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Bier von Kreta und Co. Geld verdienen mit griechischem Craft-Beer nach dem Reinheitsgebot

Jungbrauer Thanasis Misaltis (39) besitzt keine eigene Anlage, sondern lässt seine Rezepte bei einer etablierten Brauerei umsetzen. Die Craft-Beer Szene boomt. Quelle: dpa

Auf Santorini trinken Bierfreunde „Volkan“, auf Kreta „Solo“ und auf Chalkidiki „Valtinger“. Zahlreiche griechische Mikro-Brauer bieten erfolgreich ihr eigenes Craft-Beer an – nach deutschem Reinheitsgebot gebraut.

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Wenn Albrecht sagt, dass das Bier schmeckt, dann hat Thanasis Misaltis alles richtig gemacht. Schließlich ist sein deutscher Schwiegervater aus Berlin ein Kenner. „Wann immer ich mit meiner Frau hinreise, bringen wir unsere neuesten Kreationen mit und verkosten sie gemeinsam“, sagt der 39 Jahre alte Craft-Beer-Brauer aus Nordgriechenland. Thanasis ist einer von rund 80 griechischen Mikrobrauern. Die Szene boomt nicht zuletzt wegen der ausländischen Touristen, allen voran der Deutschen.

Keine Frage, dass auch Schwiegervater Albrecht den kleinen Ort Valta auf der Halbinsel Chalkidiki besucht. Dort haben Thanasis und seine Frau Christina das Bier „Valtinger“ entwickelt– der Ortsname Valta gemixt mit der deutschen Endung ist eine Hommage an die Braukunst hoch im Norden. Thanasis' Motto: „Als deutsche Erfahrung auf griechische Leidenschaft traf, wurde Valtinger geboren.“

Das Reinheitsgebot halten die griechischen Kleinst-Brauer in Ehren, gleichzeitig aber sind sie sehr auf ihre Herkunft bedacht. Ob Sifnos, Skopelos oder Kefalonia, ob Santorini, Chios oder Kreta– „lokal denken, lokal trinken“, lautet die Devise. Und das seit wenigen Jahren, denn die griechische Craft-Beer-Szene hat erst während der griechischen Finanzkrise so richtig an Fahrt aufgenommen. „Es gab einfach keine Jobs mehr, und so haben die jungen Leute angefangen, zu Hause Bier zu brauen“, sagt Konstantin Stergides, einer der Co-Initiatoren des ersten Craft-Beer-Festivals Griechenlands am vergangenen Wochenende in Athen.

Während der Krise seien viele junge Menschen in die Landwirtschaft zurückgekehrt, zu Olivenöl, Honig, Käse und eben auch Bier, sagt Stergides. Dabei helfen die Touristen, vor allem Besucher aus Deutschland und Großbritannien: Sie seien es, die im Urlaub gerne lokale Produkte und lokales Bier bestellten. Nicht ganz so einfach, denn der griechische Biermarkt liegt zu gut 85 Prozent in den Händen internationaler Größen wie Amstel, Carlsberg und Heineken– auch wenn auf den Flaschen griechische Namen wie „Mythos“ stehen.

Die Kleinbrauer-Szene nutzt die Freiheit ihrer Nische und ist sehr kreativ, wie Stergides sagt. „Wir orientieren uns am Reinheitsgebot, aber unsere griechischen Gesetze sind nicht so streng wie die deutschen.“ Die Kleinst-Brauer trieben die Aromen durchaus in die Extreme, unter anderem mit Kräutern, aber auch Kaffee oder fruchtiger Zitrone, Mango, Maracuja. Der Trick bei Letzteren: Es wird keine Frucht hinzugefügt, sondern die Dolden spezieller Hopfenpflanzen– dem Reinheitsgebot wird also Genüge getan und gleichzeitig passt das fruchtige Bräu hervorragend zur griechischen Strandbar im Hochsommer.

Ob man jedoch davon leben kann? Thanasis ist wie viele andere Craft-Beer-Brauer ein Nomade, einer, der seine Rezepte bei einer etablierten Brauerei umsetzen lässt. Für eine eigene Anlage gibt es finanzielle Unterstützung von der EU, aber nur, wenn man selbst gut 200.000 Euro beisteuert– und die müsse man erstmal haben, sagt er. Aber immerhin: In diesem Sommer haben bereits 40.000 Flaschen Valtinger den Weg in Tavernen, Bars und Geschäfte gefunden.

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