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Arcandor Middelhoff soll Millionenboni grundlos kassiert haben

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Ohne Boni hätte Middelhoff weniger verdient

Ein halbes Jahr vor der Arcandor-Pleite erhielt Middelhoff einen so genannten

Tatsächlich durfte sich Middelhoff schon vorher über einen Bonus in Höhe von 765.000 Euro freuen. Zwar hatte er die vereinbarten Ziele nicht voll erreicht, doch die „besonderen Leistungen und Beanspruchungen im Jahre 2006“ mussten einfach honoriert werden, schrieb zumindest der damalige Aufsichtsratschef Hero Brahms. Laut Müller sei den Beteiligten klar geworden, dass die ökonomischen Voraussetzungen für die Bonusvereinbarungen verfehlt würden. Statt auf die Zahlung schlicht zu verzichten, sei überlegt worden, wie man die Zahlung trotzdem begründen konnte. Der damalige Aufsichtsrat Leo Herl, Ehemann der Großaktionärin Madeleine Schickedanz, soll nach Müllers Darstellung gar eine „standesgemäße Zahlung“ von Middelhoff angemahnt haben. Das Problem: Ohne Bonuszahlungen hätte Middelhoff als Vorstandsvorsitzender weniger verdient als einer seiner Vorstände. An eine Diskussion über die Bonuszahlungen an Middelhoff aber auch an andere Manager, könne er sich nicht erinnern, gab Müller zu Protokoll.

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Äußerst präsent ist dem Juristen hingegen noch eine Sitzung vom Dezember 2008. Kein Wunder, sie dauerte auch nur zehn Minuten – und wieder ging es um Bonuszahlungen. Diesmal, nur ein halbes Jahr vor der Insolvenz, gab es eine Sanierungsprämie, einen so genannten „Turn-around-Bonus“, in Höhe von rund 2,3 Millionen Euro für Middelhoff. Bedenken ob der üppigen Dotierungen hatten die beteiligten Aufsichtsräte wohl nicht. An Diskussionen kann sich der Zeuge Müller nicht erinnern, im Prinzip seien die Beschlüsse nur vorgelesen worden. Müller: „Da ist nichts mehr besprochen worden."

Middelhoffs Rechtsanwalt Winfried Holtermüller, aber auch Vertreter anderer Beklagter, äußerten Zweifel an der Glaubwürdigkeit Müllers und am Wahrheitsgehalt seiner Aussagen. Müller sei bis heute für Arcandor tätig und arbeite damit für den klagenden Insolvenzverwalter. Zudem habe Müller nicht überzeugend darstellen können, warum er als Jurist bei den Sitzungen nicht selbst auf mögliche Rechtsprobleme bei der Gewährung von Bonuszahlungen  aufmerksam gemacht habe oder weitergehende Begründungen für Zahlungen angemahnt habe. 

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