Amazon Worauf Jeff Bezos sein Geld setzt

Wer Amazon hört, denkt vor allem an Handel. Damit ist der Online-Gigant reich geworden. Auch 2017 startet das Unternehmen mit einem kräftigen Gewinn. In welche spannenden Bereiche Amazon sein Geld steckt.

Wo Amazon drin steckt und wo dahinter. Quelle: Marcel Stahn

Für Scott Galloway ist Amazon ein neuer Typus Unternehmen. Einem, dem Profit zweitrangig ist. Und der dafür auch noch gefeiert wird. Galloway ist Professor für Marketing an der New York University Stern School of Business. Mit seinem Unternehmen L2 bewertet er die digitalen Leistungen von Marken – und tritt auf Konferenzen wie dem DLD in München auf. Dann spricht er wie ein Maschinengewehr und ballert dem staunenden Publikum Zahlen und Fakten um die Ohren.

So auch wieder Mitte April als er sich dem Wachstum des 1994 in Seattle von Jeff Bezos gegründeten Unternehmen widmete. Wann immer, so witzelte Galloway, der Gewinn bei Amazon zu hoch ginge, würde Bezos seine Führungskräfte versammeln und sicher fragen: „Was ist schief gelaufen?“. Profit, so Galloway, sei nachrangig. Und die Investoren begrüßten das auch noch.

Wenn es nach Galloways Interpretation von Bezos geht, ist bei den nun verkündeten Quartalszahlen wohl so ziemlich alles schief gegangen. Der Umsatz stieg in den ersten drei Monaten 2017 um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 35,7 Milliarden US-Dollar, auch der Gewinn pro Aktie (EPS) stieg auf 1,48 US-Dollar. Analysten hatten mit etwas weniger Umsatz und einem deutlich geringeren EPS von 1,08 Dollar gerechnet. Die Anleger bedankten sich mit einem nachbörslichen Kurssprung von rund fünf Prozent.

Diese Unternehmen hat Amazon gekauft

Amazon hat nun die Möglichkeiten, das weiter zu tun, was es am liebsten tut: Wachsen. Da wäre zum einen das personelle Wachstum. Waren es 2014 noch 154.000 Mitarbeiter weltweit in Voll- oder Teilzeit, stieg die Zahl 2015 auf 230.000. Der Sprung in 2016: noch mal 111.000 Mitarbeiter mehr. Am 31. Dezember 2016 waren es laut Amazon 341.400 Menschen, die ihr Geld bei dem als Buchhandel gestarteten Versandhändler verdienten. Das Wachstum geht weiter – die Zahl der Jobangebote in den verschiedenen Amazon-Unternehmen rangieren zwischen drei- und vierstellig. Ingenieure und Softwareentwickler werden bevorzugt.

Zum anderen füllt Amazon durch Zukäufe ganzer Unternehmen und Beteiligungen in Start-ups Lücken, die das Unternehmen in seinen verschiedenen Sparten nicht schnell genug selbst füllen kann. Das reicht von der Übernahme eines Roboterherstellers, der die inzwischen 45.000 Logistikroboter von Amazon produziert, bis zu Investments in kleine Unternehmen, die sich um Softwarelösungen für Videos oder Serversicherheit kümmern.

In diese Unternehmen hat Amazon investiert

Im Vergleich zu Google, Apple oder Facebook ist Amazon dabei zurückhaltend. Mit fünf Übernahmen bildet Amazon das Schlusslicht des Quartetts, das Scott Galloway als „The four Horsemen“ bezeichnet – basierend auf einem durch die Band Metallica bekannt gewordenen Rocksong auf deren Debutalbum. Dessen Titel war: „Kill ‚em all“.

Amazon macht in seinem Geschäftsgebaren sicher keine Gefangenen – ist bei Zukaufpolitik dennoch eher konservativ, urteilt Nat Burgess von der Beratung TechStrat in den USA. „Sie denken langfristig und lassen sich nicht von hochfliegenden Bewertungen verführen“, sagte Burgess dem Portal Geekwire.

Die Langfriststrategie, die sich aus den Aufkäufen ganzer Marken wie shoes.com oder dem Gesundheitsunternehmen Grail.com erkennen lässt, dürfte dennoch eine Reihe von Branchen nervös machen.

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