Bilanz 2012 Metro muss drastischen Gewinneinbruch verkraften

Gesunkene Kauflaune in den Krisenländern, Preisdruck durch das Internet und ein teurer Konzernumbau: Der Handelsriese Metro hat im Jahr 2012 nur noch einen Bruchteil des üblichen verdient.

Das sind Metros Stärken und Schwächen
Metro-Eingang Quelle: APN
Französischer Konkurrent hat Dividende halbiertDie Ausschüttungsquote von Metro - sie gibt an, wie viel Prozent des Gewinns je Aktie an die Aktionäre verteilt werden - liegt damit bei 51,3 Prozent. Sie ist, das Krisenjahr 2009 ausgenommen, deutlich höher als in der Vergangenheit. Metro wird sich die Kritik gefallen lassen müssen, der Konzern zahle zu viel Dividende. Denn eins steht fest: Das an die Aktionäre ausgeschüttete Geld fehlt für Investitionen. So hat der französische Konkurrent Carrefour die Dividende für 2011 rigoros um mehr als die Hälfte eingedampft. Metro dagegen hält an den üppigen Dividenden fest, denn der Konzern erhofft sich dadurch - auch bei Ertragsschwäche - eine langfristige Bindung der Anleger. Und: Großaktionär Haniel und dessen rund 650 Familiengesellschafter kalkulieren mit stabilen Ausschüttungen - und dürften sie, wenn nötig, mit Nachdruck einfordern. Quelle: Reuters
Menschen mit Tüten mit Metro-Druck Quelle: dpa
Metro-Logo Quelle: dapd
Metro-Hauptversammlung Quelle: dpa
Walmart Quelle: dapd
Fahnen mit Metro-Logo Quelle: dpa
Kunden sind keine Handpuppen: Metro-Konzern ist zu arrogantViel zu lange hat Metro versäumt, Kunden zielgerichtet anzusprechen. Wie viele andere Handelskonzerne auch neigten die Düsseldorfer in den Jahren, in denen es für den Konzern gut lief, zu Arroganz - bisweilen zu Ignoranz. Das ist gefährlich in einer Branche, die in Sachen Sortiment und Preise derart dynamisch ist. Zwar predigte Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes den dringend nötigen Wandel vom einkaufs- hin zum kundenorientierten Konzern - in vielerlei Hinsicht aber blieb es bei Vorsätzen. Quelle: obs
Schwäche 2: Schrumpfender UmsatzEin Manko von Metro ist die Flächenproduktivität. Sie gibt an, wie viel der Konzern pro Quadratmeter im Schnitt umsetzt - und sie nimmt sowohl bei Cash & Carry als auch bei Media-Saturn seit Jahren kontinuierlich ab. Erlöste Metro im Großhandelsgeschäft 2007 noch 6 502 Euro pro Quadratmeter, waren es im vergangenen Jahr 855 Euro weniger. Auch im Elektronikhandel wird die Entwicklung deutlich: Hier verlor Metro innerhalb von fünf Jahren 7,5 Prozent Umsatz pro Quadratmeter. Das ist ein Problem, denn es zeigt, dass Metro auf vergleichbarer Fläche - in lokaler Währung - schrumpft. Die schwierige wirtschaftliche Lage in einigen Ländern Europas, die Kaufzurückhaltung und negative Währungseffekte belasten das Geschäft. Doch das gilt auch für die Konkurrenz. Der Konzern verliert Kunden - und weiß das auch. So muss Cash & Carry, gerade was die Attraktivität des Angebots jenseits von Lebensmitteln angeht, aufholen. Bei Media-Saturn wandern viele Kunden wegen der günstigeren Preise zu anderen Anbietern ins Internet ab. Quelle: dapd
Interne Streitereien Zusätzlich belasteten interne Streitereien die Metro-Aktie ab September 2011. Die damaligen Spitzen von Vorstand und Aufsichtsrat, Eckhard Cordes (links) und Jürgen Kluge (rechts), kämpften wochenlang verbissen um die Macht im Konzern. Großaktionär Haniel mischte sich ein, agierte aber glücklos. Es verging kein Tag ohne Schlagzeilen. Das öffentliche Spektakel hat Metro viel Vertrauen an den Märkten gekostet, denn die Anleger mögen es gar nicht, wenn ihre Unternehmen negativ in der Zeitung stehen. Quelle: dpa
Schwäche 3: Übertriebene Expansion ins AuslandGerne nimmt Metro für sich in Anspruch, international stark im Geschäft zu sein. Tatsächlich ist der Konzern neben Deutschland in weiteren 32 Ländern der Welt vertreten - davon mehr als zu vier Fünfteln in West- und Osteuropa. Zum Vergleich: Marktführer Wal-Mart aus den USA kommt nur auf 27 Länder. Allerdings expandierte Metro über viele Jahre mit Vollgas. Immer wieder verkündete der Konzern neue Markteintritte, seit 2000 elf an der Zahl. Im Rückblick aber zeigt sich: Der Expansionskurs hat Metro in Länder gebracht, die sich als nachhaltig schwach erweisen. Ein Beispiel ist Japan, wo der erste von neun Großhandelsmärkten schon im Dezember 2002 eröffnet wurde. Dort kommt das Geschäft auch zwölf Jahre nach dem Markteintritt nicht in Gang: Laut HGB-Geschäftsbericht fielen in Japan 2011 Verluste von 42,6 Millionen Euro an. Nach dem IFRS-Konzernabschluss lieferte die Region Asien/Afrika ein Ergebnis von minus 25 Millionen Euro. Quelle: dapd
Koch will nach IndonesienAnalysten diskutieren zudem, ob sich Metro mit seinem Cash & Carry-Geschäft aus Großbritannien, Portugal oder Dänemark zurückziehen sollte. Doch solche Überlegungen stoßen im Konzern auf Widerstand. Vor allem die Handelsmanager hängen an der Vielzahl der Länder und wollen keines aufgeben. Im vergangenen Jahr hat Metro schon die Großhandelsmärkte in Marokko verkauft. Zudem stoppte Metro-Chef Olaf Koch erst kürzlich die Pläne, noch in diesem Jahr in Indonesien zu starten. Quelle: dapd

