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Angst um das Weihnachtsgeschäft Lieferprobleme und jetzt noch 2G? Der perfekte Sturm für den Einzelhandel

Eine Passantin geht in der Hamburger Innenstadt an einem Schaufenster mit Weihnachtsdeko vorbei. Quelle: dpa

Das Weihnachtsgeschäft ist die letzte Hoffnung vieler Einzelhändler. Doch nun kämpft die Branche mit Lieferengpässen und neuen Corona-Einschränkungen. Für viele Innenstadtgeschäfte wird es eng.

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Dieses Jahr sollte alles besser laufen. Eigentlich. Noch im November übte sich der Handelsverband HDE in Optimismus: „Die hohen Sparguthaben und die gute Verbraucherstimmung stellen die Weichen für einen versöhnlichen Jahresausklang“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin. Man rechne mit einem Rekordumsatz im Weihnachtsgeschäft. Die Einnahmen dürften im November und Dezember um zwei Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 111,7 Milliarden Euro steigen.

Schon zu dem Zeitpunkt war eine solche Prognose gewagt – inzwischen dürfte sie obsolet sein. Tatsächlich droht sich der Weihnachtsalbtraum des Einzelhandels aus dem vergangenen Jahr zu wiederholen.

Das wichtigste Quartal des Jahres hat schlecht begonnen: Im Oktober hatten Deutschlands Einzelhändler rund 2,9 Prozent weniger Umsatz in ihren Kassen als im Vorjahresmonat, vermeldete jüngst das Statistische Bundesamt. Auf das Gesamtjahr gesehen hat sich die Branche vom Tief des Vorjahres, das besonders von Einschränkungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie betroffen war, zwar etwas erholt. Von Januar bis einschließlich Oktober lagen die Umsätze der Einzelhändler in Deutschland – ohne Kalender- und Saisonbereinigung – sowohl real (plus 0,7 Prozent) als auch nominal (plus 2,5 Prozent) über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Aber noch steht das Weihnachtsgeschäft aus. 

Für viele Geschäfte in den Innenstädten ist es der zentrale Umsatz- und Ertragsbringer des Jahres. Ab November verbuchen sie Milliardenerlöse. Traditionell machen klassische Geschenke-Branchen wie der Spielwarenhandel mehr als ein Fünftel ihres Jahresumsatzes im November und Dezember, wenn die Deutschen beginnen, Präsente fürs Fest zu besorgen. Shoppingevents wie der Singles Day, der Black Friday und die Cyberweek heizen die Kauflaune zusätzlich an. Sobald die Weihnachtsmärkte öffnen und die Schaufenster in Festtagspracht erstrahlen, steuert der Konsumrausch seinem Höhepunkt zu. So war es zumindest vor Corona.

Im vergangenen Jahr dann jedoch: Lockdown statt Lichterglanz. Ab dem 16. Dezember blieben die Geschäfte zu. Für die Zeit rund um Weihnachten wie auch den Januar kalkulierte die Branche damals mit Umsatzverlusten von durchschnittlich 600 Millionen Euro pro geschlossenem Verkaufstag.

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    Mit Sorge verfolgt die Branche derzeit vor allem die Diskussion, im Kampf gegen die Pandemie den Zugang zu Geschäften – mit Ausnahme von solchen für den täglichen Bedarf wie Supermärkte und Apotheken – nur für Geimpfte und Genese („2G“) zu erlauben. In Sachsen, Brandenburg und Berlin gelten die Regeln bereits, Hamburg will ab Samstag folgen, Hessen dann ab Sonntag. Auch auf Bundesebene dürften entsprechende Regelungen nur eine Frage von Tagen sein. Die Folge: Die Innenstädte dürften sich weiter leeren. Das ist angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen auch Ziel der Maßnahmen, trifft Warenhäuser, Elektronikläden und Modegeschäfte aber ins Mark. 



    „2G bundesweit und flächendeckend im Handel einzuführen, wäre vollkommen unverhältnismäßig und würde noch dazu am Ziel vorbeigehen“, kritisiert Branchenvertreter Genth. Ein vom Verband im Auftrag gegebenes Rechtsgutachten kommt zum Ergebnis, dass 2G-Einschränkungen für den Einzelhandel unter den derzeitigen Voraussetzungen rechtswidrig sind. Gerichte könnten das im Zweifel jedoch anders sehen, wie mehrere Entscheidungen zur Verhältnismäßigkeit von angeordneten Schutzmaßnahmen gezeigt haben. 

    Hohe Kosten und Probleme beim Nachschub 

    Auch ohne verschärfte Zugangsregeln knirscht es im Weihnachtsgeschäft. Laut einer HDE-Trendumfrage unter 350 Unternehmen sind nur 20 Prozent der befragten Firmen mit den Umsätzen im bisherigen Weihnachtsgeschäft zufrieden. 

    Auch beim Black Friday hielt sich die Kauflaune online wie offline in Grenzen – was nicht nur an Corona liegt. Steigende Kosten für Strom, Gas und Benzin zehren an den Geschenkbudgets der Verbraucher, zeigt eine Analyse des Marktforschers GfK. Die Händler selbst haben bereits Preise erhöht. Zu stark sind die Frachtraten zuletzt gestiegen, zu hoch fallen die Aufschläge von Lieferanten aus - wenn sie überhaupt liefern.  Der Warentransport aus Asien stockt, der Mangel an Holz, Halbleitern und Kunststoffen sorgt für Probleme beim Nachschub. 

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    Und ausgerechnet im Weihnachtsgeschäfts haben sich die Lieferprobleme noch zugespitzt, wie das Ifo-Institut jüngst berichtete. 77,8 Prozent der Einzelhändler klagten demnach im November, dass nicht alle bestellten Waren geliefert werden könnten. Im Oktober waren es noch 60 Prozent. „Manche Stelle im Regal wird zu Weihnachten wohl leer bleiben“, hatte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, kommentiert. Die Schwierigkeiten ziehen sich quer durch alle Sortimentsbereiche: Bei Fahrrädern, bestimmten Spielwaren, aber auch bei Technik-Produkten und Elektrogroßgeräten sind die Lieferengpässe besonders spürbar. 

    Mehr zum Thema: Mit dem Black Friday hat die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts begonnen. Eine exklusive Studie der GfK zeigt, wie viel jeder Deutsche für Geschenke ausgeben will und wovor sich Verbraucher derzeit am meisten fürchten.

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