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Berggruen Karstadt steht vor Scherbenhaufen

Der US-Investor Nicolas Berggruen sollte dem insolventen Traditionskaufhaus Karstadt wieder Leben einhauchen. Doch Sparprogramm und Stellenabbau greifen nicht. Karstadt schlittert immer tiefer ins Umsatzloch.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2013 machte Karstadt 81 Millionen Euro weniger Umsatz als im Vorjahr. Im Februar brachen die Verkäufe sogar um 15 Prozent ein. Quelle: dpa

Er kam als Retter - Nicolas Berggruen übernahm 2010 die Karstadt-Häuser für fünf Millionen Euro. Sie waren gemeinsam mit dem Handels- und Touristikkonzern Arcandor Hauptaktionäre waren die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz - pleite gegangen. Der deutsch-amerikanische Investor wollte Karstadt wieder fit machen - 2016 sollten die Warenhäuser wieder mehr als 270 Millionen Euro Gewinn abwerfen, so der Plan. Dafür legte Berggruen ein Sparprogramm auf und setzte im Juli vergangenen Jahres 3000 Mitarbeiter an die Luft. „So schmerzhaft diese Maßnahmen für die betroffenen Mitarbeiter sind, so notwendig sind sie“, bedauerte Karstadt-Chef Andrew Jennings damals.

Vom good guy zum bad guy

Jetzt zeigt sich, dass die Sanierungsbemühungen nicht nur schmerzhaft, sondern vor allem weitestgehend erfolglos waren. Bereits im April berichtete die WirtschaftsWoche, dass Karstadt sein Umsatzziel für 2013 nicht halten kann. Nur noch 3,129 Milliarden Euro, sollen bis zum Geschäftsjahresende erwirtschaftet werden, das sind 232 Millionen Euro weniger als bisher geplant. Dieser Trend setzt sich in der Mittelfristplanung auch in den nächsten Jahren fort. So rechnet Karstadt 2016 mit einem Umsatz von 3,336 Milliarden Euro, das sind sogar 375 Millionen Euro weniger als noch in der Mittelfristplanung von 2011 erwartet wurde.

Die Karstadt-Mitarbeiter sind enttäuscht von Berggruen. Das Handelsblatt schreibt in seiner Dienstagsausgabe vom "Falschen Erlöser". Gewerkschaften klagten, so das Blatt, dass Berggruen quasi kein Geld in den Konzern investiere, dabei besitze seine Holding mehr als zwei Milliarden Dollar Eigenkapital.

Das Imperium von Nicolas Berggruen
Nicolas Bergguen, Investor für den insolventen Warenhauskonzern Karstadt, hält am Donnerstag (02.09.2010) in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm in Berlin eine Karstadt-Einkaufstüte in der Hand Quelle: dpa
Besucher der Deutschen Gamestage 2012 stehen am Dienstag (24.04.2012) vor dem Cafe Moskau in Berlin. Quelle: dpa
MedienIm Jahr 2010 investierte Berggruen 900 Millionen Dollar in den angeschlagenen spanischen Medienkonzern Prisa, der auch die Tageszeitung El País herausgibt. Bereits Anfang der 90er-Jahre kaufte sich der Investor ins Mediengeschäft ein. Berggruen erwarb eine portugiesischen Fernsehsender, den er aufpolierte und mehr als zehn Jahre später an die Börse brachte. Auch Prisa soll unter Berggruens Führung an die Wall Street. Quelle: Screenshot
Ein Landwirt raeumt mit Hilfe schwerer Technik am Montag, 26. Juli 2004, Stroh von einem abgeernteten Getreidefeld in Possendorf bei Dresden Quelle: AP
HotelsWer auf dem Feld arbeitet, soll sich auch entspannen. Dementsprechend gehören Berggruen diverse Hotels, unter anderem die indische Hotelkette Keys Hotels. Gut für Berggruen, der schon seit Jahren keinen festen Wohnsitz mehr hat, sondern ausschließlich in Hotels lebt. Quelle: Screenshot
Blauer Himmel spannt sich am Donnerstag (24.05.2012) über einem Windrad auf einem Feld bei Hohenhameln Quelle: dpa
MobilitätZum ökologisch korrektem Gesamtpaket gehört auch ein Car-Sharing Unternehmen. Der Berggruen Car Club existiert seit 207 und bietet Mietwagen sowie Chauffeurdienste für Business- und Privatleute. Den Car Club gibt es derzeit in 18 indischen Städten. 2012 sollen durch Franchising 20 weitere Städte hinzukommen. Quelle: Screenshot

Das stößt den Beschäftigten, die massiven Gehaltseinbußen zustimmen mussten, natürlich sauer auf. Einige Mitarbeiter sollen Berggruen bereits den Spitznamen "bad guy" verpasst haben, wie das Handelsblatt schreibt. Wut kam dazu auf, als Karstadt-Chef Jennings kürzlich verkündete, die Kaufhauskette steige bis 2015 aus dem Tarifvertrag aus. Die Beschäftigten der Karstadt-Filiale im Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach streiken daher heute.

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Jennings übt sich in Durchhalteparolen. Natürlich brauche Karstadt Zeit und im Zug einer Sanierung könne es auch mal kurzfristig zu Umsatzeinbußen kommen. Kurzfristig? Fakt ist, dass Karstadt ein miserables Weihnachtsgeschäft und einen missglückten Jahresauftakt hinter sich hat. Brancheninsider, so das Blatt, rechneten damit, dass Karstadt noch im laufenden Geschäftsjahr rote Zahlen schreibe.

Ganz anders als Konkurrent Kaufhof, der im ersten Quartal sogar leicht zulegen konnte. Karstadt krankt an Konzeptlosigkeit und hat es versäumt die im Herbst neu eingeführten Marken konsequent zu bewerben. So kennt bis heute kaum eine Kundin das Label "Lipsy" oder die britische Marke "Phase Eight". Rainer Bartle von der Handelsberatung BBE sieht für die Karstadt-Häuser kaum Überlebenschancen. "Ich gehe davon aus, dass es bald zum Zusammenschluss zwischen Karstadt und Kaufhof kommt", sagt er der Zeitung, "für Karstadt gibt es keine Alternative."

Das Dossier "Der falsche Erlöser" können Sie beim Handelsblatt herunterladen.

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