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Alain Caparros setzt Konkurrenz unter Druck Rewe-Chef plant 500 neue Märkte "für den schnellen Bedarf"

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Wie es mit dem Online-Handel läuft

Könnte Kaiser’s Tengelmann alleine weitermachen?

Die Inhaberfamilie Haub investiert überall und hat sich an vielen Online-Unternehmen beteiligt, mit Geldnot scheinen die Verkaufspläne also nichts zu tun zu haben. Kaiser’s Tengelmann ist kein Sanierungsfall. Das Unternehmen verfügt über sehr gute Standorte vor allem in Berlin und München. Es wurden auch schon viele Filialen renoviert. Insgesamt sind das sehr gute Voraussetzungen, um langfristig Geld zu verdienen.

Was werden Sie tun, wenn es eine Ministererlaubnis von Gabriel gibt und Edeka doch noch zum Zuge kommt?

Wir werden alle rechtlichen Schritte nutzen, um einen Kauf durch Edeka zu verhindern. Das ist die letzte große Übernahme, die im deutschen Lebensmittelmarkt stattfinden kann. Es wäre fatal, wenn der Marktführer trotz aller Wettbewerbsbedenken seine Dominanz weiter ausbauen könnte.

Rewe hätte dann den Kürzeren gezogen. Wenn Zukäufe tabu sind und neue Supermärkte in Deutschland kaum noch genehmigt werden, wo können Sie überhaupt noch wachsen?

Wir setzen auf neue Konzepte, etwa unsere Temma-Biomärkte und Rewe-ToGo, das sind City-Shops für den schnellen Bedarf. Rewe-ToGo werden wir jetzt deutschlandweit ausrollen. In den kommenden Jahren sehen wir Potenzial für 400 bis 500 solcher Märkte. Dabei ist auch die Kooperation mit Tankstellen ein Modell, das wir ausbauen wollen. Und mit „Oh Angie!“ testen wir ein Restaurantkonzept.

Wie läuft es mit dem Online-Handel?

Fast 100 Mitarbeiter kümmern sich bei uns um das extrem schnell wachsende Digitalgeschäft. Mitte Mai haben wir unser Weinportal Weinfreunde gestartet. Wir planen auch einen Online-Shop für Kosmetik. Vor allem haben wir unseren Online-Bestellservice rewe.de ausgebaut und liefern Lebensmittel jetzt in 70 Städten aus.

Aber ob Sie damit jemals Geld verdienen?

Das ist momentan nicht die zentrale Frage. Es gibt eine bestimmte Zahl an Kunden, die das als Zusatzangebot nutzen möchte. Wie weit sich der Online-Lebensmittelhandel entwickelt, weiß niemand. Die Prognosen reichen für das Jahr 2020 von 6 bis 20 Milliarden Euro Umsatz. Wir müssen dabei sein, sonst nehmen uns andere das Geschäft ab.

Spielen Sie auf den Internet-Riesen Amazon an, der angeblich bald auch in Deutschland seinen Lebensmitteldienst Amazon Fresh startet?

Da wird etwas kommen. Wir wissen, dass sich Amazon Lagerstandorte angeschaut hat, und es werden gerade auch Mitarbeiter rekrutiert. Wir sind in einer guten Position. Aber neue Player sind auch ein Weckruf, noch mehr zu investieren und zu experimentieren. Eine Idee finde ich sehr spannend: Kennen Sie Whole Foods in den USA?

Zur Person

Die weltweit größte Biosupermarktkette?

Genau. Es ist der größte Genuss für einen Händler, eine Whole-Foods-Filiale zu sehen. Es ist ein Erlebnis, dort einzukaufen. Der Preis interessiert dort niemanden. Ich möchte so ein Format auch in Deutschland haben: Markthallenatmosphäre, alte Holzregale, alles weit weg von der üblichen Ladengestaltung. Wir sind im Handel die Opfer unserer architektonischen Standards – alles sieht gleich aus.

So ein Konzept würde hier doch gar nicht funktionieren. Die Deutschen sind für ihre Sparsamkeit berüchtigt.

Die Deutschen werden immer auf den Preis achten, das scheint so im Genpool verankert zu sein. Aber es gibt einen Mentalitätswandel: Die Leute wollen mehr vom Leben haben. Der Preis ist nach wie vor ein wichtiges Einkaufskriterium, aber nicht mehr das alles entscheidende. Der Lifestyle wird wichtiger.

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