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Aktionstag am 1. Februar #wirgehenMITunter lautet der neue Hilfeschrei der Händler

Ein Hinweisschild der Aktion «Wir machen aufmerksam» hängt am Eingang eines Bekleidungsgeschäfts in der Trierer Innenstadt. Quelle: dpa

Die Schmerzgrenze vieler Händler ist überschritten, die Hoffnung auf rasche Öffnungen schwindet. Ein Bündnis, das schon hinter der Initiative #wirmachenAUFmerksam stand, geht nun erneut in die Offensive.

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Am 11. Januar war es soweit: Zahlreiche Händler protestierten auf legale Weise in ihren Geschäften. Sie hielten Plakate mit dem Schlagwort #wirmachenAUFmerksam in Kameras und stellten Fotos und Videos davon online, die Türen blieben aber für Kunden geschlossen. Mit dabei war die Modekette Gerry Weber.

Auch Gastronomen nahmen an der Aktion teil. Nun soll es eine Neuauflage geben: Am 1. Februar wollen die Initiatoren, die schon hinter  #wirmachenAUFmerksam standen, erneut mit einem Aktionstag auf die Lage der Branche aufmerksam machen; diesmal unter dem Slogan #wirgehenMITunter. Ladenbesitzer sollen „alle Waren, die auf Grund der staatlich verordneten Schließung“ ihrer Geschäfte liegen geblieben sind in Kartons packen, mit Plakaten der Aktion  bekleben und Bilder davon posten.

Dabei geht es dem von Uwe Bernecker, Geschäftsführer der Damenmodemarke Funky Staff, und Günter Nowodworski, Inhaber der Agentur Now Communication ins Leben gerufenen „Freundschaftsbündnis“ insbesondere darum, die schnelle Auszahlung von Corona-Hilfen und ein „konkretes Wiedereröffnungsszenario für den Einzelhandel“ einzufordern.

Auf den Plakaten, die die Initiatoren zum Download bereitgestellt haben, heißt es: „Jetzt gehen wir mit den Firmen, die unseren Lohn bislang bezahlt haben, unter. Verlieren alles, wenn die Hilfen für die Unternehmen nicht sofort fließen.“ Dabei grenzt sich die Initiative bewusst von Corona-Leugnern und Maskenverweigerern ab, die vor einigen Wochen dazu aufgerufen hatten, Geschäfte entgegen bestehender Pandemieauflagen zu öffnen.

Am Aktionstag sollen „alle Teilnehmer die gesamte Republik auf die existenzielle Bedrohung des Einzelhandels und der Innenstädte aufmerksam machen“, heißt auf der Homepage von #wirgehenMITunter.

Wie viele Geschäfte werden wieder öffnen?

Tatsächlich verändert der Lockdown das Bild der vom Einzelhandel geprägten Innenstädte. Tausende Händler und Gastronomen bangen um ihre Existenz. Selbst bei Unternehmen, die weiterhin öffnen dürfen, wächst die Sorge vor einem Kahlschlag in den Citys. Die aktuelle Situation sei „für viele Händler ohne Zweifel existenzbedrohend“, sagt Jörg Ehmer, Chef von Apollo-Optik, der WirtschaftsWoche. Da Optiker und Hörakustiker als systemrelevant eingestuft wurden, sind die Apollo-Filialen zwar weiter geöffnet. Ehmer erwartet langfristig aber eine deutliche „Veränderung der Einzelhandelslandschaft“ – „gerade in den einst hochfrequentierten Einkaufslagen“.



Auch für den Kaffeehändler Tchibo ist der Lockdown zunächst einmal „ein Schlag ins Kontor“, wie es ein Sprecher formuliert. „Wir mussten erneut unsere Filialen schließen“. Dank des mehrstufigen Vertriebssystems mit Regalen im Lebensmittelhandel und einem Online-Shop habe Tchibo zwar „gute Chancen, die entgangenen Umsätze zumindest zum Teil aufzufangen“. Dennoch schauen auch die Hamburger „mit einer gewissen Sorge darauf, wie sich die Gesichter der Innenstädte und der Einkaufszentren, in denen unsere Filialen liegen, nach diesem zweiten und längeren Lockdown verändern werden“. Während im Frühjahr die Frage noch lautete, wie schnell die Geschäfte wieder aufmachen, sei jetzt wichtiger, „wie viele dieser Geschäfte wieder aufmachen“. Damit sehr eng verbunden sei die Frage, wie attraktiv dann die Lagen mittelfristig noch sein werden.

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Das gilt auch für die Gastronomie. Schon seit Anfang November sind Restaurants, Cafés und Kneipen dicht. Viele haben auf Liefer- und Mitnahmeangebote umgestellt, um sich über Wasser zu halten. So wie die Fischrestaurantkette Nordsee, die dadurch gut die Hälfte ihrer Standorte in Deutschland offen hält. „Die Umsätze sind allerdings marginal“, räumt Nordsee-Chef Carsten Horn ein. „Der zweite Lockdown trifft Nordsee extrem hart.“ Betriebswirtschaftlich konzentriere sich das Management nun in allen Unternehmensbereichen auf die Sicherstellung der überlebensnotwendigen Liquidität. Nach Corona erwartet er Geschäftsaufgaben und Leerstände sowie „für die verbleibenden Unternehmen schwierige Rahmenbedingungen“.

Mehr zum Thema: Onlinekonkurrenz und Lockdown zwingen immer mehr Einzelhändler zum Aufgeben. Den Innenstädten droht der Tod. Jetzt sucht die Politik verzweifelt nach Auswegen. 

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