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Anton Schlecker Showdown in Saal 18

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Die Staatsanwaltschaft

Auftritt „EG Watte“. Unter diesem Namen ermittelte eine Einsatzgruppe des Landeskriminalamts Baden-Württemberg im Auftrag der Staatsanwaltschaft gegen den Schlecker-Clan. Flauschig ging es dabei nicht zu.

Nach monatelangen Voruntersuchungen der Staatsanwaltschaft rückte das LKA im Sommer 2012 aus. Die Fahnder durchsuchten die Geschäftsräume der Firmengruppe und die Wohnungen der Beschuldigten. Sie holten Bankauskünfte über die Geschäfts- und Privatkonten der Schleckers ein, durchleuchteten das Leben der Familie.

Die Ergebnisse der Ermittlungen finden sich unter anderem in 204 Leitz-Ordnern mit Ermittlungsakten wieder - und in der 262-Seiten-starken Anklageschrift.

Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass lange vor dem Insolvenzantrag Anfang 2012 klar war, dass das Unternehmen nicht mehr zu retten ist. Spätestens Ende 2009 drohte ihrer Ansicht nach permanent die baldige Zahlungsunfähigkeit. In diesem Zeitraum soll Schlecker mit Hilfe überzogener Rechnungen und Schenkungen Gelder an seine Angehörigen verschoben haben. Insgesamt geht es nach WirtschaftsWoche-Recherchen um mehr als 26 Millionen Euro.

Bis zum großen Showdown, bei dem diese Vorwürfe vor Gericht standhalten müssen, haben sich die Ankläger Zeit gelassen. Mehr als vier Jahre lagen zwischen dem Insolvenzantrag und der Anklageerhebung. Bis zur Verfahrenseröffnung vergingen weitere elf Monate. Die Dauer überrascht. Vorwürfe, die nun verhandelt werden, hatte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz bereits 2013 aufgezeigt - etwa umstrittene Zahlungen an LDG, das Logistik-Unternehmen von Meike und Lars Schlecker.

Die Staatsanwaltschaft ist allerdings gut beraten, sich akribisch vorzubereiten. Der letzte große Wirtschaftsprozess am Landgericht Stuttgart endete vor knapp einem Jahr mit einer bitteren Blamage. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und der frühere Finanz-vorstand Holger Härter wurden nach einem bundesweit beachteten Prozess vom Vorwurf der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem VW-Übernahmepoker freigesprochen. „An den Vorwürfen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts - weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte“, erklärte der Richter im März 2016. Mehr Ohrfeige geht kaum.

Die Schlecker-Insolvenz in Zahlen

Die Verteidigung

Die Anwälte der Familie hielten sich vor Beginn der Hauptverhandlung bedeckt und schwiegen zu den Vorwürfen gegen ihre Mandanten. Nur so viel: „Die mit der Anklage aufgeworfenen Fragen betreffen einen umfangreichen, komplexen und rechtlich schwer einzuordnenden Sachverhalt aus der Historie der Firma Schlecker“, sagte Anton Schleckers Anwalt Norbert Scharf der WirtschaftsWoche. „Voreilige Festlegungen verbieten sich daher.“

Scharf ist Partner der Kanzlei Grub Brugger, die Schleckers Familie schon kurz nach dem Insolvenzantrag beraten und den zivilrechtlichen Vergleich mit Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ausgehandelt hat. Nun soll er gemeinsam mit dem Frankfurter Grub-Brugger-Partner und Insolvenzexperten Sebastian Gall, der Meike Schlecker vertritt, den strafrechtlichen Vorwürfen entgegentreten.

Zuletzt stand Scharf an der Seite des früheren Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone. Das Verfahren wurde gegen eine hohe Geldauflage eingestellt. Beim Prozess um den Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim verteidigte Scharf Christopher Oppenheim - gemeinsam mit dem Staranwalt Klaus Volk. Der Münchner Rechtsgelehrte, der gerade sein Buch „Wahrheit vor Gericht“ veröffentlicht hat, ist auch diesmal mit von der Partie. Er verteidigt Christa Schlecker. Der Strafrechtler Axel G. Sauer, der Lars Schlecker vertritt, ist Partner der Stuttgarter Kanzlei Quedenfeld-Rechtsanwälte, die auf Wirtschaftsstrafrecht spezialisiert ist.

Die beiden Wirtschaftsprüfer, die sich vor Gericht verantworten müssen, haben sich mit dem Verteidiger Alfred Dierlamm prominenten Beistand gesichert. Dierlamm gilt als einer der profundesten Strafrechtsexperten des Landes. Er wurde unter anderem durch die Verteidigung des früheren Bundesinnenministers Manfred Kanther in der CDU-Spendenaffäre bekannt.

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