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Arko, Eilles, Hussel Schokoimperium Arko stellt Insolvenzantrag

Das Logo der Firma Arko leuchtet in Hamburg am Eingang einer Filiale. Quelle: dpa

Die nächste Handelsgruppe kippt in die Insolvenz: Die traditionsreichen Süßwarenhändler Arko, Eilles und Hussel leiden unter einbrechenden Erlösen. Schon vor der Coronakrise liefen die Geschäfte nicht rund.

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Sie heißen „Glücks-Momente“, „Sternenhimmel“ oder „feine Kaffeestunde“ – die Gebäck- und Pralinenspezialitäten, mit deren Verkauf die Confiserie-Gruppe Arko normalerweise gute Geschäfte macht. Doch die Pandemie und vor allem der zweite Lockdown mitten in der umsatzstarken Weihnachtzeit haben zu einem Einbruch der Erlöse der Unternehmensgruppe geführt. Ebenso wie beim Tee- und Kaffeespezialisten Eilles sowie dem Süßwaren-Händler Hussel, die ebenfalls zum Schokoimperium gehören. Jetzt haben die zur Deutschen Confiserie Holding (DCH) gehörenden Fachhändler beim Amtsgericht Norderstedt in Schleswig-Holstein Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt.

Der Geschäftsbetrieb solle zunächst in vollem Umfang weitergeführt werden, teilte der Geschäftsführer der DCH-Gruppe, Patrick G. Weber, mit. Als gerichtlich bestellte vorläufige Sachwalter wachen die Insolvenzexperten Dietmar Penzlin und Tjark Thies die Rettungsmission.

DCH betreibt nach eigenen Angaben bundesweit rund 300 eigene Filialen, weitere Filialen und Franchisebetriebe in Österreich und Tschechien sowie rund 4000 Verkaufsstellen im Lebensmitteleinzelhandel und in Bäckereien. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 1600 Mitarbeiter und erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von 140 Millionen Euro.

Die Geschichte der Kerngesellschaft Arko begann 1948, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals gründete der Kaffeehändler Bernhard Rothfos die „Arbeitsgemeinschaft für den Vertrieb von Konsumgütern“ – kurz: Arko. Schnell ging es mit der jungen Firma aufwärts. Nach den Jahren der Entbehrung stieg die Nachfrage nach Genussartikeln in der Nachkriegszeit sprunghaft an – und Arko bediente sie. In Wahlstedt, einem kleinen schleswig-holsteinischem Ort in der Nähe von Bad Segeberg, produzierte das Unternehmen Spezialitäten, Gebäcke, Schokoladen und Pralinés. Bis heute befindet sich hier die Unternehmenszentrale. Daran änderte auch die Übernahme des Unternehmens durch Paul Morzynski, ein Hannoveraner Hotelier (Ostseehotel Heiligendamm) und Wirtschaftsprüfer, nichts. 

Morzynski hatte einst die ostdeutsche Schokoladenfabrik Halloren erst von der Treuhand übernommen und dann an die Börse gebracht. Mit Arko hatte er ähnliches vor. Ursprünglich hatte Morzynski die Marke Arko zwar nur gekauft, um Halloren einen neuen Vertriebskanal zu verschaffen. Das war 2014. Doch dabei blieb es nicht. 

Ein Börsengang als Ziel

Erst kamen 35 Filialen der süddeutschen Kette Eilles dazu, die der Hannoveraner dem Hamburger Kaffee-Unternehmer Albert Darboven abkaufte. Der liefert seitdem im Gegenzug exklusiv Kaffeebohnen und Tee. Später verkündete Morzynski dann einen noch größeren Deal: Arko übernahm im Oktober 2018 die Mehrheit an der mit rund 200 Läden etwa gleich großen Kette Hussel. „In zwei bis drei Jahren könnte ich mir, ähnlich wie bei Halloren, einen kleinen Börsengang vorstellen“, sagte Morzynski im November 2018 dem „Handelsblatt“. Doch daraus wird nun nichts mehr. 

Schon vor der Coronakrise liefen die Geschäfte nicht rund. Von einer „verlustbedingt entstandenen bilanziellen Unterdeckung“ ist im Geschäftsbericht 2018 die Rede. „Das negative Betriebsergebnis vor Abschreibungen, Zinsen, Steuern und Verlustübernahme (Ebitda) hat sich in 2018 mit EUR -5,5 Mio. gegenüber dem Vorjahr mit EUR -2,8 Mio. deutlich verschlechtert“, heißt es darin. Zur „Bewältigung der angespannten Situation“ habe die Geschäftsführung schon damals „ein umfassendes Maßnahmenprogramm bestehend aus finanzwirtschaftlichen Maßnahmen in Form eines Restrukturierungskonzeptes aufgestellt“. Das Restrukturierungsprogramm sei in 2019 mit „umfangreichen Finanzierungszuschüssen seitens der Gesellschafter und Darlehensgewährungen privater Kreditgeber gestützt“ worden. Für das Folgejahr 2020 werde „von der bedarfsgerechten Bereitstellung weiterer externer Finanzierungsmittel ausgegangen“. 2020 sollte Arko zudem wieder Gewinne schreiben – doch das waren die Pläne vor der Pandemie. 

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Schon der erste Lockdown zur Osterzeit traf das Unternehmen schwer und führte zu massiven Umsatzeinbrüchen. Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt, mit Vermietern verhandelt und die Kosten reduziert sowie der Lieferservice ausgebaut. Doch auch als die Geschäfte wieder öffnen durften, litt das Unternehmen weiter unter Umsatzeinbußen, insbesondere in den Einkaufszentren und Innenstädten durch die allgemein geringere Kundenfrequenz. Der zweite Lockdown gab Arko schließlich den Rest. Die Löhne und Gehälter sind nun über das Insolvenzgeld für drei Monate gesichert.

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