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Architekt und Stadtforscher Wolfgang Christ Marktplatz der Emotionen

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Deutsche Projekte

Die Architekturbranche bittet zur Werkschau
Büro- und Wohnhaus in StarnbergBauherr: Markus Heckl, Starnberg Architektur: Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH Das futuristische Gebäude hat 447 Quadratmeter Nutzfläche und kann von Interessierten am Samstag, den 29. Juni 2013, um 14 und 16 Uhr besichtigt werden. Der Treffpunkt ist die Leopoldstraße 2b in 82319 Starnberg. Quelle: Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbHFotografie: Johannes Hiller
Wohnungsbau Menterschwaige, München-HarlachingBauherrin: KLAUS Wohnbau GmbH, Augsburg | München Architektur: Blaumoser Architekten | Stadtplaner, Albert Blaumoser, Starnberg, Das organisch geformte Terrassenhaus mit zwölf einzelnen Wohnungen hat eine Gesamtfläche von 1.845 Quadratmetern. Besichtigt werden kann das Mehrparteienhaus am Samstag, den 29. Juni um 17 Uhr in der Harthauser Straße 87, 81545 München. Quelle: Blaumoser Architekten |Stadtplaner Fotograf: Burkhard Franke
Wohnhaus in der Goldbergstraße, München-SollnBauherrin: Private Häuser Wohnbau GmbH, München Architektur: SPP Sturm, Peter + Peter Architekten + Ingenieure, Christine Peter, Christian Peter, München Das Gebäude in der Goldbergstraße 7 in 81479 München beherbergt insgesamt acht Wohnungen mit Garten, Balkon oder Atrium und Dachgarten, die am Samstag, den 29. Juni um 14 Uhr besichtigt werden können. Quelle: SPP Sturm, Peter + PeterFotografie: Simone Rosenberg
Energetische Sanierung einer Grundschule mit Turnhalle, München-Sendling-WestparkBauherrin: Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport, Baureferat Hochbau (Projektleitung), München Architektur: Volker Thun, Bettina Armbruster, München Bei dieser Grundschule in München wurden Kastenfenster rekonstruiert, Zugänge und Farbkonzept neu interpretiert und Bauteile modernisiert. Das Ergebnis können sich Besucher am Samstag, den 29. Juni von 14 bis 15.30 Uhr sowie von 16 bis 17.30 Uhr, ansehen. Treffpunkt ist jeweils der Haupteingang der Schule (rote Tür) in der Werdenfelsstraße 58, in 81377 München. Quelle: Volker Thun, Bettina Armbruster, MünchenFotografie: Eliser Wiedemann
Betriebsgebäude für einen LKW-Handel, OberschleißheimBauherr: Ludwig Füchsl GmbH, Oberschleißheim Architekt: PALAIS MAI Architekten GbR, München Dieses schwarze Betriebsgebäude für einen Gebraucht-LKW-Händler steht inmitten einer mehrere Hektar großen Kiesfläche. Interessierte können das Kunstwerk am Samstag, den 29. Juni, von 13 bis 15 Uhr in der Hicklstraße 7 in 85764 Oberschleißheim besichtigen. Quelle: Palais MAI Architekten GbRFotograf: Edward Beierle
Einfamilienhaus Aletshausen - OT WinzerBauherren: König/Bär, Winzer Architektur: Jakob Architekten, Ulrike Jakob, Armin Jakob, Krumbach, Landschaftsarchitektur König, Melanie König Das Thema dieses Wohngebäudes in der Hauptstraße 56, 86480 Aletshausen, ist das Wohnen in und mit der Natur. Besichtigungstermine sind am Samstag, 29. Juni, und Sonntag, 30. Juni, jeweils um 11 Uhr. Quelle: JAKOB architekten GbRFotografie: Georg Drexel
Kinderkrippe WörthseeBauherrin: Gemeinde Wörthsee Architektur: Füllemann Architekten GmbH Die Kinderkrippe in der Schluifelder Straße 12 in 82237 Wörthsee ist ein Passivhaus-Holzbau, der sich nach Süden zur Landschaft hin öffnet. Besichtigt werden kann das Gebäude am Sonntag, den 30. Juni von 10 bis 12 Uhr. Quelle: Füllemann Architekten GmbHFotografie: Achim Füllemann

Warum sperren sich die Projektentwickler in Deutschland gegen eine stärkere Öffnung der Center hin zum öffentlichen Raum?

