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Billigprodukte in Wachstumsmärkten „Weniger willst du nicht - mehr brauchst du nicht“

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Frugal: einfach, günstig und robust

Für die mittel- und niedrigpreisigen Angebote, die sich an diese neue Mittelschicht richten, hat sich die Bezeichnung „frugal“ etabliert: einfach, günstig und robust gelten als wesentliche Merkmale. Die Berater von Roland Berger empfehlen ihren Klienten in einem bisher unveröffentlichten Strategiepapier, „jetzt neue Marktstrategien zu diskutieren, die frugale Produkte ausdrücklich einschließen“. Die Bedingungen dafür erscheinen gut: „Gerade aus dem Mittelstand bekommen wir viele Anfragen zu frugalen Produkten“, sagt Roland-Berger-Berater Oliver Knapp. Doch mit der Umsetzung täten sich viele Firmen schwer.

Auch große Namen greifen schon mal daneben. In Indien hat der Konzern Tata versucht, mit dem Modell Nano das billigste Auto der Welt zu schaffen. Günstig war es mit einem Preis von 100.000 Rupien, umgerechnet rund 1.400 Euro, in der Tat. Dennoch floppte das Projekt. Der Nano bot kaum Stauraum, scheiterte in Crashtests und brachte kaum mehr Komfort als eine Motorrikscha. Der vermeintliche Vorreiter der frugalen Innovation hatte schnell den Ruf eines Arme-Leute-Autos.

Dass es auch anders geht, zeigt Volkswagen in Brasilien. Lastwagen mit dem VW-Logo, die inzwischen zur Tochter MAN gehören, sind Marktführer auf dem weltweit sechstgrößten Lastwagenmarkt. „Weniger willst du nicht - mehr brauchst du nicht“, lautet der lokale Werbespruch für die bewusst einfach gehaltenen Nutzfahrzeuge.

Vor sieben Jahren entwickelte Volkswagen die Modellreihe Constellation, die speziell auf die Bedürfnisse der brasilianischen Kundschaft ausgerichtet wurde. Dafür sorgten 40 brasilianische Ingenieure, die zusammen mit deutschen Kollegen an dem Projekt arbeiteten und lokales Know-how einbrachten.

So muss man bei brasilianischen Lastwagen die Außentreppen an der Fahrerkabine einklappen können, damit die Trucks weniger anfällig für Überfälle sind. Die Fenster sollten zudem einschraubbar sein, nicht eingeklebt wie in Europa. Sonst kann bei einem Steinschaden die nächste Werkstatt die Scheibe nicht austauschen.

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