Aldi Süd Brötchenknast statt Backautomat

Ausgebacken? In den Läden von Aldi Süd sollen laut einem Medienbericht die klobigen Backmaschinen gegen offene Brötchenstationen ausgetauscht werden.

Backwaren Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche

In einer Aldi-Filiale in Köln-Ehrenfeld verrichtet der Backautomat leise surrend sein Werk. Nach einem Knopfdruck zur Auswahl der Brotsorte säuselt eine metallische Frauenstimme: "Einen Moment bitte". In der zwei Meter hohen ockerfarbenen Maschine rumpelt es, wenig später landet das Brot im Entnahmefach. Zumindest noch.

Denn nach einem Bericht des Fachblatts „Lebensmittelzeitung“ haben die Brotbackautomaten von Aldi Süd ausgedient. Sie sollen in den kommenden Jahren demnach sukzessive gegen offene Backstationen, wie es sie bereits bei der österreichischen Aldi-Süd-Tochter Hofer gibt, ausgetauscht werden. Auch Erzivale Lidl setzt bereits auf die bisweilen als „Brötchenknast“ verspotteten Backsysteme,  aus denen sich die Kunden ihre Brötchen und Croissants aus einem gitterhaften Hindernisparcours angeln können.

So sieht der Edel-Aldi aus
Aldi Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Eingangsbereich Aldi Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Kaffeeautomat bei Aldi Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Aldi-Markt Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Weinregal bei Aldi Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Backwaren Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Snackregal bei Aldi Quelle: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche

Aldi Süd wollte den flächendeckenden Austausch der Backsysteme gegenüber der WirtschaftsWoche nicht bestätigen. In einigen Filialen würden aber „testweise bestimmte Angebote ausprobiert. So prüfen wir unter anderem schon seit geraumer Zeit manuelle Backsysteme“, sagte eine Sprecherin. Laut „Lebensmittelzeitung“  sollen bereits rund 70 der deutschlandweit 1.800 Märkte mit der neuen Technik ausgestattet sein.   

Schon zur Einführung  hatten die Brotbackautomaten für Furore gesorgt, galten sie doch je nach Perspektive als Handelsinnovation oder – aus Sicht des Bäckerhandwerks – als plumper Verbrauchernepp. Kein Wunder: Die Automaten ebneten den Weg für jene offenen Backstationen, die heute in kaum einem Supermarkt oder Discounter-Geschäft fehlen. Die Folge: Immer mehr Kunden sparen sich den Weg zum Bäcker und kaufen Brot und Brötchen direkt im Lebensmittelhandel.    

Chronologie: Der Aufstieg von Aldi

Entsprechend heftig fiel die Bäcker-Schelte an Aldis Automaten aus. So stritten die Anwälte des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks jahrelang mit denen des Billigheimers um die Frage, ob es sich bei der Automatenware um frisch gebackenes Brot oder lediglich um einen erwärmten Teigling handelt.

Der Bäcker-Verband hatte den Handelskonzern vor das Landgericht Duisburg gezerrt und warf Aldi Verbrauchertäuschung vor. In der Klageschrift hieß es, Aldi werbe damit, die Produkte in den Automaten frisch zu backen. Tatsächlich aber würden sie "nur erhitzt und/oder gebräunt". Aldi widersprach und Sachverständige sollten bewerten, ob die Aldi-Maschine mehr ist als ein großformatiger Toaster. Zu einem Urteil kam es indes nie.

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Im Oktober 2015 erklärte der Hauptgeschäftsführer des Bäckerverbandes, "wir haben wichtigere Dinge zu tun, als diesen Rechtsstreit, der sich schon sehr lange hinzieht". Aldi Süd teilte damals mit, das Unternehmen könne auch weiterhin mit der Aussage "Ab sofort backen wir den ganzen Tag Brot und Brötchen für Sie" werben.  

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