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Alarm bei Adler Mode Die Rettung der insolventen Modekette droht auf den letzten Metern zu scheitern

Eine Frau mit Mund-Nase-Bedeckung geht an einem Schild des Unternehmens «Adler Modemärkte» an einem Einkaufszentrum vorbei. Quelle: dpa

Insolvente Unternehmen bekommen im Lockdown keine staatliche Unterstützung – selbst wenn es gute Sanierungschancen gibt. Das könnte Adler Mode zum Verhängnis werden. Der Firma geht das Geld aus.

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Anfang Januar hat das Modeunternehmen Adler Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Auslöser waren die erheblichen Umsatzeinbußen durch die seit Mitte Dezember 2020 andauernden Schließungen fast aller 140 Verkaufsfilialen während des Lockdowns in der Coronakrise. Nach dem Insolvenzantrag straffte das Unternehmen die Kosten und konnte so zunächst weitermachen und den Geschäftsbetrieb aufrecht halten. Auch die Investorensuche lief an. Adler befände sich in „vielversprechenden und fortgeschrittenen Verhandlungen mit mehreren nationalen und internationalen Investorengruppen“, teilte das Unternehmen jetzt mit.

Und dennoch droht die Rettung des Unternehmens auf den letzten Metern zu scheitern: Dem Unternehmen droht kurz vor dem Abschluss der Suche nach einem Investor das Geld auszugehen.

„Es ist ein Drama, dass Adler jetzt, wo es Hoffnungen auf ein Ende der Lockdowns angesichts dynamisch steigender Impfzahlen und wieder sinkender Inzidenzen gibt, nun in eine immer schwierigere Lage kommt“, sagt Thomas Freude, der Vorstandschef des Unternehmens. Denn die „Bundes-Notbremse“ hätte den Finanzbedarf des Unternehmens deutlich erhöht. Demnach erfordere die nochmalige bundesweite Verschärfung des Lockdowns seit dem 23. April 2021 eine zusätzliche Finanzierung von rund 10 Millionen Euro.

3200 Arbeitsplätze bei Adler Mode gefährdet

Doch woher das Geld kommen soll, ist offen. Adler stünde zwar seit mehreren Wochen im engen Austausch mit den Verantwortlichen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF). Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium würden sich jedoch gegen die Zusage eines Darlehens sperren, heißt es beim Unternehmen. Damit seien 3200 Arbeitsplätze bei Adler Mode gefährdet.

Hintergrund sind unter anderem Regelungen, wonach Zuschüsse und Unterstützungsmaßnahmen nicht an insolvente Unternehmen gezahlt werden dürfen. Vorstöße verschiedener Bundesländer die strikten Vorgaben anzupassen, um überlebensfähige Unternehmen trotz Insolvenz zu unterstützen zu können, blieben bislang erfolglos. „Ich kann nur größtes Unverständnis aufbringen“, dass Adler „bisher jegliche staatliche Unterstützung – weder über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds noch über die Überbrückungshilfe III – verweigert wird“, sagt Christian Gerloff, der als Generalbevollmächtigter im Insolvenzverfahren bei Adler die Sanierung steuert. „Das Verhalten von Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium widerspricht diametral der groß angekündigten Politik der Bundesregierung“, so Gerloff. Auch der Adler-Vorstand „appelliert eindringlich an die verantwortlichen Bundesminister Olaf Scholz und Peter Altmaier, die Blockadehaltung aufzugeben und einer Unterstützung durch den von der Bundesregierung etablierten Wirtschaftsstabilisierungsfonds zuzustimmen“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Mehr zum Thema: Adler-Vorstandschef Thomas Freude und Sanierungsexperte Christian Gerloff über ihre Rettungspläne für die insolvente Modekette – und die existenzbedrohenden Folgen der Coronakrise für die gesamte Textilbranche.

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