WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Aldi Süd Discounter plant Onlineshop in China

Aldis weltweite Expansion nimmt Fahrt auf. Im ersten Halbjahr 2017 will der Discounter einen Onlineshop in China starten. Auch auf dem Stammmarkt ist Aldi nach einer Zeit der Stagnation wieder auf Wachstumskurs.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Aldi Süd expandiert nach China, mit einem Onlineshop. Quelle: Marcel Stahn

Der Titel klang verheißungsvoll: „Moon“ war ein Strategiepapier überschrieben, das einst in der Zentrale von Aldi Süd zirkulierte und reichlich Aufregung im Topmanagement verursachte. Schließlich befasste sich die interne Analyse mit den künftigen Expansionsmöglichkeiten des Discounters, der sich in Europa schon damals seinen Wachstumsgrenzen näherte.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Die Kernaussage: Nur der Ausbau des US-Geschäfts sowie ein Markteintritt in China böten Wachstumspotenzial für Jahrzehnte, berichtet ein ehemaliger Aldi-Manager, der Einblick in die damals geheimen Moon-Papiere hatte.

Während sich die Supermarkt-Konkurrenz um Rewe und Edeka gut zwei Jahre mit dem Übernahmehickhack um Kaiser’s Tengelmann aufgehalten haben, hat Aldi in künftiges Wachstum investiert: Die Mühlheimer wenden Milliarden auf für die Modernisierung ihres deutschen Filialnetzes – und planen weltweit neue Standorte.

Wie Aldi groß wurde

Der Vorstoß zeigt Wirkung: In Amerika erweitert der Handelskonzern derzeit mit voller Kraft sein Filialnetz, rund 500 neue Standorte sollen in den nächsten Jahren dazukommen. Und auch in China will Aldi nun starten.

Bereits "im zweiten Quartal 2017" will der Discounter in China ausgewählte Artikel aus seinem Sortiment über eine Online-Handelsplattform verkaufen. Das bestätigte eine Sprecherin der australischen Aldi-Landesgesellschaft der WirtschaftsWoche. In dem Online-Shop sollen demnach vor allem Weine und ungekühlte Lebensmittel angeboten werden.
Aldi habe den chinesischen Markt zuvor über mehrere Jahre intensiv untersucht und die Optionen für den Markteintritt geprüft. Später könnten auch stationäre Shops folgen, heißt es in der Branche.
Australien, wo Aldi Süd seit 2001 aktiv ist, dient als Sprungbrett für die Expansion. Australische Lieferanten würden einen Großteils des Sortiments für den Online-Shop stellen und "bekommen so Zugang zum weltgrößten Markt mit 1,4 Milliarden Kunden", teilte das Unternehmen mit.

Trotz der Expansionspläne verliert der Billigheimer auch den heimischen Markt nicht aus den Augen.

Aldis Marken- und Ökooffensive in Deutschland

Ein Strategieschwenk des Discount-Riesen hat dazu geführt, dass es auch auf dem Kernmarkt es für Aldi wieder bergauf geht. „Aldi hat – wohl auch dank der Markenlistungen – in diesem Jahr die Kurve gekriegt“, schreiben das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK in einer Studie. „Nach schwacher Entwicklung in den letzten beiden Jahren weist der Discounter bis einschließlich September 2016 wieder ein ordentliches Umsatzwachstum aus.“ Zwar seien die Zuwächse geringer als die der Konkurrenz, aber „zumindest stimmt die Richtung wieder“.

Warum Aldi billig ist

Aldi hat, nachdem es mit dem Wachstum phasenweise nicht mehr so gut lief, in den vergangenen Jahren zahlreiche Markenartikel ins Sortiment aufgenommen und sich damit von seiner bisherigen Strategie verabschiedet, fast ausschließlich Eigenmarken anzubieten. So wurden allein zwischen April 2015 und Januar 2016 insgesamt 19 Marken ins Sortiment aufgenommen, darunter zum Beispiel Krombacher Bier, Kartoffelchips von Funny-Frisch oder Leibniz-Kekse.

Dieser Strategiewechsel zahle sich offenbar aus, konstatieren die GfK-Forscher. So liege das Umsatzniveau von Aldi in denjenigen Warenkategorien, in denen nun neue Markenprodukte die Regale zieren „um 30 Prozent über dem Niveau des Referenzjahres 2014“.

Auch die Hersteller von Markenprodukten profitieren laut GfK von Aldis neuer Strategie. Demnach konnten sie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit den bei Aldi gelisteten Marken „im Durchschnitt zehn Prozent mehr Umsatz erzielen“ als im Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig führe die Einlistung bei Aldi oft zu einem Preisrückgang der Markenartikel. „Das liegt nicht nur daran, dass Aldi die neu gelisteten Marken im Durchschnitt um knapp vier Prozent billiger verkauft, als das im Gesamtmarkt der Fall ist“, schreiben die GfK-Experten. Auch andere Händler würden sich durch die Listung bei Aldi gezwungen sehen, ihrerseits ihre Preise für die betroffenen Marken zu senken.

Grün soll es werden

Daneben arbeitet Aldi am eigenen Image. So kündigte Aldi Süd an, ab 2017 klimaneutral handeln zu wollen und den Strombedarf von Filialen, Logistik- und Verwaltungszentren mit Ökostrom decken zu wollen.

Das hat neben dem altruistischen Gründen auch eine ganz einfache wirtschaftliche Komponente: Erweiterungen der Filialen haben den Energieverbrauch ab 2008 ansteigen lassen. 2013 konnte Aldi dies stoppen und arbeitet seitdem daran, den Energieverbrauch weiter zurückzufahren.

Entsprechend bietet die Gruppe künftig in Kooperation mit dem Online-Energieversorger „123 Energie“ auch grünen Strom für den Endverbraucher an. „Mit Aldi Grünstrom können auch unsere Kunden etwas für die Energiewende tun“, sagt der Leiter des Energiemanagements bei Aldi Süd, Florian Kempf, in einer Pressemitteilung. Und für Aldi ist es eine weitere Einnahmequelle.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%