WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Ant Group Jack Ma in der Schusslinie: Pekings Kampf gegen Alibaba geht in die nächste Runde

Quelle: imago images

Bei Alibaba scheint eine große Aufräumaktion im Gange: Die Behörden sagten überraschend den Börsengang der Finanztochter Ant Group ab, der Finanzchef trat zurück – und nun drohen Jack Mas Konzern weitere Einschnitte.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Jack Ma ist in diesen Tagen viel unterwegs. Flugdaten seines Privatjets, die die britische Zeitung Financial Times ausgewertet hat, legen nahe, dass sich der Milliardär und Alibaba-Gründer im Januar und Februar fast wöchentlich nach Peking begeben hat, vermutlich, um dort mit den Behörden Verhandlungen über die Zukunft seines Imperiums zu führen.

Ma scheint es bisher nicht gelungen zu sein, das Eisen aus dem Feuer zu holen. Im Gegenteil zeichnet sich der nächste Rückschlag für Alibaba ab. Wie die Finanzagentur Bloomberg und das Wall Street Journal übereinstimmend berichten, hat es Peking nun auch noch auf das Medien-Imperium von Alibaba abgesehen.

So werden Insider zitiert, die angeben, dass Peking über den großen medialen Einfluss des Internet-Giganten besorgt sei. Man fürchte, dass Alibaba seine umfassenden Medien-Verbindungen nutzen könnte, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Darauf, so scheint es, möchte die Regierung dann doch das Monopol behalten. In China sind sämtliche Medien streng zensiert und unliebsame Beiträge werden routinemäßig von den Behörden aus den sozialen Netzwerken gelöscht.

Die Aufsichtsbehörden seien „schockiert“ über das Ausmaß der Alibaba-Beteiligungen, werden mit dem Vorgang vertraute Personen zitiert. Nun solle ein Plan ausgearbeitet werden, wie Alibaba seine Beteiligungen abstoßen kann. Es sei wahrscheinlich, dass eine Firma in Staatshand Anteile übernehmen wird.

Zu den Medien-Assets von Alibaba zählen unter anderem Internetportale, Zeitungen, Fernsehproduktionsgesellschaften und soziale Medien. So gehört dem Konzern etwa die einflussreiche Hongkonger Zeitung South China Morning Post. Auch eine Beteiligung an Weibo (dem Twitter Chinas) mit hunderten Millionen Nutzern gehört zum Alibaba-Imperium. Auch ist Alibaba an der populären Video-Plattform Youku beteiligt.

Für Jack Ma scheinen die Turbulenzen kein Ende zu nehmen. Der Gründer des chinesischen Online-Giganten hatte Ende Oktober in einer Rede die chinesischen Regulatoren scharf kritisiert. Anfang November stoppten die Behörden dann plötzlich den geplanten Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Group mit Verweis auf neue Regeln. Und Ma verschwand über Wochen aus der Öffentlichkeit.

Auch Monate später gibt es noch immer mehr Fragen als Antworten dazu, wie es mit der Ant Group weitergehen wird. Aufgrund der neuen, verschärften Regulierungen, so vermuten Branchenkenner, dürfte sich der Börsengang von Ant bis mindesten 2022 verschieben. Die Bewertung des Unternehmens könnte um etwa 60 Prozent fallen – ausgehend vom Wert des vergangenen Jahres (280 Milliarden Dollar), schätzt Francis Chan, Analyst bei Bloomberg Intelligence.

Ant und die chinesischen Aufsichtsbehörden haben sich zwar in groben Zügen auf einen Restrukturierungsplan geeinigt, der das in Hangzhou ansässige Unternehmen in eine Finanzholdinggesellschaft umwandeln soll. Damit wird es ähnlichen Kapitalanforderungen wie chinesischen Banken unterliegen. Doch innerhalb der Ant Group ist noch immer vielen unklar, wie das Geschäftsmodell in Zukunft aussehen soll. „Ich komme mir immer mehr vor, als würde ich in einem Staatskonzern arbeiten“, sagt ein Mitarbeiter.

Das interessiert WiWo-Leser heute besonders


 Was heute wichtig ist, lesen Sie hier


Wie groß die Unruhe bei Ant in diesen Tagen ist, wurde wieder am vergangenen Freitag deutlich, als die Belegschaft von einer neuen Hiobs-Botschaft kalt erwischt wurde. Nach nur etwas mehr als zwei Jahren im Amt kündigte Ant CEO Simon Hu an, „aus persönlichen Gründen“ zurückzutreten. Über die tatsächlichen Hintergründe schweigen sich Ant und Alibaba – wie so oft in den vergangenen Monaten – mal wieder aus.

Mehr zum Thema: Die USA und Europa zittern sich noch durch die Krise – China geht schon wieder voran. Den Westen abzuhängen ist das neue Ziel.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%