Alibaba gegen Amazon "Jetzt ist die Welt dran"

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In Europa wagt sich Alibaba schrittweise vor

Prognosen gehen davon aus, dass der Umsatz im Onlinehandel in der Region von 5,5 Milliarden Dollar im Jahr 2015 innerhalb von zehn Jahren auf 88 Milliarden Dollar wächst. Deshalb wagt sich nun auch Amazon vor. Singapur gilt als Brückenkopf für Südostasien, hier verspricht der US-Riese, Pakete mit seinem Premiumdienst Prime binnen zwei Stunden liefern zu können.

In Indien ist der Wettkampf bereits voll im Gang. 2014 kündigte Amazon-Chef Jeff Bezos in Bangalore an, fünf Milliarden Dollar in dem Land zu investieren. Heute ist das Unternehmen der zweitgrößte Onlinehändler im Land. Alibaba hat in Paytm, den wichtigsten Bezahldienst Indiens, investiert. Seit Kurzem können Kunden über den Onlinehändler „Paytm Mall“ einkaufen.

Auch in Europa wagt sich Alibaba schrittweise vor. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen sein erstes Rechenzentrum in Frankfurt eröffnet, mit dem es deutsche Unternehmen für die Speicherung von Daten im Internet (Cloud) gewinnen will. Damit greift Ma den Amazon-Dienst Drive frontal an. Und in Bulgarien verhandelt das Unternehmen mit der Regierung über ein Versandzentrum, das für den gesamten europäischen Markt zuständig sein könnte.

Chinesische Kunden können in Deutschland, den USA und weiteren Ländern zudem den Dienst Alipay nutzen, um Einkäufe, Taxis und Hotelbuchungen zu bezahlen. Das ist etwa bei der Drogeriemarktkette Rossmann möglich. Der Dienst könnte sich irgendwann auch für deutsche Kunden öffnen. Die Infrastruktur wäre jedenfalls vorhanden.

Die Bezahldienste sind für Alibaba längst zu einem eigenen Wachstumstreiber und zur Quelle technischer Innovationen geworden. Das lässt sich in einem Fast-Food-Restaurant im ostchinesischen Hangzhou besichtigen. Dort lächelt Wang Lina in eine Kamera, nach einem Moment hat das Gerät die junge Chinesin erkannt und fordert sie auf, für die Rechnung ihre Handynummer einzugeben. Dann nimmt Wang einen kleinen schwarzen Pieper aus einem Korb neben dem Bildschirm. Mit dem wird die Kellnerin sie finden, wenn sie das bestellte Essen serviert.

Wer im Onlinehandel die Nase vorn hat

Noch befindet sich „Smile to pay“ in der Testphase. Doch bald will die Alibaba-Tochter Ant Financial den weltweit bisher einmaligen Service flächendeckend einführen. Bedenken der Nutzer dürften dem kaum entgegenstehen. „Das ist wirklich cool“, findet Wang. Dass Alibaba ihre biometrischen Daten für andere Zwecke verwenden könnte und dass sie nie eine Einverständniserklärung erteilen musste, beschäftigt sie nicht. „Ich finde die Technik nützlich“, sagt Wang.

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