Amazon Roboter verändern die Zukunft des Onlinehandels

Forscher der TU Berlin haben mit ihrem Roboter die "Picking Challenge" des Onlinehändlers Amazon gewonnen. Was der Wettbewerb für die Zukunft des Online-Riesen und seine Angestellten bedeutet.

Roboterarm der TU Berlin Quelle: PR

Erfolg für deutsche Roboter-Forscher: Ein Team der Technischen Universität Berlin hat bei einem Robotik-Wettbewerb von Amazon den Sieg errungen. Den Berlinern gelang es bei der „Amazon Picking Challenge“ am besten, eine Reihe verschiedener Gegenstände mit einem künstlichen Arm aus einem Regal zu greifen und in eine Box zu legen. Damit setzen sie sich gegen 24 Forscherteams aus aller Welt durch, darunter viele von Spitzenuniversitäten wie dem Massachusetts Institute of Technology.

Den Roboter-Wettstreit lässt sich Amazon einiges kosten. Allein das Berliner Sieger-Team der aktuellen Picking-Challenge bekam 20.000 Dollar Prämie. Geld, das der Onlinehändler nicht aus Spaß an der Technik ausgibt. Mit dem Wettbewerb verfolgt der Online-Händler ein ganz konkretes Ziel: Die möglichst vollständige Automatisierung seiner Logistik.

Amazons Logistik-Netz in Deutschland

Will Amazon mit der steigenden Zahl der Bestellungen und den wachsenden Anforderungen der Kunden mithalten, muss es die Abläufe in den Logistikzentren effizienter machen. Noch verfeinert der Konzern dazu vor allem das Einlagerungssystem und optimiert den Einsatz der Mitarbeiter – so weit, dass sich manche von ihnen schon als „Roboter“ fühlen.

Aber auch echte Roboter sind bei Amazon bereits massenhaft im Einsatz: Computergesteuerte Transport-Roboter seines Tochterunternehmens Kiva rollen durch die Warenlager. Sie bringen Schränke voller Bücher, DVDs und abertausenden anderen Waren zu Kommissionierstationen. Dort sind tausende Mitarbeiter damit beschäftigt, die bestellten Gegenstände aus dem Regal zu nehmen und in Versandpakete zu packen.

15.000 dieser Kiva-Robots hat Amazon nach eigenen Angaben mittlerweile in Betrieb und profitiert davon gleich mehrfach: Bis zu 50 Prozent mehr Waren könnten dank der Roboter gelagert werden, heißt es aus den USA. Die Mitarbeiter sparen sich zudem lange Wege durch den Regal-Dschungel. Ist ein Mitarbeiter, auch Picker genannt, in Deutschland zwischen zehn und 15 Kilometer am Tag unterwegs, kann er in den USA an einem Platz arbeiten.

Roboter sollen Kosten um 40 Prozent senken

775 Millionen Dollar hat sich Amazon die Übernahme des Herstellers Kiva Systems kosten lassen. Schon früh legten sich Analysten mit der Einschätzung fest, dass dies eine kluge Entscheidung war und allein der Einsatz der Kiva-Robots die Abfertigungskosten um bis zu 40 Prozent senken können. Übernehmen Roboter die Kontrolle über weitere Glieder in der Logistikkette, werden die Kosten weiter fallen und die Effizienz steigen.

Die Paketzustellung der Zukunft

Was Technik-Fans und Logistiker begeistert, besorgt Arbeitnehmervertreter. Sie fürchten, dass die Roboter bald ganz die Vorherrschaft in den Amazon-Zentren übernehmen. „Maschinen sollen nicht nur die Arbeitsleistung erhöhen, sondern auch zur Kostensenkung eingesetzt werden“, sagte Tim Schmidt, Betriebsrat im Amazon-Logistikzentrum in Rheinberg, im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. „Aus der Historie hinaus weiß man, dass dort, wo Roboter die Arbeit von Menschen übernehmen können, diese das auch irgendwann tun werden“.

So weit, dass sie die menschlichen Angestellten ersetzen könnten, sind die Roboter aber längst nicht. Noch immer können die Blechmänner nicht jedes beliebige Objekt zuverlässig fassen und an einen anderen Platz legen. Dazu müssen die Maschinen nicht nur mit Hilfe von 3D-Kameras räumlich sehen lernen, sondern auch verstehen, aus welchem Material ein Buch, eine Plastikschüssel oder ein Fußball besteht. Und die Metallhände müssen all diese Geräte sicher packen.

Wie vielfältig die Dinge in einem Amazon-Lager sind, zeigt die Auswahl an 25 verschiedenen Objekten, die die Roboterarme beim Wettbewerb greifen mussten: Eine Tüte mit Keksen, ein Stiftebecher aus Metall, eine Küchenbürste in einer Papier-Verpackung, eine Stoffente oder eine Tube Klebstoff. Jedes Team hatte 20 Minuten Zeit, so viele Objekte wie möglich zu greifen. Für jeden Gegenstand gab es Punkte. Ließ der Roboter etwas fallen oder platzierte es falsch, zog die Jury Punkte ab.

Das Berliner Team schaffte es immerhin, fast alle Objekte aus dem Regal zu holen. Für den regulären Einsatz bei Amazon war der Roboterarm noch viel zu langsam. Aber das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Weltweit bringen Forscher Robotern bei, immer schneller zu hantieren und auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren. Erst neulich stellten Forscher der UC Berkeley einen Algorithmus vor, mit dem Maschinen per Versuch und Irrtum lernen. Ein Roboter schaffte es so mit geringem Vorwissen, ein Spielzeug-Flugzeug zusammenzubauen oder Kleiderbügel auf eine Schiene zu hängen.

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