Billigflieger Rynair verprellt Anleger und schielt auf Air Berlin

Überraschend hat Ryanair bekanntgegeben, bis Ende Oktober Dutzende Flüge zu streichen. Grund sei vor allem die mangelnde Pünktlichkeitsquote. Doch ein Luftfahrtexperte meint: Das hängt alles mit Air Berlin zusammen.

Im Falle eines vorzeitigen „Groundings“ bei Air Berlin, müssen die begehrten Start- und Landeplätze sofort vergeben werden. Ryanair könnte jetzt Flüge ausfallen lassen, um für diesen Moment Kapazitäten zu haben und den Zuschlag zu bekommen. Quelle: dpa

Frankfurt/DublinDie aktuellen Flugstreichungen beim irischen Billigflieger Ryanair könnten nach Einschätzung eines Luftverkehrsexperten einen ganz anderen Hintergrund haben. Das Unternehmen bereite sich nach seiner Einschätzung auf den möglichen Fall vor, dass die insolvente Air Berlin ihren Flugbetrieb aus Geldmangel vorzeitig einstellen muss, sagte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Ryanair selbst hatte Freitag angekündigt, dass täglich Flüge dutzende Flüge zu streichen und dafür harsche Kritik bekommen. Die eigene Pünktlichkeitsquote in den ersten beiden Septemberwochen auf unter 80 Prozent gesunken sei. Zur Begründung für die zunehmenden Verspätungen während der Sommermonate führte Ryanair unter anderen Fluglotsenstreiks und schlechtes Wetter an. Die Flugstreichungen drücken zudem direkt auf die Aktie des Billigfliegers. Die Papiere fielen am Montagvormittag um bis zu 4,8 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Tief von 16,25 Euro.

„Im Fall eines vorzeitigen „Groundings“ der Air Berlin müssten die begehrten Start- und Landerechte vom zuständigen Koordinator der Bundesrepublik sofort neu vergeben werden“, sagte Experte Wissel. Den Zuschlag könnten aber nur Gesellschaften erhalten, die dann auch mit entsprechenden Flugzeugen die Strecken tatsächlich fliegen könnten. Dafür wolle Ryanair einige Maschinen in der Hinterhand haben, sagte Wissel. Die irische Gesellschaft hat nach eigenen Angaben nicht für Betriebsteile der Air Berlin geboten.

Trotz eines stetigen Zugangs von neuen Boeing-Jets war bislang die Flotte der Ryanair mit aktuell 400 Maschinen restlos verplant. Am Freitag hatten die Iren bekanntgegeben, bis zum Ende des Sommerflugplans (Ende Oktober) täglich zwischen 40 und 50 Flüge zu streichen. Das seien weniger als 2 Prozent des täglichen Angebots von rund 2500 Verbindungen.

Als Gründe nannte die passagierreichste Fluggesellschaft Europas die mangelnde Pünktlichkeitsquote im aktuellen Flugplan sowie eine Umstellung bei den Urlaubsplanungen für die Crews. Man benötige einige Standby-Maschinen, um die Pünktlichkeit des Gesamtsystems wieder auf einen Schnitt von 90 Prozent zu heben.

Ein Stillstand der Air Berlin soll wegen der weitreichenden Konsequenzen durch den vom Bund verbürgten KfW-Kredit über 150 Millionen Euro verhindert werden. Er ist aber gleichzeitig das größte Risiko für die Bieter in dem Air-Berlin-Verkaufsverfahren, zu dem bis Freitag Angebote abgegeben werden konnte.

Eine Entscheidung soll laut Air Berlin an diesem Montag (25. September) bekanntgegeben werden. Bis zu einem Vertragsabschluss könnten aber insbesondere wegen kartellrechtlicher Prüfungen noch Wochen oder sogar Monate vergehen. In dieser Zeit müsste die Air Berlin ihren Flugbetrieb mit Hilfe des Kredits selbst aufrecht erhalten.

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