Der Handelskonzern Metro rechnet nach zahlreichen Rückschlägen und einem historischen Gewinneinbruch 2012 in den ersten neun Monaten 2013 mit weniger operativem Ertrag. "Die Ergebnisentwicklung wird im Rumpfgeschäftsjahr 2013 von einer unsicheren wirtschaftlichen Lage geprägt sein", erklärte der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf. Die anhaltende Konsumflaute in Südeuropa und der Konzernumbau machen Metro zu schaffen.

Für das Rumpfgeschäftsjahr 2013 und das darauffolgende Jahr 2013/14 erwarte der Konzern aber ein "moderates Umsatzwachstum". Zudem will sich der Konzern 2013 von Immobilien trennen, um dem Gewinn auf die Sprünge zu helfen. Im dann folgenden vollen Geschäftsjahr 2013/14 mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft, in dem der Handel den Löwenanteil seiner Gewinne einfährt, werde das Ergebnis vor Zinsen und Steuern vor Sonderfaktoren zulegen - wenn die Wirtschaft nicht einbreche.

Die Metro-Gruppe

Der Konzern hatte 2012, dem ersten Amtsjahr des neuen Chefs Olaf Koch, unter anderem den Rauswurf aus dem Dax, das Ende der Expansionspläne der Tochter Media-Saturn in China und einen heftigen Gewinneinbruch verkraften müssen. Das Periodenergebnis nach Minderheiten brach auf drei Millionen Euro ein - vor Jahresfrist hatte es noch bei 631 Millionen Euro gelegen. Metro-Chef Koch hatte erstmals in der Geschichte des Handelsriesen die Dividende gekürzt, der Vorstand schlug für 2012 eine Ausschüttung von 1,00 Euro je Stammaktie vor. Die Ausschüttung muss er angesichts des Gewinneinbruchs aus den laufenden Einnahmen bestreiten. Im Vorjahr hatte Metro den Aktionären noch 1,35 Euro je Stammaktie gezahlt. Beim unter Milliarden-Schulden ächzenden Großaktionär Haniel dürfte die Kürzung zudem wenig Freude ausgelöst haben.

"2012 war für die Metro ein Jahr der Neuausrichtung", betonte Koch. Der Vorstand habe "elementare Veränderungen" umgesetzt, doch habe dies "Geld gekostet". Er hatte angekündigt, in seinem ersten Amtsjahr vor allem den Umsatz ankurbeln zu wollen. Koch hatte dazu eine Preisoffensive eingeleitet, den Verkauf über das Internet angekurbelt und den Kundenservice, etwa bei den Großmärkten des Konzerns, verstärkt. Zudem trennte sich Metro von Randgeschäften wie dem Osteuropa-Geschäft der Supermarktkette Real. Koch will sich auf die Kerngeschäftsfelder konzentrieren. Doch der Konzernumbau kostet Geld - 2012 drückten Aufwendungen für die neue Strategie in einer Höhe von 585 Millionen Euro auf die Gewinne. Koch selbst hatte bereits angekündigt, der Umbau sei ein langfristiges Projekt: "Wir laufen keinen Sprint, wir laufen vermutlich einen Marathon."

Wettbewerber wie Carrefour oder Ahold hatten anders als Metro die Dividende für das vergangene Jahr angehoben. Bei der belgischen Supermarkt-Kette Delhaize fällt die Ausschüttung aber ebenfalls magerer aus. Sie sinkt auf 1,40 Euro von 1,76 Euro je Aktie, um mehr Geld für die Renovierung der Läden und Preis-Offensiven zur Verfügung zu haben.

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