Billy aus dem Netz Ikea will auch online Möbelliebling werden

Kein Schrank ist zu groß, keine Couch zu schwer. Mit dem Möbelkauf übers Netz fällt eine der letzten Bastionen des stationären Handels. Wie Ikea groß ins Online-Geschäft einsteigen will und wer den Schweden das Leben schwer macht.

Bis 2020 sollen zehn Prozent des Deutschlandumsatzes von Ikea aus Internetverkäufen stammen. Quelle: dpa

Wenn Kinder im Plastikkugel-Bad versinken, Männer auf Elchen schaukeln, Frauen Teelichter im Tausenderpack kaufen und in der Küchenabteilungen Ehen über der Frage „Fronten in Eierschale oder Porzellanweiß“ zerbrechen, dann ist Samstag in Deutschland. Familien gehen am Wochenende gerne in den Zoo – oder zu Ikea. Meist geht es dort ähnlich zu.

Möbel kaufen ist Stress. Niemand, der eine neue Wohnung bezieht oder die alte aufmöbeln will sagt: „Ach, wie schön: Das Gedränge, die muffige Teppichabteilung, die Schlepperei, der Schrank, der leider doch 0,3 Zentimeter zu hoch ist.“

Was Deutschlands Möbel-Händler online bieten
IkeaOnline-Sortiment: 3500 Artikel Versandkosten: Paket: 5,00 Euro Spedition (Onl.-Bestellung): 49,00 Euro Spedition (Fax/Telefon/Post): 99,00 Euro Abholung (Click& Collect): Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Bezahlung bei Lieferung der Möbel in bar oder mit EC-Karte Montageservice: ja, auf Wunsch möglich Quelle: Screenshot
OTTO.deOnline-Sortiment: 400.000 Artikel (keine Differenzierung nach Produktgruppen - reiner Möbelanteil nicht bekannt) Versandkosten: Paket: 5,95 Euro Spedition: 29,95 Euro Abholung (Click& Collect): Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Kauf auf Rechnung, Vorkasse Montageservice: ja Quelle: Screenshot
Karstadt.deOnline-Sortiment: 3.529 Artikel Versandkosten:Aufträge unter 19,90 Euro: 4,95 Euro Standardlieferung: 20,00 Euro Abholung: Möglich, in den Filialen (evtl. Preisabweichungen) Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, giropay, PayPal, Kauf auf Rechnung, Vorkasse Montageservice: ja Quelle: Screenshot
Westwing.deOnline-Sortiment: Wöchentliches-Rotationsprinzip: Jede Woche werden 2.000 neue Artikel online gestellt Versandkosten:6,90 Euro pro Bestellung Logistikzuschläge bei sperrigen Produkten Abholung: Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, Lastschrift, Vorkasse, PayPal Montageservice: nein Quelle: Screenshot
Design-3000.deOnline-Sortiment: 2.600 Artikel Versandkosten:Aufträge unter 30,00 Euro: 3,90 Euro Aufträge ab 30,00 Euro: versandkostenfrei Abholung: Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Rechnung, Lastschrift, Kreditkarte, Vorkasse, PayPal, Nachnahme Montageservice: nein Quelle: Screenshot
Roller.deOnline-Sortiment: 10.000 Artikel Versandkosten:6,50 Euro pro Bestellung Spedition: abhängig von Bestellwert Abholung: k.A. Bezahlmöglichkeiten: Kauf auf Rechnung, Vorkasse, Kreditkarte, PayPal Montageservice: ja Quelle: Screenshot
Fashionforhome.deOnline-Sortiment: über 10.000 Artikel Versandkosten:7,50 Euro pro Bestellung Aufträge ab 75,00 Euro: versandkostenfrei Abholung: Nicht möglich Bezahlmöglichkeiten: Kreditkarte, Lastschrift, PayPal, Vorkasse, GiroPay, Rechnungskauf Montageservice: Ja, gegen Aufpreis möglich; Samstagslieferung möglich. Quelle: Screenshot

Kein Wunder also, dass sich viele Möbelshopper wünschen, der Einkauf wäre genauso bequem, wie der Sessel, für den sie sich interessieren. Ein möglicher Ausweg: Onlineshopping. Natürlich löst der Einkauf im Netz nicht alle Probleme - aber zweifellos einige. Statt sich mit Kind und Kegel durch die gefühlt restlichen 82 Millionen Deutschen durch die Gänge zu schieben, verschafft man sich entspannt vom heimischen Sofa aus den Überblick. Probiert im Küchenkonfigurator, was am besten wohin passt, vergleicht bequem Preise und schickt mit einem Klick die Bestellung ab – eine Woche später kommt die Küche, wird montiert – fertig. Klingt traumhaft oder? Und ist heute schon möglich. Wer den Couchbezug nicht zwingend befühlen will oder nicht mit eigenen Augen prüfen möchte, ob die Front „Eierschale“ eine Nuance ins Gelb geht, weil sich nach zwei Wochen sowieso rote Tomatensoßenspritzer darauf finden, für den ist der Möbelkauf online die perfekte Lösung, findet auch Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Trade und Retail und Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein.

"Es gibt überhaupt keinen Grund weiter zu behaupten, Möbel seien nicht onlinefähig, auch wenn wir hier noch in der Lernphase sind." Deshalb setzt jetzt auch Ikea - das liebste Möbelhaus der Deutschen – auf den Verkauf im Netz.

Derzeit haben die Schweden 3.500 Möbel & Co. im Onlineangebot und setzten 2012 nur magere 92 Millionen Euro im Internet um. Jetzt sollen nochmal so viele Produkte rund ums Wohnen und Einrichten folgen wie Ikea-Deutschland-Chef Peter Betzel kürzlich im Interview mit den Handelsblatt verkündete. 700 Millionen Euro investieren er dafür in den Aufbau neuer IT und den Um- und Ausbau der Logistik. Im Versandzentrum Dortmund etwa wurde die Zahl der Packtische mehr als verdoppelt und einen Nachtschicht eingeführt, um dem erwarteten Ansturm Herr zu werden.  Im vergangenen sei der Onlineumsatz bereits um 70 Prozent auf 160 Millionen Euro nach oben geschnellt. "Ziel ist ein Onlineanteil von zehn Prozent bis 2020, und das schaffen wir auch“, gibt sich Betzel zuversichtlich.

Doch selbst mit dem verdoppelten Warenangebot gleicht Ikea im Onlinemarkt eher einem Beistelltisch, denn einer Einbauschrankwand. Ganz anders als in den USA, dort ist Ikea bereits der  fünftgrößte E-Commerce-Händler. Heinemann: „Im Moment hält man sich hier noch zurück, aber die Schweden stehen mit Knowhow und Erfahrung in der Poleposition und können auf dem deutschen Markt jetzt relativ entspannt die Online-Offensive vorbereiten“.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%