Alain Caparros im Interview Rewe vor massivem Umbau

Der Chef des Handelskonzerns Rewe, Alain Caparros, modernisiert Hunderte Läden und drängt ins E-Commerce-Geschäft: Rewe soll sich an jungen Online-Unternehmen beteiligen.

Alain Caparros Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Caparros, zum Start ein Wissenstest aus dem Bereich Heimatkunde: Wie viele Gartenzwerge gibt es in Deutschland?

Caparros: Keine Ahnung. Sicher deutlich mehr als in meiner Heimat Frankreich.

Rund 25 Millionen, ihr häufigster Name ist Gustav. Das lernen die Kunden, die bei Ihrer neuen Sammelbildaktion „Unser Deutschland“ mitmachen. Wie erfolgreich sind solche Sticker-Kampagnen?

Obwohl wir jetzt schon mehrere Sammelbildaktionen hatten, läuft es ausgezeichnet. Es ist ein kleines Phänomen, vor allem die Kinder sind begeistert…

...und die Eltern, die den Spaß bezahlen müssen, zunehmend genervt.

Nicht nur die. Ich bin selbst Vater eines Sohnes. Wenn ich ihn gelegentlich morgens zur Schule bringe oder abends abhole, fragen mich seine Klassenkameraden des Öfteren, ob ich nicht Rewe-Aufkleber dabeihabe. Oder mein Sohn wurde gebeten, noch unbedingt ein Lukas-Podolski-Sammelbild zu besorgen. Aber daran sieht man: Das Konzept funktioniert, es macht Rewe sympathischer, steigert die Kundenfrequenz und die Kundenbindung.

2012 hat die Rewe Group 49,7 Milliarden Euro umgesetzt und damit einen Rekord erzielt. Geht es 2013 so weiter?

In den ersten Monaten lagen wir in Deutschland sowohl mit unserer Discount-Sparte Penny als auch im Vollsortiment – also vor allem den Rewe-Supermärkten – bei einem Umsatzplus von rund fünf Prozent. Das war mehr, als wir selbst geplant hatten. Auch das Ostergeschäft lief zufriedenstellend. Im Ausland haben wir eine vergleichbare Entwicklung. Bemerkenswert ist, dass es langsam auch in Krisenländern wie Rumänien und Bulgarien wieder aufwärtsgeht. Wenn uns jetzt keine großen Rückschläge noch das Geschäft verhageln, rechnen wir auch für das Gesamtjahr 2013 mit sehr vernünftigen Ergebnissen.

Im Februar wurde Pferdefleisch in Fertigprodukten entdeckt, jetzt gibt es neue Verdachtsfälle. Wie hat sich der Skandal auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Die Umsätze in den betroffenen Produktgruppen sind spürbar zurückgegangen. Noch ärgerlicher ist allerdings, dass wieder eine Debatte über die Lebensmittelsicherheit ausgebrochen ist. Das überdeckt eine Tatsache: Bei der Lebensmittelqualität ist Deutschland Weltmeister, es wird extrem viel geprüft und untersucht. Gegen Betrug gibt es einfach keinen 100-prozentigen Schutz.

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10 - Transgourmet - 2,59 Milliarden Euro Umsatz mit Lebensmitteln (Stand: 2012)Die Großhandelsgruppe der gehören mittlerweile vollständig der Schweizer Supermarktkette Coop. Zu den Marken von Transgourmet gehört unter anderem die Marke Fegro/Selgros. Deutschlands zweitgrößter Cash & Carry-Anbieter. Quelle: Statista/TradeDimensions Quelle: Presse
Platz 9 - Bartels-Langness - 2,8 Milliarden Euro UmsatzMit der Pleite von Schlecker rückt der Kieler Einzelhandelsriese in die Top Ten der größten Lebensmittelhändler auf. Zum Imperium gehören unter anderem die 81 Famila-Märkte im Nordosten Deutschlands und mehrere Markant-Supermärkte. Quelle: dpa
Platz 8 - Rossmann - 4,4 Milliarden Euro UmsatzDie Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Auch dafür ist die Schlecker-Pleite mitverantwortlich. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein. Quelle: dapd
Platz 7 - dm - 4,6 Milliarden Euro UmsatzNoch etwas besser schneidet Deutschlands größte Drogeriemarktkette dm ab. Die Karlsruher Kette von Götz Werner vertreibt unter dem Markennamen Alnatura eigene Biolebensmittel in den Märkten, vertreibt aber auch weitere Markenprodukte. Quelle: dpa
Platz 6 - Lekkerland - 8,1 Milliarden Euro UmsatzDer Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler. Quelle: Presse
Platz 5 - Metro-Gruppe - 11,3 Milliarden Euro UmsatzZum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch Kaufhof und die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Quelle: dpa
Platz 4 - Aldi - 20,9 Milliarden Euro UmsatzBeim Lebensmittelabsatz landet der Discounter nicht einmal auf dem Treppchen. Aldi Nord und Aldi Süd wollen darum bald auch Markenprodukte in ihr Sortiment aufnehmen und die Märkte umbauen. Quelle: dpa

Die Deutschen gelten als besonders preissensibel. Trifft die Kunden eine Mitschuld an den Lebensmittelskandalen?

Auf keinen Fall. Wenn einem Verbraucher auf der Verpackung Rindfleisch versprochen wird und es ist Pferdefleisch drin, dann ist das schlicht Betrug. Das ist auch nicht mit dem harten Preiskampf zu entschuldigen.

Wie werden sich die Lebensmittelpreise in diesem Jahr entwickeln?

Sie werden eher stabil bleiben, obwohl die Rohstoffpreise für Nahrungsmittel zuletzt wieder deutlich gestiegen sind. Die Preise für Zucker, Weizen und Fleisch beispielsweise haben sich im Vergleich zum Vorjahr kräftig erhöht. Aktuell ziehen wegen der außergewöhnlichen Witterungsbedingungen die Preise für Obst und Gemüse spürbar an. Das müssen wir auffangen, da für die Verbraucher der Preis immer noch das entscheidende Kaufkriterium bleibt und der Wettbewerb uns kaum Spielraum für Erhöhungen gibt.

Trotz des Gegenwinds an der Preisfront wollen Sie in diesem Jahr 1,5 Milliarden Euro investieren. Was haben Sie vor?

Wir wollen rund 300 Märkte im In- und Ausland neu eröffnen und investieren massiv in den Umbau und die Modernisierung von 1700 Filialen. Wir splitten unser Investitionsbudget also auf. Einen Teil des Geldes müssen wir in die Restrukturierung unserer Discount-Tochter Penny stecken. Der größere Part fließt aber weiter in die Supermärkte von Rewe in Deutschland und Billa im Ausland. Es wäre ein Fehler, jetzt die Gewinnbringer zu vernachlässigen. Dann hätten wir in einigen Jahren eine noch viele größere Baustelle als Penny.

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