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Black Friday Die Stunde der Schnäppchenjäger

Der US-Einzelhandel feiert den Tag nach Thanksgiving auf seine Weise: Am „Black Friday“ schlägt die Stunde der Schnäppchenjäger. Riesen-Rabatte locken die Amerikaner in die Läden – Startschuss fürs Weihnachtsgeschäft.

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Amerikaner campen vor einer Elektronikmarktfiliale. Mittlerweile machen die Geschäfte oft schon am Vorabend auf. Quelle: dapd

New York, Düsseldorf Dieses Jahr will Polizeileutnant Jill McDonnell keine Gnade gelten lassen. Wenn Minderjährige wieder zu später Stunde vor den Türen von Wal-Mart oder Target stehen, um sich Schnäppchen zu sichern - dann will er sie verhaften.

Während die Kaufhäuser in den USA früher an Thanksgiving geschlossen waren, können die Amerikaner ihre Shopping-Freude in diesem Jahr schon direkt nach dem Truthahn-Schmaus genießen. Seit einem Jahr öffnen die Kaufhäuser ihre Läden nämlich schon am späten Donnerstag-Abend.

Weil es im vergangenen Jahr "zu einigen Vorfällen" wie Schlägereien oder anderen Streitigkeiten gekommen war, schickt McDonnell diesmal zusätzliche Streifenwagen durch die Stadt Auburn Hill in Michigan, um nach 22 Uhr Kinder und Jugendliche ohne Begleitung eines Erwachsenen einzusammeln.

Die Polizisten werden jede Menge zu tun haben. Thanksgiving und der heutige "Black Friday" markieren die wichtigste Zeit für den US-Einzelhandel. In der Zeit bis Weihnachten erzielen viele Ketten rund 30 bis 40 Prozent ihres Umsatzes und den Löwenanteil ihres Gewinns für das gesamte Jahr.

Nach der Prognose des US-Einzelhandelsverbands National Retail Federation werden die US-Läden in diesem Jahr trotz Konjunkturflaute 4,1 Prozent mehr als im Vorjahr umsetzen - das wäre das beste Ergebnis seit fünf Jahren. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Marktforschers Ipsos geben zwei Drittel der Konsumenten an, in etwa die gleiche Summe wie vor Jahresfrist einzuplanen. Trifft die Schätzung ein, erlösen die Kaufhäuser und Läden in den kommenden Wochen 586 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: So viel Geld steht dem Euro-Krisenmechanismus ESM derzeit zur Rettung der Europawährung zur Verfügung.

Der Grund für den Optimismus: Die Arbeitsmarktzahlen und die Lage am Häusermarkt verbessern sich in den USA. "Mit der Gemütslage der Amerikaner geht es aufwärts", sagt Harm Bandholz, US-Chefökonom von Unicredit.

Früher kamen viele US-Einzelhändler erst durch die Weihnachtssaison in die schwarzen Zahlen, daher der Name "Black Friday".

In Amerika entwickelte sich eine Art Kult um den Tag, angetrieben durch Sonderangebote wie Flachbildschirmfernseher für 148 Dollar bei Wal-Mart oder Spiegelreflexkameras für 99 Dollar bei Target. In einer Schätzung der National Retail Federation wollen 147 Millionen Amerikaner am kommenden Wochenende einkaufen gehen, davon knapp die Hälfte am Black Friday.


Premiere bei Walmart: Belegschaft streikt

Um des Massenansturms Herr zu werden, führen die US-Einzelhändler vermehrt sogenannte "Doorbuster"-Schnäppchen ein. Die "Lockvogel-Angebote" gibt es nur für eine bestimmte Menge zu einer bestimmten Zeit. So können die Kunden bei Wal-Mart heute Abend um 20 Uhr, um Mitternacht und um 4 Uhr nachts den Kingsford Grill für 99 statt 148 Dollar oder das Spielzeug Rubies Star Wars Yoda Dog für fünf statt zehn Dollar kaufen. Auch die Spielzeugkette Toys R Us bietet insgesamt 200 Doorbuster an, so viele wie noch nie, sagt Vorstandschef Jerry Storch: "Sonderangebote werden immer wichtiger für die gesamte Weihnachtssaison".

