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Aldi gegen Lidl Gibt es bald einen neuen König im Discounterland?

Zahlreiche Kunden warten auf die Öffnung einer Filiale von Aldi in Hamburg Quelle: dpa

Im Coronajahr 2020 konnte Aldi zwar kräftig zulegen, doch Dauerrivale Lidl übertrumpfte den deutschen Discountchampion. Auch Supermärkte wie Rewe und Edeka wildern im Reich des Billigheimers.

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Aldi Nord feierte Historisches: Anfang der Woche eröffnete der Discounter seine 5000. Filiale. Der neue Markt in Cala Millor auf der Ferieninsel Mallorca ist die 336. in Spanien insgesamt. Und geht es nach dem Unternehmen, werden zahlreiche weitere neue Aldi-Läden folgen – nicht nur in Spanien. „Alle Gesellschaften in der Unternehmensgruppe“ würden auf organisches Wachstum setzen, heißt es in einer Mitteilung von Aldi Nord. So seien auch in Deutschland zahlreiche neue Märkte geplant. Darüber hinaus prüfe man systematisch, „welche Potenziale sich aus Zukäufen ergeben könnten“, teilt das Unternehmen mit.

Das klingt nach Aufbruchsstimmung und gut laufenden Geschäften beim ewigen Discountchampion. Tatsächlich aber wirft nun das Fachblatt „Lebensmittelzeitung“ die Frage auf, wie lange der Essener Konzern und sein Schwesterunternehmen Aldi Süd noch in der Lage sein werden, ihre Marktführerschaft im deutschen Lebensmitteldiscount zu behaupten. Denn Dauerrivale Lidl wächst im wichtigen Heimatmarkt deutlich stärker als Aldi.   

Dem Bericht zufolge konnte Aldi 2020 zwar coronabedingt deutlich zulegen und den Umsatz um rund 1,1 Milliarden Euro auf netto 27,4 Milliarden Euro steigern. „Rivale Lidl legte jedoch um mindestens zwei Milliarden Euro zu“, schreibt die „Lebensmittelzeitung“. Damit liege Aldi nur noch etwa 2,5 Milliarden Euro über dem Umsatz von Lidl in Deutschland. 2016 soll der Abstand zwischen den beiden Top-Discountern noch bei rund fünf Milliarden Euro gelegen haben.

Stimmen die Zahlen, ist Lidl inzwischen in Schlagweite zu Aldi und könnte den Dauerrivalen in absehbarer Zeit womöglich sogar vom Discounterthron stoßen. Bis vor wenigen Jahren war das kaum vorstellbar. Zu dominant schien der Handelskonzern, zu groß war der Abstand zur Konkurrenz auf dem Heimatmarkt, wo die Aldi-Brüder Karl und Theo Albrecht bereits 1962 mit ihrem Discountkonzept gestartet waren. Erst elf Jahre später eröffnete Dieter Schwarz den ersten Lidl-Markt in Ludwigshafen am Rhein – und formte gemeinsam mit dem Manager Klaus Gehrig über die Jahre eine globale Handelsmacht. Auf internationaler Bühne hat die Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch der Großflächendiscounter Kaufland gehört, Aldi bereits seit geraumer Zeit abgehängt. Nach einer Erhebung des Marktforschers Kantar ist die Schwarz-Gruppe mit 134 Milliarden Dollar Umsatz inzwischen der weltweit drittgrößte Händler hinter Walmart und Amazon. Aldi folgt mit 116 Milliarden Dollar auf Platz vier. Doch in Deutschland konnte Aldi seinen Vorsprung gegenüber Lidl bislang verteidigen. 

Großumbau im Aldi-Reich

Nun aber schmilzt der Abstand: Vor allem Aldi Nord kämpft seit geraumer Zeit mit Problemen. Auch 2020 schlug sich der Süden besser: Dort stieg der Netto-Umsatz laut „Lebensmittelzeitung“ um rund 4,8 Prozent und erreichte 15,2 Milliarden Euro. Aldi Nord, wo in den vergangenen Jahren zahlreiche Filialen geschlossen worden waren, erreichte einen Zuwachs von 3,7 Prozent. Angesichts des Corona-bedingten Booms im gesamten Lebensmittelhandel sind das recht überschaubare Zuwächse. „Shopper, die sich als Ersatz für entgangene Restaurantbesuche etwas Besonderes für zu Hause leisten wollten, suchten und fanden dies vor allem im Supermarkt“, heißt es denn auch in einer GfK-Analyse zu den Corona-Auswirkungen. Klassische Super- und Verbrauchermärkte konnten im vergangenen Jahr demnach ein Plus von 16,7 Prozent verbuchen. Für das Discountsegment insgesamt rechneten die GfK-Experten mit einem Wachstum von immerhin 8,8 Prozent. Da sich die Gfk-Daten nur auf das Geschäft mit Lebensmitteln und anderen Gütern des täglichen Bedarfs beziehen, lassen sie sich zwar nicht eins zu eins auf die tatsächlichen Umsätze übertragen. So spielt beispielsweise auch der Verkauf von Aktionsartikeln und Gebrauchswaren eine Rolle. Dennoch ist Aldis Abstand zum allgemeinen Discountniveau überraschend hoch.

Woran das liegt? In der Branche wird über das unscharfe Preisimage des Discounters spekuliert, über die Auswirkungen von Ladenschließungen und den tiefgreifenden Konzernumbau, der Kräfte bindet. Tatsächlich stellen sich die Organisationen von Aldi Nord und Süd seit Jahren neu auf. Die Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd wurde verstärkt, Milliardenbeträge wurden in die Modernisierung der Filialen, in neue IT-Strukturen und mehr Werbung investiert. Neue Markenartikel wurden eingelistet, der Bio-Anteil am Sortiment ausgebaut und die Preispolitik flexibilisiert. Die Maßnahmen zeigen auch Wirkung: vor allem jüngere Kunden kaufen inzwischen wieder häufiger bei Aldi ein. Doch das allein dürfte kaum ausreichen, um Lidls Siegeszug zu stoppen.  

Mehr zum Thema: Der Discountriese Lidl baut seine Lebensmittelproduktion massiv aus. Neben mehr Versorgungssicherheit will er die Kontrolle über größere Teile der Wertschöpfungskette – und den Preisdruck auf Zulieferer erhöhen.

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