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Angst vor Amazon Bitburger, Coca-Cola und Krombacher schmieden digitale Getränkeplattform

Quelle: dpa

Unter dem Namen „kollex“ wollen die drei Getränkekonzerne Bitburger, Coca-Cola und Krombacher die Bestellstrukturen in der Gastronomie digitalisieren und einen Milliardenmarkt umpflügen, bevor es Amazon tut.

Wenn Gastwirte ihren Getränkenachschub ordern, läuft es oft nicht anders als schon vor 40 Jahren. „Die Restaurantbetreiber wählen im Katalog ihre Getränkelieferungen aus und bestellen dann per Fax oder Telefon“, sagt Udo Kießlich. Der E-Food-Experte und frühere Geschäftsführer von Allyouneed Fresh, dem Lebensmittel-Lieferdienst der Deutschen Post, ist angetreten, um das zu ändern – und nebenbei einen Milliardenmarkt zu digitalisieren.

Als Chef von kollex, einem am Mittwoch gestarteten Gemeinschaftsunternehmen der drei Getränkehersteller Bitburger, Coca-Cola und Krombacher, will Kießlich „eine zentrale Vermittlungsplattform für die Branche“ schaffen, „über die Gastronomen und Großhändler ihre Bestellungen abwickeln“, kündigt er gegenüber der WirtschaftsWoche an.

Seit Frühjahr laufen die Planungen, nun geht es los: Ende 2018 sollen die ersten Pilotprojekte starten. Danach – im ersten Halbjahr 2019 – beginnt der bundesweite Rollout.

Geplant ist eine Plattform, über die Gastronomen ihren bisherigen Bestellprozess beim lokalen Getränkegroßhandel in Zukunft online abwickeln können. Bisher scheiterten entsprechende Ideen schon an der kleinteiligen Struktur des B-to-B-Getränkegeschäfts.

Die Folge: „Die Digitalisierung ist in diesem Marktsegment bislang noch nicht angekommen, obwohl es um eine Branche geht, die Milliardenumsätze erzielt“, sagt Kießling. Die drei Branchenschwergewichte wollen das über kollex ändern, stehen zugleich aber vor dem Problem, nicht in direkte Konkurrenz zu den Getränkegroßhändlern als ihren bisherigen Hauptabnehmern treten zu wollen.

Kollex soll daher als reine Vermittlungsplattform zwischen Restaurants und Händlern funktionieren. „Die Geschäftsbeziehung zwischen Großhändler und Abnehmer tasten wir nicht an, wir steigen auch nicht in das Liefergeschäft ein“, versichert Kießlich. Die Nutzung der Plattform soll zunächst kostenfrei sein, über spätere Zusatzangebote soll sich kollex dann finanzieren.

Ohnehin dürfte es den beteiligten Getränkeherstellern nicht primär darum gehen, schnell Geld mit der Plattform zu verdienen. Vielmehr dürften Bitburger, Coca-Cola und Krombacher darauf abzielen, sich auf grundlegende Marktveränderungen vorzubereiten.

So werden derzeit vor allem Amazon Ambitionen im Großhandel nachgesagt. Der US-Konzern wolle seine vor anderthalb Jahren gestarteten Business-Plattform zur Internetvariante des alten Cash-&-Carry-Geschäftsmodells ausbauen, berichtete unlängst die „Lebensmittelzeitung“. Amazon wolle dabei mit externen Händlern kooperieren und „interessiert sich vor allem für Food-Basisartikel, Marken und auch die ein oder andere Eigenmarke fürs Gastrogeschäft“, zitiert das Fachblatt Brancheninsider.

Bislang bietet Amazon Geschäftskunden vor allem Produkte wie Büromaterial und Reinigungsmittel an. Wird das Angebot nun um gastronomierelevante Artikel erweitert, könnte das den Markt für Lieferanten wie Großhändler umpflügen.

Nicht nur der Getränkebereich wäre davon betroffen. Der Handelskonzern Metro rüstet angesichts der Online-Bedrohung ebenfalls zur Gegenwehr. So versucht Metro-Chef Olaf Koch die Stammkundschaft mit digitalen Tools an Metro binden. Gastwirte können sich etwa kostenlos eine Homepage einrichten lassen. Auch ein eigener Online-Marktplatz für den Großhandel ist geplant.

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