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Amazon und Zalando Das sind die Lieferpläne der Onlinehändler

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Eigene Zulieferung als Vorstufe von Amazon Fresh

Warum vergibt Amazon die Aufträge in München an kleinere Lieferanten?

Amazon will sich durch die Zulieferung durch kleinere Unternehmen von seinen Wettbewerbern distanzieren. Der Onlinehändler möchte seinen Kunden einen besseren Service bieten – indem das Unternehmen schneller zuliefert. Wenn Amazon Pakete per DHL verschickt, müssen die Boten noch andere Waren austragen, sodass der Zustellungsprozess verzögert wird.

Die Zulieferung durch kleinere Lieferanten hat zwei weitere Vorteile. Einerseits spart Amazon Kosten, andererseits kann sich der Onlineriese besser vermarkten. ""Weil Amazon in München derart viele Pakete verschickt, ist es für den Onlineriesen günstiger, die Pakete mit Hilfe kleinerer Lieferanten zuzuschicken und im ländlichen Raum weiter auf die DHL zu setzen", sagt Kille. Die Zustellung in ländlichen Gebieten ist nämlich teurer als in Ballungszentren, weil die Kuriere in Großstädten während einer Tour gleich mehrere Pakete zustellen können.

Die 10 größten Onlinehändler in Deutschland
Apple Quelle: AP
Alternate.de Quelle: Screenshot
Platz 8: Conrad.de Quelle: Screenshot
Tchibo.de Quelle: dpa
Platz 6: Bonprix.de Quelle: Screenshot
Cyberport.de Quelle: Screenshot
Platz 4: Notebooksbilliger.de Quelle: Screenshot

Der Zusteller ist das letzte und wichtigste Bindeglied zwischen Amazon und Kunde. Bisher stellt die DHL die Mehrzahl der Pakete dazu – sie ist das marktbeherrschende Logistikunternehmen in Deutschland, sodass Amazon wenig Mitspracherecht bei der Zustellung der Pakete hat. Wenn der Onlinehändler auf kleinere Lieferanten setzt, hat er mehr Spielraum: Er kann zum Beispiel verlangen, dass die Angestellten als Amazon-Zusteller erkenntlich sind und bestimmen, wie sie die Pakete zustellen.

Wie könnten sich die Zulieferungsprozesse von Amazon in Zukunft entwickeln?

Weitere Verteilzentren von Amazon sollen in München, Berlin und Hamburg entstehen. Christian Kille schätzt, dass auch noch in weiteren Großstädten solche Verteilzentren entstehen werden. Denn dort sei die Nachfrage nach Amazon-Waren besonders hoch. Schon jetzt beobachtet er, dass der Händler die Vorkommissionierung, also die Zusammenstellung der Waren, vermehrt nach Polen und Tschechien verlegt, weil dort weniger gestreikt wird und die Arbeiter einen geringeren Lohn bekommen. Der Logistikprofessor geht davon aus, dass dieser Trend weiter zunehmen wird.

Heißt das, dass bald in Deutschland auch Amazon Fresh folgt, also die Zustellung von Lebensmitteln?

Kille hält es für sehr wahrscheinlich, dass Amazon mit der Lieferung durch kleinere Kurierdienste die Zulieferung von Lebensmitteln plant – auch wenn das Unternehmen das bislang nicht bestätigt. Durch die kleineren Kurierdienste kann Amazon die Waren schneller zustellen als per DHL, weil die Kuriere flexibler sind – praktisch für den Lebensmittelhandel. In eigenen Logistikzentren kann Amazon testen, wie sich Lebensmittel am besten lagern und kühlen lassen.

Warum gibt es Amazon Fresh bisher noch nicht?

Bei der Zustellung von Lebensmitteln ist vor allem die letzte Meile – also die Lieferung aus dem Lager zum Kunden – problematisch und teuer. Beim Einkauf vor Ort sucht sich der Kunde selbst das beste Produkt aus – und wenn er mal daneben greift, ärgert er sich über sich selbst.

Amazons Logistik-Netz in Deutschland

Wenn ein Supermarkt ihm die Ware aber nach Hause liefert, muss die Ware einwandfrei sein, weil der Einzelhändler sonst Kunden verliert. Durch die genauere Kontrolle hat das Unternehmen höhere Ausschusskosten. Das Personal, das vorher nur Non-Food-Produkte kommissioniert hat, muss geschult werden, weil für die Lebensmittelbranche andere Bedingungen gelten. Im Gegensatz zu anderen Waren müssen Lebensmittel viel aufwendiger verpackt werden – das ist kostspieliger und umweltunfreundlicher.

Warum hält Amazon an Amazon Fresh fest, wenn die Zulieferung von Lebensmitteln mit so vielen Problemen verbunden ist?

"Die Zustellung von Lebensmitteln, die wir täglich brauchen, könnte für Amazon den nächsten größeren Wachstumsschub bedeuten", meint Kille. Rewe liefert seinen Kunden mittlerweile Brot, Käse und Milch – Amazon will sich rechtzeitig große Marktanteile sichern.

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