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Automobil BMW hängt die Konkurrenz ab

Der Automobilkonzern beweist mit seinen Investitionen in die Elektromobilität Innovationsstärke und unternehmerischen Mut.

So wird der BMW i3 produziert
BMW i3 startet in die Serienproduktion: Ab heute rollen am Standort Leipzig die Produktionsbänder für den Elektro-Kleinwagen i3 an. Das Produktionsnetz für BMWs i-Modelle umfasst außerdem Standorte in Moses Lake (Washington, USA), Wackersdorf, Landshut und Dingolfing, an denen die wesentlichen Komponenten für den BMW i3 hergestellt werden. Für die i3-Fertigung wurde allein das Leipziger Werk für rund 400 Millionen Euro erweitert und 800 neue Arbeitsplätze geschaffen. Quelle: Presse
Erfolgsrezept des i3 soll ein "ganzheitlicher" Entwicklungsansatz, etwa zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs sein. So besteht beispielsweise die gesamte Außenhaut des i3 aus einem carbonfaserverstärkten Kunststoff (CFK), der erstmalig in der Automobilindustrie in Großserie verwendet wird und den Elektroflitzer zum absoluten Leichtgewicht macht. Durch Verwendung der ultraleichten Kohlefaser kann das Mehrgewicht der Batterie für den elektrischen Antrieb kompensiert werden. Quelle: Presse
Der Elektroantrieb und der Energiespeicher des i3 werden ebenfalls im Produktionsnetzwerk der BMW Group entwickelt und im Werk Landshut bzw. Dingolfing produziert. Quelle: Presse
Der Motor des BMW i3 verfügt über eine Leistung von 125 kW/170 PS, der Lithium-Ionen-Hochvoltspeicher über eine Reichweite von 130 bis 160 Kilometern. Maximal rennt der i3 elektronisch begrenzte 150 km/h - in erster Linie aus Stromspargründen. Gegen Aufpreis übernimmt ein kleiner Verbrennungsmotor die Funktion eines Range Extenders. Mit dem Benziner kann die Reichweite auf bis zu 300 Kilometer ausgedehnt werden. Quelle: Presse
Die "Hochzeit": In der Montagehalle erhält der i3 alle kundenspezifischen Ausstattungswünsche, bevor die ultraleichte CFK-Fahrgastzelle mit dem Elektromotor des i3 eine Verbindung fürs Leben eingehen. Die Außenhülle aus Kohlefaser wird dazu mit der Aluminium-Chassis des Motors verklebt und verschraubt statt verschweißt. Quelle: Presse
Bislang galt Karbon eher als ungeeignet für Großserien, da es teuer und schwer zu verarbeiten ist. BMW wagt nun erstmals die Serienproduktion mit dem Wunderstoff. Nach ersten Erfahrungen liegt die Produktionszeit des i3 deutlich unter der bisheriger Serienmodelle, da sich Karbon deutlich leichter lackieren lässt und nur geklebt statt geschweißt werden muss. Diese Zeitersparnis im Fertigungsprozess macht den Einsatz von Karbon im Automobilbau letztlich wirtschaftlich. Quelle: Presse
Das Finish: Neben der Fertigung des Elektrofahrzeuges laufen in Leipzig auch Modelle mit Verbrennungsmotor vom Band. Quelle: Presse

Er wirkt ein bisschen eingequetscht hinter dem Lenkrad. Doch das tut seiner guten Laune keinen Abbruch: Mit einem Grinsen im Gesicht dreht Joschka Fischer eine Runde durchs herbstliche Leipzig. „Wunderschönes Fahrgefühl“, schwärmt der ehemalige Bundesaußenminister, Grünen-Ikone und Ex-Taxifahrer in einem BMW-Werbevideo über seine Jungfernfahrt mit dem i3. „Ich bin beeindruckt.“

Fischer ist einer der ersten Käufer des BMW-Elektroautos – eines von rund 700 Exemplaren, das BMW laut dem britischen Branchendienst AID seit der Markteinführung Mitte November auf die Straße gebracht hat. „BMW tut gut daran, auf die neue Antriebstechnik zu setzen – aber es wird möglicherweise etwas länger dauern, bis sich das Investment auszahlt“, sagt AID-Herausgeber Peter Schmidt.

Rund drei Milliarden Euro hat der Münchner Automobilkonzern in den zurückliegenden drei Jahren in das E-Mobil investiert, das als Megacity Vehicle konzipiert ist – dank knapper Abmessungen besonders wendig, dank Elektroantrieb und Bauteilen aus Hanf besonders umweltfreundlich, dank Carbon-Karosserie besonders leicht. Zielgruppe des mindestens 35.000 Euro teuren Viersitzers: Großstädter mit kleinem Handgepäck und großer Geldbörse – nach Ansicht vieler Experten das vielleicht größte Wagnis des Konzerns in seiner bald 100-jährigen Geschichte. Wird der i3 zum Ladenhüter, könnte die BMW Group zum Übernahmekandidaten werden. Und BMW-Chef Norbert Reithofer das Jubiläumsjahr 2016 nicht mehr als Vorstandschef erleben.

Am Preis des Autos, so BMW-Vertriebs- und Marketingvorstand Ian Robertson, sollte es nicht liegen: „Es ist ein Fahrzeug der 3er-Reihe“, sagt der Brite, „und wir wissen, dass sich die meisten Kunden in diesem Segment so ein Auto leisten können.“ Bisher lägen 11.000 Bestellung für das Auto vor, verriet Robertson jetzt in Detroit.

„Es ist ein größerer Schritt als damals von der Kutsche zum Auto“, sagt Reithofer mit Blick auf die anstehende Technologiewende in der Autoindustrie. Die Zeit der Fahrzeuge, die von Verbrennungsmotoren angetrieben werden, mag allmählich zu Ende gehen. Aber die Geschäfte mit benzin- oder dieselgetriebenen Autos laufen noch gut, außerhalb Westeuropas sogar exzellent. Und ob die Zukunft batteriegetriebenen Elektroautos gehört oder Brennstoffzellenautos, ist derzeit selbst von Experten ebenso schwer einzuschätzen wie die Bereitschaft der Menschen weltweit, für ein nur begrenzt alltagstaugliches Auto mit einem alternativen Antrieb einen deutlich höheren Preis als bisher zu bezahlen.

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