Amazon-Mitarbeiter streiken Wer im Tarifkonflikt das Nachsehen hat

Amazon-Mitarbeiter streiken. Die Gewerkschaft will mit allen Mitteln Tarifverhandlungen erzwingen. Der Onlinehändler stellt sich stur. Das Nachsehen haben häufig die Kunden.

In Leipzig erwartet Verdi, dass bis zu 450 Amazon-Mitarbeiter streiken werden. Quelle: dpa

Alle Jahre wieder: In der wichtigsten Geschäftszeit des Jahres – in der Vorweihnachtszeit – ruft Verdi Amazon-Mitarbeiter erneut dazu auf, die Arbeit niederzulegen. In sieben von neun deutschen Logistikzentren streikten laut Amazon am Montag während der Frühschicht deutschlandweit 1300 Angestellte – überwiegend unbefristet Beschäftigte. Etwa 10.000 Amazon-Angestellte haben in Deutschland einen unbefristeten Arbeitsvertrag – nochmal genauso viele Saisonkräfte stellt der Onlinehändler zur Weihnachtszeit zusätzlich ein.

Auch wenn durch den Streik etwa ein Zehntel der Arbeitskräfte wegfällt, gibt sich Amazon gelassen: "Die Streiks haben keinerlei Auswirklungen auf die Einhaltung unseres Lieferversprechens. Amazon-Kunden können Weihnachten ganz entspannt entgegensehen", heißt es seitens der Pressestelle auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online. In 14 deutschen Großstädten sollen Kunden trotz Streik sogar die Möglichkeit haben, noch an Heiligabend bis 6 Uhr morgens das passende Präsent online auszusuchen – um es noch am gleichen Tag zu verschenken.

So viele Amazon-Mitarbeiter streiken

Auch Mechthild Middecke, Gewerkschaftssprecherin in Bad Hersfeld, hat keine Zweifel daran, dass Amazon dieses Lieferversprechen einhalten kann. "Während der Streiks bemüht sich Amazon vorrangig, Prime- und Same-Day-Delivery-Aufträge fristgerecht zu erfüllen", sagt Middecke. Das Nachsehen hätten allerdings Kunden, welche die Produkte in regulärer Lieferfrist bestellen. "Anstatt zwei Tage warten die Kunden dann auch mal drei bis vier Tage auf ihr Paket."

Der Konzern beteuert: Dass seine Software dem Kunden stets das entsprechende Lieferdatum während der Bestellung anzeige – und damit hielte Amazon sein Lieferversprechen ein.

Amazon lehnt Tarifvertrag trotz Streik weiter ab

Trotz des Streiks in der wichtigsten Geschäftszeit des Jahres weigert sich der Onlinehändler weiterhin, Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft zu führen. "Amazon ist auch ohne Tarifverhandlungen ein guter Arbeitgeber", sagt eine Sprecherin.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass der Onlinehändler die Arbeitsbedingungen eigenmächtig diktieren will, um sich so Wettbewerbsvorteile zulasten tariftreuer Handelsunternehmen zu verschaffen. Die These: Durch die geringen Löhne bietet Amazon die Produkte zu zu niedrigen Preisen an. Im Tarifvertrag würden die Mitarbeiter mehr Geld verdienen.

Verdi fordert, dass Amazon Mitglied des Einzelhandel-Tarifvertrags wird, weil der Onlinehandel nach Einschätzung der Gewerkschaft zum Einzelhandel gehört. Amazon bezahlt seine Lagerkräfte auf dem Niveau des Logistik-Tarifvertrags: Ein ungelernter Amazon-Mitarbeiter erhält in Deutschland im ersten Jahr durchschnittlich einen Bruttostundenlohn von zehn Euro. Das sind 20 Prozent weniger als beim Einzelhandel-Tarifvertrag. Allerdings hat Amazon auch den Logistik-Tarifvertrag bisher nicht unterschrieben – und ist nicht an dessen Regeln gebunden.

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