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Alain Caparros setzt Konkurrenz unter Druck Rewe-Chef plant 500 neue Märkte "für den schnellen Bedarf"

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Vegetarier, Wunderlinge, Frauen

Erklärt das auch den aktuellen Boom von veganen und vegetarischen Produkten?

Das ist ein Nischenmarkt, der für uns wichtig ist, um möglichst vielfältigen Kunden mit unseren Angeboten gerecht zu werden; aber das ist keine Massenbewegung. In unseren größeren Märkten bieten wir rund 40 vegetarische und vegane Produkte an. Die Kunden freuen sich, wenn sie die im Laden sehen. Aber am Ende geht es den meisten wohl wie mir. Man steht vor dem Regal und denkt sich: So viel Verzicht, nur um vielleicht etwas länger zu leben? Veganer sein, das wäre nichts für mich.

Wollen Sie auch Eigenmarken für vegane Produkte aufbauen?

Wir haben unter der Eigenmarke REWE Bio bereits 14 als vegan gekennzeichnete Produkte – vom Sojadrink bis zur Asia-Sauce. Das werden wir weiter ausbauen.

In Österreich verkauft Rewe unter der Eigenmarke Wunderlinge Obst und Gemüse, das nicht nach EU-Norm gewachsen ist. Wann gibt es die Wunderlinge in Deutschland?

Dass Gurken, die wie Gabeln aussehen, in Deutschland reißenden Absatz fänden, wage ich zu bezweifeln. Da haben wir genug andere Baustellen abzuarbeiten.

Sie meinen das Russland-Geschäft und Ihre Discounttochter Penny, wo es jeweils mäßig läuft…

…Moment, Penny entwickelt sich sehr gut. Wir verdienen damit wieder Geld.

Aber nur im Ausland. Wie lange werden Sie noch an dem Billigheimer festhalten?

Es gibt keine Verkaufspläne. In Deutschland wird Penny ab 2016 wieder schwarze Zahlen schreiben. Wir haben die Läden modernisiert, das neue Format gewinnt Kunden und Umsatz. Penny wird nie so groß wie Aldi oder Lidl. Aber wir spielen im Discountmarkt mit und sichern so auch für die gesamte Gruppe bessere Einkaufskonditionen.

Handel



Rewe ist stark in Russland aktiv. Wie hart trifft Sie der wirtschaftliche Absturz des Landes?

Wir sind Händler: Anpassungsfähigkeit ist unsere Stärke. 2014 waren wir zwar beunruhigt, haben aber trotzdem gute Geschäfte gemacht. Unser Vorteil ist, dass wir uns auf Moskau konzentriert haben, fast alle unsere russischen Läden sind dort. Unser Geschäft in Moskau wächst, die Bevölkerung ist extrem kaufkräftig. Daher bleibt Russland trotz aller Sanktionen ein wichtiger Treiber unserer Auslandsaktivitäten. Auch in der Ukraine läuft es überraschend gut. Wir haben kaum Einbußen und expandieren.

Ende 2018 endet Ihr Vertrag als Rewe-Chef. Werden Sie noch mal verlängern?

Auf keinen Fall. Das Drama von Vorstandschefs ist es, zu glauben, dass man unsterblich ist. Ich habe viele Leute gesehen, die jahrelang super erfolgreich waren, aber an diesem wichtigen Punkt gescheitert sind: Sie wussten nicht, wann es Zeit ist, zu gehen. Etliche Manager leiden unter der Angst, dass sie mit dem Verlust von Chauffeur und Chefbüro auch ihre Existenzberechtigung verlieren. So ein Quatsch.

Ändert sich das durch mehr Frauen im Management? Was halten Sie von der Frauenquote?

Vielleicht. Die Quote ist die einzige Möglichkeit, dass die Wirtschaft vernünftig wird. Das Management ist dann nicht mehr so Testosteron-gesteuert. Die Diskussionsrunden sind anders, wenn Frauen dabei sind. Ohne Quote müssten wir noch 100 Jahre warten, bis es mehr Frauen in den Chefetagen gibt. Es gibt Frauen, die uns wirklich imponieren. Wir diskutieren mit dem Aufsichtsrat, in spätestens zwei Jahren eine Frau in den Vorstand zu holen.

Und wie sieht Ihr Plan B für das Leben ab dem Jahr 2018 aus?

Ich werde eine Galerie in Südfrankreich eröffnen, die Vorbereitungen laufen bereits. Kunst ist meine große Leidenschaft. Ich kenne viele junge Künstler, die man wunderbar vermarkten kann.

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