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Askese als Dauerzustand Bei Karstadt wird seit Jahren Verzicht gepredigt

Seit Jahren üben sich die Karstadt-Mitarbeiter schon in Verzicht. Der Niedergang des Warenhauskonzerns konnte trotzdem nicht gestoppt werden. Jetzt fordert Neueigentümer Rene Benko wieder einschneidende Einsparungen.

Im November 2004 arbeiteten in den Karstadt-Warenhäusern noch rund 50.000 Mitarbeiter in 180 Filialen. Mittlerweile sind es nur noch rund 83 Häuser mit 17.000 Mitarbeitern. Quelle: dpa

Es ist eine wegweisende Woche für den traditionsreichen Warenhauskonzern Karstadt. Heute findet in Göttingen die zweite Runde der Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi statt. Am Donnerstag tagt der Aufsichtsrat, um voraussichtlich den derzeitigen Vorsitzenden des Kontrollgremiums, Stephan Fanderl, zum neuen Geschäftsführer zu bestellen. Auf den ehemaligen Rewe-Manager wartet eine klar formulierte Aufgabe: die harte Sanierung des maroden Konzerns.

Was das bedeuten kann, zeigt ein aktuelles internes Schreiben des Interims- und Finanzchefs Miguel Müllenbach an die Karstadt-Mitarbeiter. Darin heißt es unter anderem: „Das hinter uns liegende Geschäftsjahr gehört mit zu den schwierigsten in der Geschichte von Karstadt und hat unsere tägliche Arbeit zum Beispiel durch den mehrfachen Wechsel in der Geschäftsführung, das nach wie vor defizitäre Ergebnis und die damit verbundene unausweichliche Notwendigkeit einer harten Sanierung sehr stark belastet“.

Karstadts Krisen-Chronik

Besonders überraschen dürfte Müllenbachs Feststellung, dass das Unternehmen erst am Anfang der Sanierung stehe, die einschneidende Veränderungen nach sich ziehen werde, nicht zuletzt auch durch entschiedene Einsparungen von Personal- und Sachkosten. Im Klartext: Bei Karstadt könnten wiederum 2000 der noch existierenden 17.000 Arbeitsplätze wegsaniert werden. Das ist die Größenordnung, über die seit längerer Zeit spekuliert wird, ebenso wie über die 23 Filialen, die eine letzte Bewährungsfrist erhalten sollen, ehe auch ihnen die Schließung droht.

Daueraskese im Konzern

Dabei saniert der Konzern schon seit fast einer Dekade. „Ich glaube schon, dass die Menschen verstanden haben, dass es jetzt darum geht, ihren Arbeitsplatz zu sichern. Und dafür müssen sie einen Beitrag leisten.“ Natürlich verlange man den Beschäftigten da einiges ab, wenn sie auf Gehaltserhöhungen und Urlaubsgeld verzichten sollen. Und eigentlich müsste man auch die Arbeitszeit verlängern, um das Unternehmen endlich wieder rentabel zu machen.“ Diese Sätze stammen von Helmut Merkel und sind ziemlich genau zehn Jahre alt. Im November 2004 kommentierte der damalige Karstadt-Chef so den Sanierungstarifvertrag, den er seinerzeit der Gewerkschaft Verdi abgerungenen hatte. Damals gehörten die Warenhäuser noch zum KarstadtQuelle-Konzern,  hatten rund 50 000 Mitarbeiter in 180 Filialen. Mittlerweile, nach unzähligen Chefwechseln, einer Insolvenz, und zwei Eigentümerwechseln, sind es nur noch rund 83 Häuser mit 17 000 Mitarbeitern.

In Arbeit
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Und die üben sich seitdem in Daueraskese. Zwischen 2005 und 2007 verzichteten sie teilweise auf Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch wurden Personalrabatte und Kantinenzuschüsse gekürzt. In der nächsten Welle zwischen 2008 und 2012 wurde ihnen zunächst ein Verzicht auf 75 Prozent des Weihnachtsgelds und ab 2009 auf 100 Prozent des Urlaubsgelds und der Vorsorgeleistung abgerungen. Seit Mai 2013 hat Karstadt seinen Mitarbeitern eine Tarifpause verordnet. Das damalige Management verkündete einseitig, künftig keine Tariferhöhungen der Branche mehr zu übernehmen.

Nun sieht alles so aus, als ob die Karstadt-Mitarbeiter einmal mehr verzichten müssen. Seit die Signa Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko den Konzern im August komplett übernommen hat, stehen die Zeichen erneut auf Sparen.

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