Albertsons und Rite Aid Angst vor Amazon sorgt für neue Milliarden-Fusion

Amazon greift den US-Einzelhandel gleich an zwei Fronten an. Unter dem Druck kommt es nun erneut zu einem Milliarden-Deal.

Albertsons schluckt Rite Aid: Milliardendeal aus Angst vor Amazon Quelle: AP

New YorkDie Konsolidierung im amerikanischen Gesundheitsmarkt geht weiter. Am Dienstag haben der Einzelhändler Albertsons und die Apotheken-Kette Rite Aid ihre Fusion bekannt gegeben. Mit der Fusion entsteht ein Riese mit 4900 Supermärkten, 4350 Apotheken und 320 Kliniken.

Seit der Online-Händler Amazon einen Einstieg ins Apothekengeschäft erwägt und dann im Januar zusammen mit der Großbank JP Morgan und der Berkshire Hathaway Holding des Investmentgurus Warren Buffett ein gemeinsames Gesundheitsunternehmen gegründet hat, ist die gesamte Branche in Aufruhr. Die Apothekenkette Walgreens Boots Alliance spricht laut Medienberichten mit dem Pharma-Vertriebsriesen Amerisource Bergen über eine Übernahme. Die Apothekenkette CVS hat bereits den Versicherer Aetna übernommen. Nun übernimmt Albertsons Rite Aid.

Der Einzelhändler Albertson wird von dem Finanzinvestor Cerberus kontrolliert. Das Unternehmen, dem auch Safeway und andere Supermarktketten gehören, übernimmt nun die börsennotierte Drogerie- und Apothekenkette Rite Aid, die bereits einen Teil der Filialen an den Konkurrenten Walgreens Boots abgegeben hat und an der Börse bisher mit 2,3 Milliarden Dollar bewertet wird. Der Vorstandsvorsitzende des neuen, gemeinsamen Unternehmens soll der bisherige Rite Aid-Vorstandsvorsitzende John Standley werden.

Nach Angaben der beiden Unternehmen wird das gemeinsame Unternehmen einen Wert von rund 24 Milliarden Dollar haben. Es käme auf einen jährlichen Umsatz von 83 Milliarden Dollar. „Wir wissen, dass Größe zählt“, sagte der 73-jährige Albertsons-Chef Bob Miller, der Präsident des neuen Unternehmens wird. „Wir werden weiter wachsen, um mit allen Wettbewerbern konkurrieren zu können, nicht nur mit Amazon“, sagte er.

Mit ihrer Fusion reagieren Albertsons und Rite Aid gleich auf zwei Initiativen von Amazon: Zum einen macht Amazon seit der Übernahme der Bio-Supermarkt-Kette Whole Foods den Einzelhändlern auch im Lebensmittelhandel ernsthaft Konkurrenz. Zum anderen will Amazon das Gesundheitswesen revolutionieren.

Noch ist unklar, wie das gemeinsame Unternehmen mit JP Morgan und Berkshire konkret aussehen soll. Erklärtes Ziel ist es, die vielen Zwischenhändler im teuren amerikanischen Gesundheitssystem auszuschalten und damit die eigenen Mitarbeiter günstiger zu versorgen. Das könnte zum Beispiel eine Art Einheitsversicherung mit einem eigenen Netz von Ärzten und Kliniken auch unter Anwendung von Tele-Medizin sein.

Mittelfristig könnte das Modell jedoch auch für andere Unternehmen Vorbild sein. Und das verunsichert die gesamte Branche: Von Versicherern, über Pharmavertriebe hin zu Apotheken und den mächtigen Pharmacy Benefit Managern. Letztere sind eigentlich dazu da, bei den Pharma-Unternehmen bessere Preise für die Versicherer auszuhandeln. In der Praxis sind auch sie auf Profit aus und treiben die Kosten des gesamten Systems weiter in die Höhe.

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