindern. So sollen etwa 30.000 Stellen abgebaut werden.

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Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele fordert zur Sanierung des von der Coronakrise hart getroffenen Luftfahrt-Konzerns Personalabbau und den Verkauf von Firmenteilen. Er fordere „dringend ein tragfähiges Sanierungskonzept“, zitierte der „Spiegel“ Thiele am Freitag.

Vorstand und Gewerkschaft müssten sich jetzt auf den sozialverträglichen Abbau von 30.000 Stellen einigen. Die Alternative sei, „dass der Staat dauerhaft weitere Milliarden bereitstellt oder die Lufthansa in die Insolvenz geht“.

Der Airline ist es seit Ausbruch der Krise im Frühjahr nicht gelungen, mit den Gewerkschaften des Bodenpersonals und der Piloten, Verdi und Vereinigung Cockpit, Krisentarife zum Personalabbau zu schließen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr mahnte die Gewerkschaften in dieser Woche zu einer Vereinbarung bis Ende des Jahres. Zur Finanzlage des teilverstaatlichten Konzerns erklärte er, die Liquidität von zehn Milliarden Euro Ende September reiche bis zum Winter 2021.

Die Lufthansa schreibt in diesem Jahr wegen des Geschäftseinbruchs durch die Pandemie hohe Verluste. Sie musste mit neun Milliarden Euro staatlicher Finanzhilfe vor einer Pleite bewahrt werden. Um die hohen Schulden zurückzuzahlen, braucht sie Geld aus Verkäufen von Firmentöchtern oder Flugzeugen.

Spohr hatte bereits angekündigt, Optionen für die Wartungstochter Lufthansa Technik zu prüfen, will aber die Mehrheit behalten. In dieser Woche erklärte er, für den Einstieg von Investoren würden die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Milliardär Thiele, Eigner des Autozulieferers Knorr Bremse und des Bahntechnikherstellers Vossloh, forderte, die Mehrheit von Lufthansa Technik zu verkaufen, wenn der Preis stimme. Er ist mit einem Anteil von zwölf Prozent nach dem Staat zweitgrößter Lufthansa-Aktionär. Spohr bekräftigte zuletzt, die Lufthansa brauche keine Notverkäufe.

Lufthansa übt Flüge mit Antigen-Schnelltests für alle Passagiere

Die Airline startet derweil erste Probeläufe, sämtliche Passagiere vor Flugantritt auf das Corona-Virus zu testen. Ab dem kommenden Donnerstag (12. November) sollen auf einzelnen Flügen zwischen München und Hamburg alle Passagiere einen für sie kostenfreien Antigen-Schnelltest ablegen, wie das Unternehmen am Freitag in Frankfurt mitteilte. Ersatzweise könnten die Fluggäste einen höchstens 48 Stunden alten negativen PCR-Test vorlegen oder sich kostenfrei auf einen anderen Flug umbuchen lassen. Die Testergebnisse sollen nach 30 bis 60 Minuten vorliegen.

Lufthansa hat nach Angaben ihres Vorstandschefs Carsten Spohr 250.000 Antigen-Tests erworben, um die Prozesse einzustudieren. Grundsätzlich erhofft sich die Airline, mit den Schnelltests wieder mehr Flugverbindungen insbesondere auch nach Übersee anbieten zu können. „Erfolgreiches Testen ganzer Flüge kann der Schlüssel zum Wiederbeleben des internationalen Flugverkehrs werden“, sagte Vorstandsmitglied Christina Foerster. In der Lufthansa-Gruppe wurden die Schnelltests bereits bei Flügen der Tochter Austrian zwischen Berlin und Wien erprobt.

Die Antigen-Tests liefern schnellere, aber bislang noch ungenauere Ergebnisse als die PCR-Tests. Spohr versicherte, dass der Luftverkehr „niemandem etwas wegnehmen“ wolle, insbesondere nicht Menschen im Gesundheits- und Bildungssystem. Er sei aber überzeugt, dass die Pharma-Industrie schnell wesentlich größere Mengen der Schnelltests liefern könne als bislang.

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