WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Amazon will nachhaltiger werden Bezos grünes Versprechen

Amazon wurde schon oft wegen eines klimaschädlichen Geschäftmodelles kritisiert. Nun möchte Jeff Bezos das Unternehmen klimaneutral machen. Quelle: REUTERS

Amazon-Gründer Jeff Bezos kündigt an, sein Unternehmen zehn Jahre früher als geplant klimaneutral zu machen. Wie das gelingen soll.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Dass es Jeff Bezos um das große Ganze geht, macht er direkt deutlich, als er die Bühne im Konferenzraum des National Press Clubs in der US-Hauptstadt betritt. „Vielleicht erkennen Sie es“, sagt der Amazon-CEO als auf den Monitoren neben ihm ein Weltraumfoto der Erde erscheint. „Sie ist der beste Planet in unserem Sonnensystem. Sie ist der einzig gute Planet in unserem Sonnensystem.“

Bezos ist nach Washington gekommen, um seine neue Klimaschutzinitiative vorzustellen. Amazon, so verspricht er, werde die Auflagen der Pariser Abkommens zehn Jahre vor der vereinbarten Frist umsetzen. Bis 2030 soll der Riesenkonzern seine Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen beziehen, bis 2040 vollständig CO2-neutral sein – und damit eine Vorreiterrolle in der Unternehmenswelt einnehmen. „Wir sind groß“, sagt der CEO. „Wenn wir es schaffen, dann zeigt das, dass es alle schaffen können.“

Bezos Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, in welchem das Thema Klimaschutz auch in der US-Hauptstadt alles überschattet. Gerade hat Präsident Donald Trump, ein Intimfeind des Amazon-Gründers, angekündigt, die härteren Abgasstandards des Bundesstaats Kalifornien zu kassieren. Klimaaktivistin Greta Thunberg sagte in dieser Woche im Kongress aus, in der kommenden Woche findet in New York eine mit Spannung erwartete Konferenz der Vereinten Nationen zum Thema statt. Da passt die neue Kampagne des Amazon-Chefs ins Bild.

Amazon-Gründer Jeff Bezos möchte die Auflagen des Pariser Abkommens schon zehn Jahre vor der vereinbarten Frist umsetzen. Quelle: AP

Dabei war Amazon bislang nicht gerade für seine Umweltfreundlichkeit bekannt. Kritiker werfen dem Konzern vor, ein klimaschädliches Geschäftsmodell zu verfolgen. Seine Lieferflotte verstopfe demnach die Innenstädte, die Verpackungen der Produkte produziere zudem massenhaft Müll. Von den energieintensiven Daten- und Logistikzentren des Unternehmens ganz zu schweigen. Dass ein großer Teil der angebotenen Waren zudem in Ländern produziert wird, die sich nicht unbedingt an westliche Klimastandards halten, kommt noch dazu.

Bezos kennt diese Vorwürfe natürlich. Abhalten lässt er sich von ihnen jedoch nicht. Über mehrere Jahre habe man die Klimabilanz des Unternehmens genau studiert – mit teils überraschenden Ergebnissen, teilt er mit. So sei etwa die viel kritisierte Same-Day-Delivery im CO2-Ausstoß besser als langsamere Lieferzeiten. „Das widerspricht der Intuition, aber es ist ein Fakt“, sagt Bezos. Schließlich könnten so kurze Lieferzeiten etwa mit CO2-intensiver Luftfracht gar nicht eingehalten werden.

Amazon werde zudem demnächst auf zunehmend sauberere Transportmittel setzen. So investierte das Unternehmen 440 Millionen Dollar in E-Transporter-Hersteller Rivian. Ab 2021 sollen deren elektrische Trucks große Teile der Lieferungen übernehmen. Die Flotte werde bis 2030 auf 100.000 anwachsen, verspricht Bezos – und so vier Millionen Tonnen CO2 einsparen. Auch die Verpackungen sollen tendenziell weiter schrumpfen – auch wenn sie für die Klimabilanz des Konzerns unterm Strich einen geringeren Einfluss hätten, als die Öffentlichkeit vermute.

Auch alle anderen Unternehmensbereiche seien auf dem Prüfstand, so der CEO. Das könnte teuer werden. Allein ein Wiederaufforstungsprojekt des Konzerns wird 100 Millionen Dollar kosten. Wieviel Geld Amazon insgesamt in die Hand nehmen will um sein Ziel zu erreichen, verrät der Gründer nicht – zumal er betont, dass neue Verfahren und gesteigerte Effizienz ja auch durchaus zu Einsparungen führen könnten. Insgesamt zeigt er sich optimistisch, dass er sein Ziel erreichen kann. „Man kann durch Innovation jedes Problem lösen“, sagt Bezos.

Durch die Größe des Konzerns hofft der CEO, auch andere Unternehmen von seinem Ziel zu überzeugen. Amazon werde auch mit Partnerunternehmen zusammenarbeiten, damit diese ebenfalls schneller klimaneutral werden könnten, kündigt er an. „Wir werden zunächst an den Dingen arbeiten, die wir direkt kontrollieren und dann versuchen andere dazu zu bewegen, unser Modell zu übernehmen“, sagt er. Ein Bekenntnis wie dieses sei in der Lage, die Wirtschaft insgesamt voranzubringen. „Es ist ein Signal an alle, neue Lösungen zu entwickeln“, sagt Bezos.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%