Alain Caparros setzt Konkurrenz unter Druck Rewe-Chef plant 500 neue Märkte "für den schnellen Bedarf"

Der Rewe-Chef findet Edekas Buhlen um Kaiser’s Tengelmann unfair. Er experimentiert mit neuen Läden – bis zu 500 neue Geschäfte hält er für möglich. Vom Vegan-Trend hält er indes nicht viel.

Alain Caparros Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Caparros, freuen Sie sich, dass der von Rewe gesponserte 1. FC Köln nicht absteigt?

Ich bin das einzige Vorstandsmitglied bei Rewe, das nicht fußballaffin ist. Daher sehe ich den Verbleib in der ersten Bundesliga primär als Kostenfaktor – als Sponsor zahlt man doppelt so viel wie in der zweiten Liga. Aber wir bleiben gerne dabei. Denn die Mannschaft hat überzeugende Leistungen gezeigt, und die Vereinsführung arbeitet sehr gut. Was wir allerdings auf keinen Fall sehen wollen, sind Krawalle und Gewalt. Da sind wir vehement. Das passt nicht zu Rewe.

Verbal teilen auch Sie gerne aus. Die Pläne von Edeka, Kaiser’s Tengelmann zu übernehmen, haben Sie „Riesensauerei“ genannt und drohen mit einem „Sit-in vor dem Bundeswirtschaftsministerium“, falls Minister Sigmar Gabriel das Übernahmeverbot des Bundeskartellamts aushebelt. Geht’s auch etwas leiser?

Nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme gestoppt hat, wollen Tengelmann und Edeka ihre dubiosen Hochzeitspläne nun mit falschen Angaben bei Herrn Gabriel durchsetzen. Das ärgert mich.

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Die Unternehmen argumentieren, ohne die Übernahme könnten Tausende Jobs wegbrechen.

Diese Darstellung ist und bleibt falsch, bei den Zahlen wird massiv getrickst. Von Edeka gibt es bis heute keine eindeutige Aussage darüber, wie viele Mitarbeiter sie übernehmen wollen. Edeka wird die 16.000 Arbeitsplätze nicht retten.

Sie wollen doch auch Kaiser’s Tengelmann schlucken. Was würden Sie denn den Beschäftigten garantieren?

Wir würden alle 16.000 Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann übernehmen inklusive Zentrale, Produktionsstätten und Logistikzentren.

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Rewe würde doch genauso am Veto des Kartellamts scheitern wie Edeka, das hat die Behörde signalisiert.

Das Amt hat nur die Übernahme durch Edeka geprüft. Wir gehen davon aus, dass wir deutlich bessere Chancen hätten. Aber klar, aus wettbewerbsrechtlicher Sicht wäre ein unabhängiger Käufer die beste Lösung.

Wer sollte das sein?

Im Markt genannt werden die Schweizer Migros, die jenseits ihres Heimatmarktes ja schon mit tegut expandiert hat, oder die nordwestdeutsche Handelsgruppe Bünting, die die Famila-Märkte betreibt. Wenn Tengelmann-Inhaber Karl-Erivan Haub ernsthaft nach Alternativen zu Edeka suchen würde, könnte er die finden.

Warum konzentriert sich die Tengelmann-Gruppe dann so stark auf Edeka als Käufer?

Das müssen Sie Herrn Haub fragen. Ich kann nur spekulieren: Vor Jahren hat Tengelmann bereits den Discounter Plus an Edeka verkauft. Am Edeka-Discounter Netto ist Herr Haub bis heute mit 15 Prozent beteiligt, somit sind Haub und Edeka schon Partner. Damals waren wir auch im Rennen. Hätten wir den Zuschlag erhalten, hätten wir versucht, ein Vorkaufsrecht für Kaiser’s Tengelmann durchzusetzen. Ob das jetzt bei Edeka der Fall ist, weiß ich nicht. Aber es wäre eine Erklärung.

Das heißt, Tengelmann hat gar nicht nach alternativen Käufern gesucht?

Mit uns gab es jedenfalls keine echten Verhandlungen. Wir hatten unser Interesse ganz eindeutig bekundet, übrigens auch schon zu einem Zeitpunkt, als Herr Haub den Verkaufswunsch noch öffentlich dementiert hat. Wir waren vorbereitet, um ein Angebot abzugeben. Aber auf der anderen Seite gab es daran kein ernsthaftes Interesse. Vor diesem Hintergrund mit einem Untergangsszenario zu drohen und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel als eine Art Geisel für 16.000 Arbeitsplätze zu nehmen halte ich für unfair.

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