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Alarm in Ingolstadt Wie der neue Ceconomy-Chef bei Media Markt und Saturn sparen will

Im Zuge des Sparprogrammes von Ceconomy dürften vor allem in der Media-Saturn-Zentrale in Ingolstadt Hunderte Stellen wegfallen. Quelle: dpa

Jörn Werner hat die Elektronikhändler Conrad geführt und die Werkstattkette ATU saniert. Als Chef der Media-Markt- und Saturn-Obergesellschaft Ceconomy will er nun den nächsten Krisenkandidaten auf Kurs bringen

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Mit Reparaturaufträgen kennt sich Jörn Werner aus. Drei Jahre lang führte er die kriselnde Werkstattkette ATU, der zwischenzeitlich die Insolvenz drohte. Das Unternehmen war hoch verschuldet. Werner gelang es, ATU wieder auf Kurs zu bringen: Die hohen Mieten wurden reduziert und die Werkstattkette wieder profitabel aufgestellt. Im Dezember 2016 wurde ATU schließlich an die französische Mobivia-Gruppe verkauft. Mission erfüllt.

Ein ähnlicher Rettungseinsatz steht Werner nun bei Ceconomy bevor, der börsennotierten Muttergesellschaft von Europas größten Elektronikhandelsketten MediaMarkt und Saturn. Die Ceconomy-Aktie hatte im vergangenen Jahr nach drei Gewinnwarnungen zeitweise rund drei Viertel ihres Wertes verloren. Angesichts des Desasters musste der Vorstandschef Pieter Haas seinen Posten räumen – und mit ihm weitere Manager.

Anfang März hat Werner den Ceconomy-Job übernommen und jetzt erstmals skizziert, wie er den Elektronikhändler wieder zu alter Stärke führen will. Der Kern seines Reparaturprogramms: ein massives Sparprogramm.

Ab 2020/21 sollen die Sach- und Personalkosten jährlich um 110 bis 130 Millionen Euro sinken. Verwaltungs- und Zentraleinheiten sollen dafür neu ausgerichtet werden. Im Zuge des Sparprogramms dürften Hunderte Stellen wegfallen, vor allem in der Media-Saturn-Zentrale in Ingolstadt. Konkrete Zahlen will das Unternehmen noch nicht nennen, da die Verhandlungen mit dem Betriebsrat erst gestartet werden.

Werner sieht das Unternehmen zwar unterwegs in einem „strategisch interessanten Markt“, sagte er im Rahmen einer Telefonkonferenz zu dem Sparprogramm. Allerdings sei man zu langsam bei der Umsetzung von Veränderungen, es gebe eine teils unklare Rollenverteilung und zu viel Bürokratie. Die Verwaltungskosten in Deutschland liegen demnach bei rund 500 Millionen Euro pro Jahr – und sollen mittelfristig deutlich sinken. Zunächst dürften Abfindungszahlungen und weitere Aufwendungen für die geplanten Personalmaßnahmen jedoch die Kosten erhöhen. Insgesamt bis zu 190 Millionen Euro veranschlagt das Management dafür.

Auch die Ceconomy-Spitze werde verkleinert und ab 1. Juni aus nur noch zwei Vorständen bestehen, teilte das Unternehmen mit. Compliance-Vorstand Dieter Haag Molkenteller scheidet demnach Ende Mai aus dem Gremium aus. Der Führungsspitze gehört neben Werner dann nur noch Ceconomy-Finanzchefin Karin Sonnenmoser an.

Ceconomy und MediaMarktSaturn prüfen zudem, sich von einigen kleineren Tochterfirmen zu trennen. Dazu gehörten die Liveshopping-Plattform iBood und die Beteiligung von MediaMarktSaturn an der Re-Commerce Plattform Flip4New. „Das Geschäft der Retail Media Group zur Vermarktung von Kundendaten wird beendet. Auch die Aktivitäten des Streaming-Dienstes Juke werden eingestellt“, teilte das Unternehmen mit.

Insgesamt arbeiten in Deutschland 27.000 Menschen für die Filialketten Media-Markt und Saturn.

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