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Auktionen trotz Kontaktverbot „Momentan sind die Tresore noch voll“

Die drei Auktionshäuser des Familienbetriebs Eppli aus Stuttgart sind wegen der Pandemie geschlossen. Doch Versteigerungen finden dennoch statt. Quelle: Eppli PR

Trotz Kontaktverbot kommen im Auktionshaus Eppli Schmuck, Gemälde und andere Sachwerte unter den Hammer. Ferdinand B. Eppli erklärt im Interview, wie das möglich ist und warum Raritäten derzeit oft Rekordpreise erzielen.

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Deutschland sitzt zu Hause. Die Straßen sind leer, das Kontaktverbot der Bundesregierung hat die Wirtschaft weitestgehend lahmgelegt. Auch das Stuttgarter Auktionshaus Eppli muss massive Einschränkungen hinnehmen. Die drei großen Auktionshäuser sind genauso geschlossen wie ein Großteil der Einzelhandelsgeschäfte. Das Expertenzentrum, in dem Fachleute die angelieferten Wertgegenstände prüfen, ist im Notbetrieb. Lediglich die Schließfachvermietung und das Pfandgeschäft laufen regulär. Die letzte Auktion vor Publikum war am 14. März. Seitdem sind die Pforten des Auktionshauses geschlossen. Dennoch steht dieses Wochenende die nächste Versteigerung bei dem Familienbetrieb an. Geschäftsführer Ferdinand B. Eppli spricht im Interview darüber, wie digitale Konzepte den Auktionsbetrieb am Leben halten, warum sich der Preis einer Handtasche innerhalb kurzer Zeit vervielfachen kann und wie sich die Coronakrise auf das Geschäft mit Sachwerten auswirken könnte.

WirtschaftsWoche: Herr Eppli, wann haben Sie gemerkt, dass das Coronavirus Ihr Geschäft betreffen könnte?
Ferdinand B. Eppli: Wir waren schon sehr früh direkt betroffen, weil wir für dieses Jahr zwei Messen in Hongkong und China geplant hatten. Im Januar wurden sie abgesagt, da hat uns Corona zum ersten Mal beschäftigt und auch Geld gekostet. Als das Virus Anfang März dann nach Deutschland kam, hatten wir noch zwei rekordverdächtige Auktionen. Aber wir haben gemerkt, dass unser Einzelhandel einbricht.

Inzwischen dürfen durch die Einschränkung des öffentlichen Lebens keine Kunden mehr in ihre Auktionshäuser kommen. Wie geht es jetzt weiter?
Wir übertragen unsere Auktionen per Livestream ins Internet. Das machen wir schon seit Jahren bei jeder Auktion, weil sich die Branche wandelt: Wer früher eine besondere Rolex wollte, musste die erstmal finden und hat dazu die Kataloge der örtlichen Auktionshäuser beobachtet. Heute können wir über den Livestream Bieter auf der ganzen Welt erreichen und sie haben eine breitere Auswahl.

Wie genau läuft so eine digitale Auktion ab?
Im Prinzip wie eine gewöhnliche Saalauktion. Es gibt ein Publikum, Exponate und einen Auktionator mit Hammer – wie man sich das eben vorstellt. Der einzige Unterschied ist, dass auf den Auktionator eine Kamera gerichtet ist. Wir übertragen das Video auf unserer eigenen Website aber auch über mehrere Partnerportale, um Kunden aus der ganzen Welt zu bündeln. Für jedes Portal sitzt ein Mitarbeiter im Saal, der die Gebote aus dem Stream an den Auktionator weitergibt und umgekehrt Informationen aus dem Saal an die Leute vor den PCs. So können sie in Echtzeit mitbieten, als würden sie an der Auktion teilnehmen.