Weil die Grundstücke oft zum spekulativ höchsten Preis erworben werden, die Verkaufsfläche entsprechend maximiert werden muss und sie angesichts der relativ niedrigen Renditen im Einzelhandel die Wirtschaftlichkeit dieser offenen Strukturen in Zweifel ziehen. Und weil mit den deutschen Städten keine so enge strategische Partnerschaft zustande kommt, wie das in Großbritannien und in den USA der Fall ist.

Was machen die britischen Städte anders?

Sie verstehen den Handel als das stärkste Vehikel, um die Innenstädte zu entwickeln. Da werden frühzeitig Leitbilder entwickelt, die sich dann auch im Projekt des Developers wiederfinden. Städte wie Liverpool oder Bath wussten von Anfang an: Wir wollen ein gegliedertes Quartier, das Wohnen, Arbeiten und Einkaufen verbindet und attraktiv ist für die night economy, so dass die City auch nachts lebt. Außerdem müssen die Städte das Grundstück, das ihnen oft ganz oder zum Teil gehört, nicht zum Höchstpreis an den Projekt-Entwickler verkaufen. Im Gegenteil, es kann in Erbpacht gegeben werden, wobei die Pachtsumme vom Umsatz der Einzelhändler abhängt. Wenn die kein Geld verdienen, geht auch die Stadt leer aus. Das motiviert die öffentliche Seite zusätzlich und entlastet den Center-Entwickler. In einem Fall in den USA baute der Developer eine neue Downtown auf einem brachgefallenen Centerareal, das die Kommune für 1 Dollar abgegeben hat.

Das SouthGate Shoppingcenter in Bath, Somerset, England. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Urban Index Institut

Und wenn es Immobilienbesitzer gibt, die nicht verkaufen wollen?

Dann können sie enteignet werden, vorausgesetzt, das Projekt ist im öffentlichen Interesse! Das heißt: Die Stadt tritt dem Projektentwickler als starker, durchsetzungsfähiger Partner gegenüber, der den gesamten Planungsprozess im Griff hat, die Bürger permanent mitreden und – das ist entscheidend – mit entscheiden lässt. Und wenn dann auch noch genügend Verkaufsfläche dazu kommt, in Bath etwa rund fünfzigtausend Quadratmeter, und ein effizientes Planungs- und Baurecht greift, dann vergehen vom Auftrag bis zur Fertigstellung nur fünf, sechs Jahre. Zum Vergleich: In Deutschland dauert so etwas gut zehn Jahre.

Haben die deutschen Städte ihre Hausaufgaben nicht gemacht?

Sie haben oft weder ein Leitbild für die Gesamtstadt, noch einen konkreten Masterplan für die Innenstadt. Sobald ein Projektentwickler Interesse an einem Grundstück anmeldet, führt das zu einer merkwürdigen Zweikampfsituation, bei der die Städte sich tendenziell in der schwächeren Position fühlen, weil sie erst dann beginnen, ihre eigene Position zu klären. Viel gescheiter wäre es, selber bei Zeiten Perspektiven zu entwickeln, die zeigen, warum es sich lohnt, in der Innenstadt zu investieren, welche begleitenden Maßnahmen und Projekte von Seiten der Stadt, aber auch von Privaten zu erwarten sind. Das gäbe dem Investor, der garantiert mit oft 100 und mehr Millionen Euro die größte Summe von allen aufbringen muss, die notwendige Sicherheit, dass sich sein Investment in einem kontrollierten städtebaulichen Umfeld entwickelt und sich Qualität auch in der Rendite widerspiegeln wird.

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