Angebote externer Händler Protest gegen Wehrmachts-Artikel auf Real.de

Wehrmachts-Artikel, die auf Real.de zu finden sind, haben für Empörung in sozialen Netzwerken gesorgt. Einen Tropenhelm hat Real inzwischen aus dem Online-Shop genommen. Bei Amazon lässt sich dieser aber auch kaufen.

Onlineshop von Real: Protest gegen Wehrmachts-Artikel Quelle: Twitter

DüsseldorfEin „Afrikakorps Tropenhelm“ hat am Sonntag viele Twitter-Nutzer gegen die Supermarktkette Real aufgebracht. Der Artikel war im Onlineshop auf Real.de angeboten worden. Nach und nach entdeckten Nutzer ähnlich irritierende Artikel, zum Beispiel einen „Wehrmachts Hosengürtel“, eine „Senderöhre für deutsche Wehrmacht“ und ein „Feldkochbuch für behelfsmäßiges Kochen und Backen in den Kolonien“.

Zuerst hatte offenbar ein Nutzer mit dem Twitter-Handle @AirRic89 den Helm entdeckt und das bei Twitter geteilt. Nachdem er eine Dokumentation über den Kolonialismus sah, habe er online nach „Tropenhelm“ gesucht und über die Suchmaschine Google das Bild von Real.de angezeigt bekommen, berichtet er auf Nachfrage von Lars Wienand, der als Social-Media-Redakteur bei der Funke-Mediengruppe arbeitet.

Dann griff auch Satiriker und Moderator Jan Böhmermann den Fund auf und teilte ihn auf Twitter.

Vor allem die bizarren Beschreibungstexte der Artikel irritierten Nutzer.

Die Beschreibung eines Aufnähers, der als „Bügelbild Totenkopf mit Stahlhelm Army“ beworben wurde, bewegte Grünen-Politiker Sebastian Hansen dazu, Strafanzeige „gegen Unbekannt wegen Volksverhetzung“ zu stellen. „Mit diesem Aufnäher können Sie deutlich machen, dass Ihnen einige Ideen aus dieser Zeit auch heute noch gefallen“, hieß es unter anderem.

Zu lesen war der Text nicht auf der Real-Homepage selbst. Er wäre erschienen, wenn Nutzer den Link zum Artikel in sozialen Netzwerken wie Facebook gepostet hätten und war auch dem Quelltext des Links zu entnehmen. Hansen veröffentlichte auf Twitter einen Brief an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

In der Nacht reagierte schließlich auch Gerald Schönbucher, Geschäftsführer von Real Digital. Real habe den Helm aus dem Shop genommen.

Real selbst bietet die Artikel nämlich nicht an – wie auch bei Amazon oder eBay dient der Online-Shop auf Real.de Tausenden externen Händlern als Plattform. Im vergangenen Jahr hatte Real den Online-Marktplatz Hitmeister übernommen. Nicht jedes Produkt werde manuell geprüft, teilte Gerald Schönbucher in der Nacht zu Montag auf Twitter mit.

Auch auf Amazon und eBay lassen sich ähnliche Artikel finden.

Erst am späten Vormittag veröffentlichte Real am Montag dann auch eine offizielle Stellungnahme zu den umstrittenen Produkten. „Trotz bereits umfangreicher vorhandener Sicherheitsmaßnahmen, mussten wir jedoch zu unserem großen Bedauern feststellen, dass sich im Angebot Dritter auch Artikel befinden, die die Vorgänge in der Zeit des Nationalsozialismus verherrlichen und als Fan-Artikel angeboten werden“, heißt es darin.

Eigentlich untersagen die allgemeinen Geschäftsbedingungen den Verkauf von „Propagandamaterial und Material mit Kennzeichen verbotener und verfassungswidriger Organisationen“, sowie „gewaltverherrlichendes, volksverhetzendes, diskriminierendes Material“, heißt es auch auf der Homepage von Real.

In der Nacht hatte Schönbucher noch erklärt, Real überprüfe Produkte nur in Einzelfällen. Nun offenbar auch vorsorglich: Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, „weitere potenzielle Artikel dieser Art von Drittanbietern zu identifizieren, um diese ebenfalls aus dem Angebot zu entfernen“, teilt Real in der Meldung am Morgen dann mit.

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