Baumarktkette Taumelt Praktiker in die Pleite?

Das Schicksal der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker liegt in der Hand von Großaktionärin Isabella de Krassny. Wegen der geringen Hauptversammlungspräsenz hat es die österreichische Fondsmanagerin in der Hand, ob der Konzern gegen die Wand fährt.

Die größten Baumärkte in Deutschland
Platz 10: EMV-ProfiEMV-Profi ist ein Einkaufs- und Marketingverbund. Die unter dem Dach der Marke laufenden Baumärkte sind selbstständig; 2007 waren es 274. Gegründet wurde der Verband im Jahr 1997. Die Gesamtverkaufsfläche beträgt 540.000 Quadratmeter. Umsatz 2011 in Deutschland: 0,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr hat EMV-Profi um 5,3 Prozent zugelegt (Umsatz 2010:0,76 Milliarden Euro). Quelle: Presse
Platz 9: EurobaustoffUmsatz 2011: 0,92 Milliarden Euro Die Kette erwirtschaftet ihren gesamten Umsatz in Deutschland. Gegenüber 2010 ist Eurobaustoff kräftig gewachsen. Der Umsatz stieg um 13,6 Prozent gegenüber Vorjahr (2010: 0,81 Milliarden Euro) Quelle: Presse
Platz 8: Hellweg/Baywa*Umsatz 2011: 0,93 Milliarden Eruo - ein Plus von 4,5 Prozent gegenüber 2010. *Proforma-Zahlen (Hellweg hat 2012 einen Teil des Baywa-Geschäftes übernommen) Quelle: dpa/dpaweb
Platz 7: Globus Holding Umsatz 2011: 1,38 Milliarden Euro Globus erwirtschaftet fast seinen gesamten Umsatz in Deutschland und konnte gegenüber Vorjahr leicht wachsen (2010: 1,36 Milliarden Euro) Quelle: Screenshot
Platz 6: ToomUmsatz 2011: 2,41 Milliarden Euro Toom gehört zum Rewe-Konzern. Die Kette konnte ihren Umsatz in den vergangenen beiden Jahren solide steigern (2010: + 3,9 Prozent; 2011: +2,1 Prozent) Filialen im In- und Ausland: 370 Mitarbeiterzahl: 14.500 Werbeslogan: "Der Baumarkt" Quelle: Presse
Platz 5: ZeusUmsatz 2011: 2,63 Milliarden Euro - ein Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2010: 2,36 Milliarden Euro) Quelle: Presse
Platz 4: HornbachUmsatz 2011: 3,50 Milliarden Euro Zwei Drittel des Umsatzes macht Hornbach in Deutschland (2,05 Milliarden), im Vergleich zum Vorjahr ist Hornbach um 5,4 Prozent gewachsen (Umsatz 2010: 3,2 Milliarden) Eigentümer: Kingfisher, Familie Hornbach, Streubesitz Werbeslogans: "Es gibt immer was zu tun" - "Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht" - "Wie viel Wahnsinn steckt in Dir?" Quelle: dpa

Dass die Hauptversammlung von Praktiker turbulent werden würde, war klar. Doch der Verlauf des Aktionärstreffens in Hamburg  dürfte wohl selbst die schlimmsten Befürchtungen von Vorstand und Aufsichtsrat in den Schatten stellen. Weil nur vergleichsweise wenige Aktionäre nach Hamburg kamen, haben die Kritiker umso größeren Einfluss.

Das Unternehmen bezifferte die Präsenz des Grundkapitals auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Hamburg auf 26,90 Prozent. Die Wiener Fondsmanagerin Isabella de Krassny als Sprecherin der beiden Hauptaktionäre Semper Constantia und Maseltov vertritt mindestens 15 Prozent der Stimmrechte. Sie kontrolliert also die Hauptversammlungsmehrheit und macht aus ihrer Ablehnung des Vorstands- und Aufsichtsratskurses keinen Hehl. Mit Wiener Akzent in der Stimme und in hoffnungsfrohes grün gewandet, schalt de Krassny, das Vorgehen des Management als „skandalös“. Sie „verlange zumindest den Rücktritt aller Aufsichtsräte“.

Dass de Krassny einer Entlastung von Vorständen und Aufsichtsräten zustimmt, scheint damit ausgeschlossen. Auch andere Aktionärsvertreter legten den Praktiker-Granden den Rücktritt nahe. Ob die Gremienmitglieder nach dem sich abzeichnenden Misstrauensvotum die Konsequenzen ziehen werden und welche Folgen dies hätte, ist unklar. Rechtlich wären sie nicht zum Rücktritt verpflichtet.

Eine entscheidende Frage ließ de Krassny bisher aber offen: Wird sie einer Kapitalerhöhung und einer Optionsanleihe zustimmen, die Bestandteil des bisherigen Finanzierungskonzeptes ist? Alternativ könnte sie den Antrag ablehen und die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung beantragen, um dort über ein von ihr und dem früheren Obi-Manager Andreas Sandmann entwickeltes Sanierungskonzept zu entscheiden.

Kritik am US-Investor

Die Kritik der Großaktionärin richtet sich vor allem gegen den vom Management geplanten Einstieg des US-Investors Anchorage, der für die Bereitstellung eines 85 Millionen Euro schweren Darlehens die Ertragsperle Max Bahr als Pfand verlangt. Zudem verlangt Anchorage zweistellige Zinssätze und will sich zusätzlich eine Optionsanleihe einräumen lassen, die zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien gewandelt werden könnte. Die Konditionen würden auf den ersten Blick recht hoch ausfallen, räumte Finanzvorstand Markus Schürholz ein, seien aber „marktgerecht“.

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