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Alnos Überlebenskampf Billigküchen-Tochter Pino wird getrennt verkauft

Für Küchenbauer Alno beginnt eine entscheidende Phase. Probleme hat Alno schon seit langem, aber irgendwie schaffte das Unternehmen es immer weiter. Inzwischen sieht es aber düsterer aus denn je aus.

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Möglicherweise wird Alno nicht komplett, sondern in Teilen verkauft. Quelle: dpa

Für Küchenbauer Alno bricht die entscheidende Phase im Überlebenskampf an. Zum einen steht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens kurz bevor, dieses dürfte im Laufe dieser Woche beginnen. Zum anderen muss die Traditionsfirma nun wieder selbst Personalkosten stemmen. In den vergangenen Monaten hatte die Bundesagentur für Arbeit diese Kosten übernommen, das ist seit dem 1. Oktober vorbei.

Eines scheint bereits klar: Die Tochterfirma Pino, die auf vergleichsweise billige Produkte setzt, soll getrennt verkauft werden. Der Gläubigerausschuss habe einem Kaufangebot zugestimmt, teilte der Küchenkonzern aus Pfullendorf mit. Der vorläufige Insolvenzverwalter prüft den Verkauf noch, seine Zustimmung gilt aber als so gut wie sicher. Wer der Käufer ist, wurde nicht bekannt. Pino hat 230 Mitarbeiter, bei der Firma aus Coswig in Sachsen-Anhalt lief es finanziell zuletzt deutlich besser als beim Mutterkonzern, der mit seinen 600 Mitarbeitern auf hochpreisige Edelküchen setzt. Insgesamt hat der Konzern 1600 Beschäftigte.

Für Alno selbst wird noch immer dringend nach einem kapitalstarken Investor gesucht. Bisher haben zwar mehrere Interessenten einen Einstieg geprüft, doch die Verkündung eines Investors lässt auf sich warten. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, heißt es vom vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Hörmann. Zum genauen Stand der Dinge äußert er sich nicht, generell beschreibt er die Lage als schwierig.

Umsatz der deutschen Küchenindustrie in den Jahren 2008 bis 2016

Das offizielle Insolvenzverfahren dürfte im Laufe dieser Woche eröffnet werden. Das Amtsgericht Hechingen gibt grünes Licht, wenn das verbliebene Vermögen höher ist als die Kosten des Verfahrens - es gilt als so gut wie sicher, dass dies bei Alno der Fall ist. Ein Insolvenzverfahren würde die Position von Hörmann stärken. Zum Beispiel könnte er dann Miet- oder Leasingverträge mit einer Frist von drei Monaten kündigen, um finanziellen Ballast loszuwerden.

Alno hat noch rund 1600 Mitarbeiter, davon sind etwa 700 in der Zentrale in Pfullendorf angestellt. Für die auf Mittelklasse-Küchen spezialisierte Tochterfirma Wellmann in Enger (Nordrhein-Westfalen) arbeiten 400 Menschen, für die Billigküchen-Tochter Pino in Coswig (Sachsen-Anhalt) 230. Der Rest ist im Ausland tätig.

Derzeit ruht die Produktion, da nicht genug Geld für Materialkauf und andere Posten vorhanden ist. Immerhin eine gute Nachricht konnte der Insolvenzspezialist in der vergangenen Woche verkünden: Alno bekam einen Kredit über sechs Millionen Euro. Mit dem Geld kann die Firma vorerst Personalkosten stemmen - wie lange, ist unklar.

Möglicherweise wird Alno nicht komplett, sondern in Teilen verkauft. So liegt Wellmann mit seiner Fabrik in Ostwestfalen gewissermaßen in Reichweite von Wettbewerbern wie Nobilia in Verl und Poggenpohl in Herford. Es ist denkbar, dass ein Wettbewerber zuschlägt und sich Wellmann einverleibt. Führen alle Bemühungen auf der Suche nach einem Investor ins Leere, wird Alno abgewickelt.

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