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Automatentankstellen „Aldi sorgt für Kollateralschäden“

Aldi Süd testet Automatentankstellen für Billigsprit

Für manche Autofahrer dürfte Sprit durch die Aldi-Tankstellen billiger werden – aber was bedeutet die Offensive für die Tank-Branche? Thomas Drott vom Tankstellen-Bundesverband befürchtet dramatische Folgen.

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Herr Drott, welche Folgen hat der Schritt von Aldi, auf seinen Parkplätzen Automatentankstellen zu eröffnen, für die Branche?
Für Tankstellenpächter, deren Betrieb im Einzugsgebiet der Aldi-Tankautomaten liegt, kann das dramatische Folgen haben. Es droht der Verlust von Arbeitsplätzen vor allem bei kleineren Tankstellen.

Geplant sind bis zu 200 Aldi-Tanken – ist das im Vergleich etwa zu Aral und Shell wirklich so bedrohlich?
Auf den ersten Blick mag das nicht so wirken. Aber für Pächter, die im Einzugsgebiet eines Aldi-Ladens ihre Tankstelle betreiben, kann es wirklich eng werden. Denn Sie müssen eines sehen: An jedem Liter Kraftstoff verdient der Betreiber gerade mal einen Cent. Im Moment geht es den Pächtern bei vergleichsweise niedrigen Spritpreisen und entsprechend höheren Absatzmengen noch recht gut.

Aber?
Wenn die Mengen sinken – und das werden sie, wenn nebenan ein Aldi-Markt subventionierten Kraftstoff zu niedrigen Preisen als Lockstoff für sein sonstiges Sortiment anbietet – dann tut das den Betreibern wirklich weh. Damit sorgt Aldi im Konkurrenzkampf mit anderen Discountern in einer gänzlich anderen Branche für Kollateralschäden.

So sieht die Aldi-Tankstelle aus
"Clever Tanken", verspricht die Werbung: Seit kurzem sind im baden-württembergischen Ludwigsburg und in Stuttgart-Obertürkheim die ersten "Aldi-Tankstellen" in Betrieb. Die Hintergründe zu den Aldi-Tankstellen finden Sie hier. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Zunächst sind weitere acht Standorte geplant, unter anderem auf Aldi-Süd-Parkplätzen im oberbayrischen Fürstenfeldbruck, Forchheim bei Bamberg und Wasserburg am Inn. Auch im hessischen Hattersheim am Main sollen Kunden von Aldi Süd in Zukunft Sprit an Automatentankstellen zapfen können. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Hintergrund: Man wolle den Kunden den Einkauf "so praktisch wie möglich machen", erklärte eine Unternehmenssprecherin. "Dazu gehört auch, sie in ihrer Mobilität zu unterstützen." Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Aldi Süd stellt lediglich die Flächen auf den Parkplätzen zur Verfügung, hält sich aus dem operativen Betrieb der Tankstellen aber heraus. Dafür wurden Pachtverträge mit der FE-Trading Deutschland geschlossen. Die Tochter des Ölkonzerns OMV betreibt bereits in Österreich Automatentankstellen und kooperiert mit dem dortigen Aldi-Süd-Ableger Hofer. In Deutschland tritt FE Trading unter der Marke Avanti an. Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche
Die Preise für Benzin und Diesel liegen teils deutlich unter denen der örtlichen Konkurrenz. Bewähren sich die Standorte, dürfte FE-Trading die Deutschland-Expansion schnell vorantreiben.  Quelle: Annette Cardinale für WirtschaftsWoche

Funktionieren reine Automatentankstellen überhaupt?
Ja, das zeigen die zahlreichen Automaten, die auch Pächter heute schon auf ihren Anlagen im Betrieb haben; vor allem am Wochenende sind die im Einsatz. Was ich mich bei den Aldi-Tankstellen, die ja ganz ohne Personal auskommen sollen, aber frage, ist, was passiert, wenn etwas passiert. Wenn sich beispielsweise kleinere Benzinpfützen bilden. Bei einer Tankstelle mit Personal bleibt das nicht lange unentdeckt, da macht immer einer die Runde und sieht nach dem rechten. Aber einen halben Liter Sprit auf dem Boden, den wird die Überwachungskamera im Zweifel übersehen. Dabei ist klar, dass sich darum jemand kümmern muss.

Wie günstig sind die Discounter-Tankstellen wirklich?

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