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Architekt und Stadtforscher Wolfgang Christ Marktplatz der Emotionen

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Die Unverwechselbarkeit einer Stadt

The Americana at Brand, Glendale, Kalifornien. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Urban Index Institut

Ihr Urban INDEX Institut hat im Auftrag des Projektentwicklers ECE für die ostwestfälische Stadt Minden einen Rahmenplan entwickelt, der Innenstadt und Centerentwicklung zusammenführt. Warum braucht Minden so einen Center?

Weil die Stadtverordneten das nahezu einstimmig angesichts des aktuell leerstehenden Karstadt-Warenhauses und weiterer dringend modernisierungsbedürftiger Handelsimmobilien drum herum so beschlossen haben. Es gibt in Minden zahlreiche leerstehende Wohnungen in der Altstadt, der Einzelhandel verliert Verkaufsflächen und Umsatz. Es gibt immer weniger Läden des mittleren und gehobenen Bedarfs und ganze Warengruppen sind nicht adäquat vertreten. Die benachbarte Händlerschaft wartet darauf, dass es endlich losgeht, denn ein Center würde ihnen die Gewähr bieten, dass die Laufkundschaft zurückkehrt. Im Moment sieht es so aus, als würde das Vorhaben scheitern, weil die Immobilien, die der Entwickler erwerben muss, um das Projekt zu entwickeln, wohl zu teuer sind.

Wo kaufen die Mindener stattdessen ein?

Viele wohl in anderen Städten und natürlich auf der grünen Wiese. Die Stadt ist von Fachmarkt-Centern umgeben. Hinzu kommt der wachsende Anteil des Online-Handels, der auch Minden verändern wird. Denn alles, was digitalisiert werden kann, wird in Zukunft digitalisiert werden, auch im Handel. Das heißt für unsere Städte und für den Einzelhandel, dass sie nur dann eine Chance haben, wenn sie Qualitäten anbieten, die nicht digitalisierbar, also exklusiv sind: Atmosphäre, Authentizität, Aura.

The Grove in Los Angeles, Kalifornien. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Urban Index Institut

Was ist authentische Handelsarchitektur im Zeitalter der Digitalisierung?

Das ist die große Herausforderung, vor der wir stehen! Genau darum geht es ja: Was ist nach dem Warenhaus und dem Shopping Center die erfolgversprechende Baukultur des Konsums der Zukunft? Was wird von beiden Typologien bleiben? Städte leben von der Unverwechselbarkeit ihrer Lage, ihrer Geschichte und Geschichten. Alles spiegelt sich in Architektur und Städtebau. In Minden haben wir versucht, diesen Stadtwert als eine einzigartige analoge Qualität mit Hilfe des Rahmenplans herauszuarbeiten.

Was sieht dieser Rahmenplan vor?

Das Außergewöhnliche ist sicherlich, dass wir uns vor allem darum bemühen, das Center als Quartiersbaustein und Impulsgeber für die ‚Renaissance der Mitte’ in Minden zu positionieren. Wir führen die vorhandene und die zukünftig benötigte Stadtqualität der gesamten Innenstadt vor Augen. Eine Wohnungsbauoffensive auf den innerstädtischen Brachflächen gehört dazu. Straßen und Wege sollen wieder zum Bummeln einladen. In Bristol hat man gezeigt, wie das geht: Das neue Fuß- und Radwegenetz schafft eine perfekte Anbindung aller Stadtteile an die Innenstadt. Ein Shopping Center sollte einen Wandel zum Besseren im weitesten Sinne auslösen.

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