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Aldi gegen Lidl Das Aldi-Imperium schlägt zurück

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Neuer Glanz im Aldi-Sortiment

Wie die WirtschaftsWoche bereits im Dezember berichtete, rechnet Aldi Süd für das Jahr 2015 mit einem Umsatzanstieg in Deutschland von 1,3 Prozent auf rund 15,7 Milliarden Euro. Die Schwestergesellschaft Aldi Nord geht von einer Steigerung um 1,7 Prozent auf rund 12,2 Milliarden Euro aus. „Der durchschnittliche Umsatz pro Filiale verbesserte sich erfreulicherweise sogar um fast vier Prozent, weil das Filialnetz erneut um fast 50 Märkte reduziert wurde“, sagte eine Sprecherin von Aldi Nord dem Magazin. 2016 will Aldi Nord das Filialnetz weiter modernisieren und erwarte daher „eine erneut deutliche Umsatzsteigerung“.

Aldi kommuniziert Zahlen? Auch das ist neu beim früheren Geheimniskrämer. Jüngst ernannte Aldi Nord gar den Manager Kay Rüschoff zum Chef des neu geschaffenen Ressorts Marketing und Kommunikation und heuerte zur Verstärkung die internationale Agenturgruppe McCann an. Möglicher Arbeitsauftrag: Die Vorbereitung einer groß angelegten Werbeoffensive.

Zudem hat Aldi Nord nach Informationen der WirtschaftsWoche die drei Agenturen Rubicon, Tjarks & Tjarks und Detema engagiert, die Verpackung, Optik und Design des gesamten Sortiments überarbeiten sollen. Früher wurde das intern oder in Abstimmung mit den Herstellern erledigt.

Der Süden, meist etwas fixer als der konservative Norden, startete bereits vergangenen Sommer eine Imagekampagne. Genervt vom Lidl’schen Großaufgebot an TV-Spots und Anzeigen, in denen die Neckarsulmer die Qualität ihrer Produkte rühmen, hielten Podschlapps Werber mit schlichten Plakatmotiven dagegen. Darauf prangen aus Keksen gebastelte Liegestühle oder aus Radicchio geformte Abendkleider garniert mit dem Slogan „Einfach einkaufen“.

Die zehn Rituale beim Aldi-Besuch
Aldi-Süd-Logo Quelle: dpa
Aldi-Nord-Logos auf Einkaufswagen Quelle: AP
Süßwarenregal bei Aldi Quelle: Kristina D.C. Hoeppner, Creative Commons, CC BY-SA 2.0
Brötchenwerbung von Aldi Quelle: dpa
Jemand liest Werbeanzeigen an einer Aldi-Filiale Quelle: AP
Ein Einkaufswagen bei Aldi Quelle: dpa
Tomaten, Salat, eine Gurke und ein Messer liegen auf einer Abtropffläche Quelle: dpa

Kreativpreise dürfte der Billigheimer damit zwar nicht abräumen, doch die Reklame ist nur ein Baustein im aldiweiten Markenpflege- und Runderneuerungsprogramm. So versucht sich der Billig-Veteran mit Elektrotankstellen und neuen Bezahltechniken stärker als Shoppingtrendsetter zu inszenieren. Die Tesla-fahrende Kundschaft darf seit Juni an 50 Aldi-Tankstellen kostenfrei Öko-Strom zapfen. Und an den Kassen des Discounters lässt sich der Wochenendeinkauf seit kurzem kontaktlos via Smartphone bezahlen.

Aldi und das Digital-Geschäft

Auch im lang verschmähten E-Commerce bessert Aldi nach und will in Großbritannien ab Anfang 2016 online Wein verkaufen. In Deutschland kooperiert der Discounter seit Herbst mit Streaming-Anbieter Napster und mischt so im Geschäft mit Mietmusik mit.

Klar ist aber auch: Für Lidl sind das allenfalls digitale Nadelstiche. Denn anders als Aldi verkauft der Konzern mit Sitz in Neckarsulm schon seit Jahren einen Großteil seines Sortiments auch über das Netz. Erst vor wenigen Wochen übernahm Lidl den angeschlagen Berliner Kochboxen-Versender Kochzauber und will jetzt Anbietern wie HelloFresh Paroli bieten.

Handel



In den Läden dürfte Lidl Aldis Attacken dagegen umso schmerzhafter zu spüren bekommen. Vor allem die Einlistung der Markenprodukte bei Aldi gilt in der Branche als Frontalangriff auf Lidl, wo es seit jeher Markenartikel gibt.

Auch im Ausland schenken sich die Rivalen nichts. Vor allem die USA, wo Lidl spätestens 2018 starten will, dürfte sich zur neuen Wettkampfarena der deutschen Discounter entwickeln. Bis zum Markteintritt des Wettbewerbers will Aldi seinen Vorsprung dort ausbauen und die Zahl der US-Filialen auf mehr als 2000 erhöhen. Lidl, so viel scheint sicher, muss sich auf einen heißen Empfang einstellen.

Die große WiWo-Titelgeschichte über Aldis Milliardenplan - und seine Erfolgsaussichten lesen Sie in der aktuellen WirtschaftsWoche 02 (zum Abo). Digitalpasskunden können hier direkt auf den Artikel zugreifen.

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