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Bart Becht verlässt JAB-Holding Abschied des Alpha-Wolfs

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„Der Glanz bei der JAB Story ist weg“

Das alarmierte die Analysten. „Der Glanz bei der JAB Story ist weg“, fürchtet Rosie Edwards, Analystin bei der Hamburger Berenberg Bank. Ein Kollege einer anderen Bank ergänzt: „Der Coty-Ärger weckt Fragen am ganzen JAB-Modell von teuer wirkenden Zukäufen, die sich dann dank Sparprogrammen und Neuausrichtungen rentieren.“ Prompt senkten die Ratingagenturen ihre Noten für JAB in Richtung „hoch spekulativ“.

Branchenbeobachter machen darin ebenfalls einen Grund für den jüngsten Personalwechsel aus. „Angesichts der Probleme lag es dann wohl nahe für Becht, auch persönliche Konsequenzen zu ziehen, so wie er es bei Fehlern anderer immer gefordert hat“, heißt es in der Branche.

Zweifel am Geschäftsmodell kann sich JAB gerade nicht leisten. Das Unternehmen hat laut einer Rechnung des Finanzdienstes Bloomberg in den vergangenen zehn Jahren für 60 Milliarden Dollar Firmen im Bereich Kaffee, Getränke und Luxusgüter investiert – und zwar auch auf Pump. Das Geld stammt nicht mehr nur von den vier Mitgliedern der Reimann-Familie Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann sowie Stefan und Matthias Reimann-Andersen und deren insgesamt zehn Kindern. Rund die Hälfte stammt von externen Geldgebern.

Davon haben einige viel Geduld bewiesen: die Investorenlegende Warren Buffett oder der Private-Equity-Fonds BDT Capital von Byron Trott aus Chicago zum Beispiel. Sie lassen Harf & CO freie Hand, zumindest solange die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit von JAB nicht als Ramsch einstufen. Doch mehrere der gepumpten Milliarden stammen aus Anleihen. Und die werden bei einem Vertrauensverlust sofort teurer. So zahlte JAB für die im Juni aufgelegten Papiere im Wert von 1,5 Milliarden Euro bereits ein halbes Prozent mehr als für ein ähnliches Paket im Jahr zuvor. Der Zins und damit die Kapitalkosten könnten weiter wachsen. „Wenn das zu viel wird, muss JAB auch die bisher geduldigen großen Investoren mit höheren Ausschüttungen beruhigen“, schätzt ein Marktkenner.

Ob der Abschied Bechts die Investoren beruhigt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall wird der Wechsel JAB verändern. Das beginnt beim Klima an der Spitze. So diente der impulsive Becht als Gegenpol, der den rationalen Harf und den introvertierten Goudet bei Deals vor allzu langem Zögern bewahrte. „Er ist der ultimative Firmenchef, hat ein Elefantengedächtnis für alle Fakten und kann wie kein Zweiter Entscheidungen fällen“, lobt Harf seinen scheidenden Partner.

Zudem sorgt sein Abgang für Bewegung im Führungskreis: Den Niederländer ersetzen gleich drei Leute. Es sind der polnische Markenfachmann Jacek Szarzynski sowie mit Fabien Simon aus Frankreich und dem Brasilianer Ricardo Rittes gleich zwei Finanzfachleute. Alle drei werden jedoch erstmal eine Ebene unter den Senior-Partnern Harf und Goudet eingegliedert. Dafür gibt Goudet offenbar den Finanzbereich ab. Er wird wohl den Kaffeesektor um Jacobs und Peet‘s sowie das Getränkegeschäft mit der US-Brausemarke Dr. Pepper und den Imbissbereich (unter anderem Pret A Manger) führen.

Immerhin eine Gefahr droht JAB wohl vorläufig nicht: Zwar müsste Becht als Anteilseigner bei seinem Ausscheiden eigentlich der Wert seiner Aktien ausgezahlt werden – und dieser Abfluss wäre beträchtlich. Doch damit rechnen Beobachter erst einmal nicht. Zum einen braucht Becht jetzt nicht dringend Geld. „Bart hat immer gesagt, dass er genug Geld habe, weil er anders als Harf und Goudet auch einiges außerhalb von JAB investiert habe“, so ein Insider. Dazu besteht ein Großteil des JAB-Anteils des Führungstrios in Optionen, deren Wert sich nach der Entwicklung von JAB richtet. Harf erklärte dem „Manager Magazin“ im September, dass die erst nach fünf Jahren in Aktien umgetauscht oder ausgezahlt werden können.

Bis dahin sollte die Krise bei Coty gelöst sein. 

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