Ein großer Teil ihrer Geschäfte steht gerade still. Am Samstag steht jedoch die erste rein digitale Auktion an. Reicht dieses Format, um ihr Unternehmen durch die Krise zu bringen?
Der Einzelhandel macht fast die Hälfte unseres Geschäfts aus, die Ausfälle sind natürlich ein harter Schlag. Als Familienbetrieb sind wir zwar grundsätzlich gut aufgestellt und haben solide gewirtschaftet, aber ohne Kurzarbeit könnten wir uns nicht über Wasser halten. Wir sind momentan dabei, die Kosten so weit wie möglich herunterzufahren. Wenn dann die Auktionen digital so laufen wie zuvor, könnte das ausreichen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie die Leute damit umgehen.

Befürchten Sie Lieferengpässe, wenn die Pandemie länger andauern sollte?
Für die normalen Auktionen kommt unsere Ware zu 80 Prozent von Privatleuten. Die liefern die Sachwerte ein, wir verkaufen sie und bekommen dafür eine Provision. Momentan sind die Tresore noch voll und bis Juni haben wir noch Aufträge. Aber dann muss natürlich was nachkommen – wir haben zwar noch geöffnet, aber in dieser Richtung kommt nicht mehr viel rein. Bei der Auslieferung gibt es – abgesehen vom asiatischen Raum – bis jetzt keine größeren Einschränkungen. Was wir nicht versenden können, lagern wir im Tresor und schicken es, sobald das wieder einfacher ist. Unsere Kunden sind da aber auch sehr einsichtig.

Haben sich die Gebote für Ihre Exponate denn seit der Coronakrise verändert?
Bisher nicht. Trotzdem haben wir bei den ersten beiden Auktionen im März rekordverdächtige Ergebnisse für einige Luxusgegenstände erzielt. Besonders deutlich wird das an der Herrenuhr „Nautilus“ der Marke Patek Philippe. Wir haben die Uhr im Auftrag der Staatsanwaltschaft versteigert, deshalb war das Startgebot mit 28.500 Euro sehr günstig angesetzt. Letztendlich haben wir 92.000 Euro bekommen – ein Spitzenpreis und zudem 14.000 Euro mehr, als wir vor zwei Jahren für die gleiche Uhr erhalten haben. Auch Handtaschen von Hermès können ihren Wert rapide steigern.

Warum steigt der Preis dieser Sachwerte so stark?
Vor der Krise war sehr viel Geld in Umlauf. Viele Leute wollten ihr Geld investieren, aber Aktien und Immobilien waren zu teuer. Einige haben deshalb Sachwerte als alternative Anlage entdeckt. Bei uns werden besonders Uhren und Schmuck als Wertanlage gekauft. Das Handtaschen so sündhaft teuer gehandelt werden, hat vielleicht auch damit zu tun, dass es viel mehr emanzipierte Frauen gibt als vor ein paar Jahren. Die verdienen gut und wollen die Tasche dann als Statussymbol, ähnlich der Uhr beim Mann.

Welche Luxusgegenstände liegen als Anlage gerade im Trend?
Besonders Dinge, die in limitierten Editionen und in geringer Auflage erscheinen. Die Marke Sekrè ist ein ideales Beispiel. Denn in jeder Handtasche ist ein Fragment der Original-Handschrift einer weltberühmten Persönlichkeit eingearbeitet. Wir haben diesen Monat eine Tasche versteigert, in der die Unterschrift von Charles Lindbergh eingenäht ist. Sie hatte einen Neupreis von 3150 Euro und hat in der Auktion dann 11.000 Euro gebracht. Das verblüfft sogar uns ein bisschen.

Wird der Trend zu Höchstpreisen für exklusive Sachwerte auch nach der Coronakrise anhalten?
Ich gehe davon aus, dass Spitzenobjekte auch nach der Krise Spitzenpreise erzielen werden. Es gibt immer Menschen, die sich solche Dinge leisten können. Jetzt wird ja noch mehr Geld in die Märkte gepumpt – somit ist mehr billiges Geld im Umlauf, das angelegt werden muss. Ich glaube, da werden Sachwerte weiterhin attraktiv bleiben. Mit Blick auf die Lage der Wirtschaft werden sie vielleicht sogar noch wertvoller.

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