Die letzten Wochen des Jahres sind für bestimmte Einzelhändler entscheidender als für andere. Nach einer Analyse von Unicredit sind vor allem Elektronikketten wie Best Buy, Kaufhäuser wie Target, JC Penney oder Wal-Mart und Kleiderketten wie American Apparel oder Gap am meisten abhängig von der Weihnachtssaison, in der sie bis zu 90 Prozent mehr umsetzen als in "normalen Monaten", wie es in der Studie heißt.

Während Millionen Amerikaner den Kult-Tag zelebrieren und shoppen, bis die Kreditkarte glüht, steigen die Mitarbeiter des weltgrößten Einzelhändlers Walmart auf die Barrikaden. Etliche Angestellte haben sich entschieden, am auch am schwarzen Freitag zu streiken. Es geht um Lohndumping und unfaire Arbeitsbedingungen.

Das ist für den Händler Walmart, der sich selbst für einen guten Arbeitgeber hält, völlig neu. Vor wenigen Wochen haben sich Teile der US-Belegschaft zum ersten Mal in der 50jährigen Geschichte des Einzelhandelsriesen gewehrt und landesweit gestreikt.

Schon öfter geriet Walmart in die Kritik. Miese Arbeitsbedingungen, schlechte Bezahlung, keine gewerkschaftliche Vertretung: Das sind die Hauptpunkte, die dem Unternehmen vorgeworfen werden, schreibt die österreichische Tageszeitung "derStandard". Aber auch, dass die Mitarbeiter mehr oder weniger mundtot gemacht werden, wenn sie über die Arbeitsbedingungen öffentlich sprechen, gehöre zur Liste.

Mit einem Jahresumsatz von 447 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 15,6 Milliarden Dollar führte Walmart 2011 die Forbes-Rangliste der weltgrößten Konzerne an. Kritiker werfen dem Konzern vor, dass für diesen "Erfolg" maßgeblich auf den geringen Löhnen der Beschäftigten beruht. Eine Gewerkschaft gibt es bei dem Einzelhändler oder den Leiharbeitsfirmen, bei denen Mitarbeiter angeheuert werden, nicht.


Black Friday, Cyber-Monday auch in Deutschland

Immerhin, so berichtet die Zeitung "Junge Welt", habe der Streik von Anfang Oktober schon zu einigen Verbesserungen geführt. "Es ist zwar immer noch ein sehr weiter Weg, aber inzwischen haben wir schon einige Ventilatoren, und Sicherheitskleidung ist etwas einfacher verfügbar", schrieb ein Lagerhausarbeiter auf dem Internetportal democracynow.org nach dem Streik. Die größte Überraschung sei gewesen, dass das Unternehmen trotz des Ausstandes die Löhne nachgezahlt habe.

Auch in Deutschland gibt es in Anlehnung an den Black-Friday seit einiger Zeit einen Kult-Shopping-Tag – den sogenannten Cyber-Monday. Populär gemacht hat ihn 2010 der größte deutsche Online-Händler Amazon, der zum Auftakt des Weihnachtsgeschäfts schon heute seine sogenannten Cyber-Monday-Angebote gestartet hat. Inzwischen ist aus dem Tag eine ganze Schnäppchen-Woche geworden. Kunden könnten bis zum 30. November alle 15 Minuten ein bis zu 50 Prozent ermäßigtes Produkt bekommen.

Auch zahlreiche andere Online-Händler wie Conrad, Gravis und Euronics bieten satte Rabatte. Sonderangebote gibt es den ganzen Tag über auch im deutschen Apple-Store, wo Nachlässe auf Produkte ja eher selten sind. Ein iPad zum Schleuderpreis darf man zwar nicht erwarten, aber bei einigen Artikeln im Sortiment sind sicher attraktive Einsparungen möglich.

Mehr Informationen zum deutschen Black-Friday gibt es auf der Internetseite www.black-friday-2012.de.

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